Schnee und Lawinen

Staublawine - WVB
Staublawine - WVB
Darstellung der Zusammenhänge zwischen Schneefall und Lawinenbildung zwecks Vermeidung von Lawinenunfällen.

Schneekristalle besitzen eine außerordentliche Formenvielfalt, die auf die Entstehung des Schnees zurückzuführen ist. Sie werden gerne abgebildet und vermitteln damit ein freundliches und liebenswertes Bild. Doch sollte man sich nicht dadurch von ihrer Instabilität und auch Gefährlichkeit täuschen lassen. Erst bei Temperaturen unter -12 °C können sich in den Wolken Wassertröpfchen an Kristallisationspunkten (zum Beispiel Staubteilchen) anlagern und dort auch gefrieren. Der in der Luft enthaltene Wasserdampf geht einerseits somit direkt in Eis über und durch das zunehmende Gewicht beim Abwärtsgleiten in den Wolken wachsen andererseits aufgrund des unterschiedlichen Dampfdruckes zwischen Eis und unterkühltem Wasser die Kristalle weiter an.

Schneefall

Erstaunlich ist aber die Vielfalt der Eiskristallformen, die jedoch alle einer sechseckigen Grundform entspringen. Wegen der besonderen Struktur der Wassermoleküle sind nämlich nur Winkel von exakt 60° beziehungsweise 120° möglich und so entstehen die sechseckigen Kristallformen. Da Schneeflocken eine große Oberfläche besitzen und somit einen hohen Luftwiderstand haben, fallen sie nur mit etwa vier Stundenkilometern verhältnismäßig langsam zur Erde (Regen fällt mit etwa 20 km/h, Hagel kann Geschwindigkeiten bis 60km/h erreichen). Bei starken Schneefällen können sich daher innerhalb eines Tages Neuschneemengen von 50cm und mehr durchaus ergeben.

Schneeumwandlung

Frisch gefallenen Schnee bezeichnet man oft als Neuschnee. Bei der abbauenden Metamorphose nehmen die Kristalle durch den Druck der Schneedecke, durch Wind und Temperaturänderungen allmählich eine runde Form an. Sie werden dadurch fester und dichter und man bezeichnet sie dann als filziger oder rundkörniger Schnee. Bei der aufbauenden Metamorphose bilden sich wieder größere Kristalle, die durch Lufteinschlüsse aber nur noch geringe Festigkeit besitzen. Sowohl abbauende als auch aufbauende Schneeumwandlung finden bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und über mehrere Wochen statt. Durch die Feuchtigkeit des Schnees ergeben sich somit seine physikalischen Eigenschaften wie Dichte und Bindigkeit (Klebrigkeit). Dabei kann ein Kubikmeter Schnee bis zu 50 Kilogramm (Pulverschnee), oder 50 bis 150 Kilogramm bei gebundenem Neuschnee, 150 bis 500 Kilogramm bei sogenanntem Altschnee oder sogar bis 800 Kilogramm Gewicht bei Sulzschnee besitzen. Ab 150 Kilogramm kommt es durch Temperaturänderungen in der Schneedecke bereits zum berüchtigten Schwimmschnee, dem Auslöser von Schneebrettern.

Schneebretter

Schneebretter haben einen quer zum Hang verlaufenden Anriss, wobei große Schichten der Schneedecke wie auf einer Gleitschicht abrutschen. Oft „gleitet“ eine gewaltige Schneemasse brettartig auf einmal los. In den meisten dieser Schwimmschneeschichten breiten sich Spannungswellen durch Belastung von außen (Skifahrer, Wild, Schneebrocken) dabei mit so hoher Geschwindigkeit aus, dass ein ganzer Hang auf einmal abbricht. Somit wird das Schneebrett zur klassischen Gefahr für Wintersportler oder Bergsteiger. Durch Schneeprofile und Hangbeurteilung (Neigungen zwischen 25° und 45° sind besonders gefährdet) können die Gefahrenmuster für Lawinen beurteilt werden.

Staublawinen

Lockerschneelawinen (oder Staublawinen) dagegen sind durch einen punktförmigen Anriss gekennzeichnet und die Geländeneigung und die Bindigkeit des Schnees lässt die Lawine beim Abgleiten rasch anwachsen. Da unverfestigter Schnee Spannungen schlecht überträgt, ist diese Lawinenform meist durch leichten Schnee in großer Menge und bei beträchtlicher Steilheit des Geländes von 40° bis 60° möglich. Besondere Bezeichnungen für derartige Lawinen nennt man auch Staublawinen oder Grundlawinen. Vor allem ungünstige Bodenbedeckung (Gras) oder auch Schneeverfrachtung (durch Wind verfrachtete Schneewächten) können Auslöser dieser Lawinen mit sehr hohen Geschwindigkeiten (bis 250 Stundenkilometer) sein. Diese Arten von Lawinen sind im Gelände meist gut ersichtlich, da sie in der Lawinenbahn keine Hindernisse wie Bäume oder Felsen besitzen. Den Einheimischen in den Alpen sind sie meist als Lawinengänge oder Lahnen bekannt.