
- Antikörper-gekoppelte Fluoreszenz-Farbstoffe erleuchten RS-Viren - CDC: Dr. Craig Lyerla (1975)
Leidet ein Rhinozeros an Rhinitis oder gar an Rhinosinusitis, dann sind unter dem Nashorn des Nashorns die Schleimhäute der Nase oder die Nasennebenhöhlen angeschwollen und entzündet: Rhinitis nennen Mediziner eine meist banale Entzündung (lateinisch "-itis") der Nase ("rhis"). Jedes Jahr sind wir erneut verschnupft, trotz geschwollener Fachsprache der Ärzte ("Rhinitis"), trotz absurd angeschwollenen Werbesprüchen der Pharmaindustrie. Jedes Jahr lassen vor allem Schnupfen-Viren unsere Schleimhäute der oberen Atemwege anschwellen. Nur bei der der Sinusitis (Nasennebenhöhlen-Entzündung) spielen auch Bakterien des öfteren eine größere Rolle – bei einer bakteriellen Superinfektion.
Über 200 Schnupfen-Viren verschnupfen unsere Nase
Bisher gibt es keine so genannte kausale Therapie gegen Schnupfen-Viren, bisher können die Viren als krankheitserregende (pathogene) Ursache des Schnupfens nicht mit Medikamenten beseitigt werden – das macht die Immunabwehr unseres Immunsystems. Die Wirkstoffe in Medikamenten wie Nasensalbe oder Schnupfenspray können bei einer symptomatischen Therapie nur die Symptome lindern. Bei einer erfolgreichen kausalen Therapie müsste ein Arzneimittel über 200 verschiedene bekannte Schnupfen-Viren gleichzeitig beseitigen können. Bisher kann man aber nur mit Neuraminidase-Hemmern die Ausbreitung von Influenza-Viren stoppen. Doch oft kann man im Labor gar keinen Schnupfen-Erreger nachweisen: Einige Schnupfen-Viren scheinen bisher noch gar nicht bekannt zu sein. So wurden zum Beispiel die beiden Coronaviren HCoV-NL63 und HCoV-HKU1 überhaupt erst im Jahre 2004 und 2005 entdeckt. Beide Coronaviren rufen Entzündungen im Atemtrakt hervor. Trotzdem wissen unsere Hausärztinnen und Hausärzte, dass besonders Rhinoviren unsere Rhinitis verursachen.
Rhinoviren sind die häufigsten Schnupfen-Viren
Rhinoviren sind wie Noroviren unbehüllte Virus-Nackedeis, gegenüber Grippe-Viren stammt die Virushülle der Rhinoviren nicht aus der Zellmembran der letzten Wirtszelle. Über 100 verschiedene Serovare der Rhinoviren sind bekannt – die Viren-Serotypen unterscheidet man zum Beispiel mit Antikörpern bei Nachweistests wie ELISA: Die Antikörper erkennen spezifische Bausteine der Viren (Antigene). Heftet man einen Fluoreszenz-Farbstoff an den Antikörper, sieht man die Viren hell erleuchtet im Mikroskop (siehe Bild). Rhinoviren verursachen etwa 30 bis 40 Prozent aller Schnupfen-Erkrankungen. Atmen wir durch eine Tröpfcheninfektion Rhinoviren in die Nase ein, bindet das naseweise Virus an Proteine auf der Zelloberfläche unseres Nasenepithels – zum Beispiel an ein Glykoprotein namens ICAM (Inter-Cellular Adhesion Molecule 1).
Haaatschi!: Nach 12 bis 72 Stunden Inkubationszeit verursachen Schnupfen-Viren Verschnupfungen
Nach der Bindung an den zellulären ICAM-Rezeptor dringt das Rhinovirus über eine rezeptorvermittelte Endocytose in die Zellen des Nasenepitheliums ein und vermehrt sich. Nach einer Inkubationszeit von etwa 12 bis 72 Stunden treten die durch Schnupfen-Viren verursachten Symptome der akuten Erkältung auf. Am dritten Tag der Erkältung sind wir oft am stärksten verschnupft, wobei der nervende Schnupfen etwa eine Woche anhält. Das Nasenepithel reagiert durch die virale Belästigung total verschnupft, schniefend schilfern die infizierten Epithelzellen ab, die Schleimhaut schwillt durch die nasale Immunantwort an – die nasale Verstopfung führt zur näselnden Stimme.
Influenza-Viren sind die zweithäufigsten Schnupfen-Viren
Influenza-Viren verursachen nicht nur Grippe, sondern auch ganz normalen Schnupfen. Besonders die Subtypen der Influenza-A-Viren verursachen etwa 10 bis 30 Prozent aller Schnupfen-Erkrankungen. Die Häufigkeit der nachweisbaren Schnupfen-Erreger ist dabei auch abhängig vom Lebensalter der dahinschniefenden Patienten – Säuglinge und kleine Kinder erkranken durch ihr unreifes Immunsystem mit anderen Häufigkeiten als Erwachsene.
Coronaviren sind die dritthäufigsten Schnupfen-Viren
Coronaviren verursachen etwa 10 bis 15 Prozent aller verschnupften Schniefnasen und sind weltweit verbreitet. Coronaviren wie das SARS-Virus können auch schwere Lungenentzündungen auslösen. Nach Untersuchungen des Blutserums auf Antikörper gegen Coronaviren ist wohl schon fast jeder von Coronaviren belästigt worden. Die so genannte Seroprävalenz für Antikörper gegen HCoV-NL63 liegt bei gesunden Erwachsenen je nach Land zwischen etwa 60 bis über 90 Prozent.
Adenoviren verursachen etwa 5 bis 10 Prozent aller Schnupfen-Fälle
Circa 5 bis 10 Prozent aller Schnupfen-Fälle verursachen Adenoviren. Gegenüber den ganzjährigen auftretenden Rhinoviren infiziert man sich mit Adenoviren besonders im Winter und Frühjahr. Einige der über 50 Subtypen verursachen darüber hinaus eine meldepflichtige Bindehautentzündung des Auges (Konjunktivitis).
Para-Influenzaviren schwanken jährlich als Schnupfen-Erreger
Schnupfen-Viren wie das Para-Influenzavirus oder das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) werden normalerweise in etwa 5 Prozent aller akuten Erkältungen im Nasensekret nachgewiesen. Das RS-Virus erregt aber nicht nur die Nase, besonders bei kleinen Kindern verursacht RSV im ersten Lebensjahr in den unteren Atemwegen Bronchiolitis und Lungenentzündung (Pneumonie).
Weitere Informationen & Literatur
- Madeleine Rothen (2004): Akute Infekte des oberen Respirationstraktes – Continuous Medical Education (CME). Schweizerisches Medizin-Forum , 4, Seite 138 bis 145.
- Darai Gholamreza, Michaela Handermann, Hans-Günther Sonntag, Christian A. Tidona und Lothar Zöller (Hrsg., 2009): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin. ISBN 3-642-17157-5.
- Gerald L. Mandell, John E. Bennett und Raphael Dolin (2005): Principles and Practice of Infectious Diseases. Churchill Livingstone. ISBN 0-443-06673-6.
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