Schnupftabakdosen - gesuchte Raritäten

Tabakdose rettete Friedrich II. das Leben - www.wikimedia/Saxo
Tabakdose rettete Friedrich II. das Leben - www.wikimedia/Saxo
Mit zunehmender Beliebtheit des Tabakschnupfens im 18. Jahrhundert wurden zahlreiche dekorative Schnupftabakdosen produziert. Heute beliebte Sammlerstücke.

Während Schnupftabak heute in schmucklosen, handlichen Plastikboxen angeboten wird, brachte die Blütezeit des Schnupftabaks eine Vielzahl dekorativer Aufbewahrungsbehältnisse hervor, die heute seltene und gesuchte Stücke sind.

Geschichte des Schnupftabaks

Tabakschnupfen war bereits im 17. Jahrhundert in Deutschland bekannt, wie Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen in seinem Satyrischen Pilgram beschreibt: "Teils saufen sie den Tabak, andere fressen ihn, und von etlichen wird er geschnupft, also daß mich wundert, warum ich noch keinen gefunden, der ihn auch in die Ohren steckt …" *

Ende des 17. Jahrhunderts kam das Tabakschnupfen dann richtig in Mode. Von Frankreich aus verbreitete es sich schnell in ganz Europa als Statussymbol der Oberschicht. Bauern und Knechte rauchten Pfeife, der "kultivierte Mensch" schnupfte. Man zog den Tabak vom Handrücken, eleganter war es jedoch der Dose mit Daumen und Zeigefinger eine Prise Tabak zu entnehmen und diese an die Nasenlöcher zu führen.

Dass der exzessive Gebrauch von Schnupftabak den Geruchssinn schädigte, mag für den Menschen des Rokoko-Zeitalters, der nicht eben bekannt war für übertriebene Körperhygiene, nicht notwendigerweise von Nachteil gewesen sein.

Tabatièren – kleine Luxusgegenstände

Mit dem Aufschwung des Schnupfens wurden die Behältnisse für den Tabak immer bedeutender: Je edler, desto besser. Die sogenannte "Tabatière" avancierte zum beliebten Geschenk in der Oberschicht. Freilich besaß man nicht nur eine Tabakdose, sondern eine ganze Reihe wertvoller Stücke, die auch passend zur Garderobe ausgewählt wurden. Neben den kleinen handlichen Dosen im Taschenformat, gab es Tisch-Tabatièren, aus denen den Gästen nach dem Essen der Schnupftabak gereicht wurde.

Die Deckeldosen waren meist aus Edelmetall, Holz oder Horn gefertigt und kunstvoll gestaltet. Schnitzereien, Einlegearbeiten und Malereien zierten die Deckel. Wichtiger als der Gebrauchswert war der Repräsentationswert der Tabatièren. Die kleinen Luxusdosen gaben Auskunft über die gesellschaftliche und die finanzielle Stellung des Besitzers

Friedrich II. soll eine Sammlung von 300 Tabatièren im Wert von 1.750.000 Talern besessen haben. Im Berliner Schloss Charlottenburg sind noch einige seiner Tabakdosen zu bewundern. Eine der Dosen soll dem "Alten Fritz" sogar bei Kunersdorf das Leben gerettet haben, als sie eine Schrotkugel abhielt.

Stobwasserdosen Schnupftabakdosen aus Lack

Johann Heinrich Stobwasser (1740-1829) aus Lobenstein im Vogtland war ein ehrgeiziger kunstinteressierter junger Mann aus ärmlichen Verhältnissen. Fasziniert von japanischen Lackwaren, machte er es sich zum Ziel, einen haltbaren Lack zu erfinden, mit dem er ebenso dekorative Gegenstände würde herstellen können wie die Asiaten. Mit Ehrgeiz und Hartnäckigkeit gründete er eine Lackwarenfabrik, die sich bald weit über die Landesgrenzen hinaus eines exzellenten Rufs erfreute.

Stobwasser spezialisierte sich auf die Herstellung kleiner Objekte wie Spazierstöcke, Becher, Pfeifenköpfe, Schachteln und Schnupftabakdosen. Er beschäftigte einige begabte und bekannte Künstler, die für die Bemalung der Gegenstände zuständig waren.

Schnupftabakdosen von Stobwasser waren meist aus Pappmaché und bereits damals Luxusgegenstände. Heute sind sie beliebte Sammelobjekte, für die bis zu zweieinhalb Tausend Euro bezahlt werden. Deckel und Basis sind jeweils nummeriert und müssen dieselben Nummern aufweisen. Für die Motive auf den Lackdosen standen häufig berühmte Werke Pate: Rubens, Raffael oder die holländischen Meister wurden kunstvoll en miniature auf die Deckel der Dosen kopiert. Besonders beliebt waren auch Dosen, die auf der Deckelinnenseite erotische Darstellungen zeigten.

Quellen:

Bluhm, Detlef: Auf leichten Flügeln ins Land der Phantasie. Tabak und Kultur, Columbus bis Davidoff, Berlin 1997

Miller, Judith: Antiquitäten-Preisführer Europa, Regenstauf 2011

http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article13371859/Tabakdosen-koennen-50-000-Euro-wert-sein.html

*Blum, S. 69

Ursula Kohaupt - Hineingeboren in die Generation Golf, aufgewachsen in Bayreuth und Kunstgeschichte studiert in Bamberg, Marburg & London. Danach sechs ...

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