Ab 1. Januar 2009 sind Schnurlos-Telefone (mobile, tragbare Telefone mit Funkstation) in analoger Technik nicht mehr zulässig. Deren Verwendung ist strafbar und kann hohe Kosten verursachen. Als Alternative werden die schon seit langem weltweit verwendeten digitalen Schnurlos-Telefone in der DECT-Technik empfohlen. Jetzt warnen Fachleute: Entgegen der bisherigen Empfehlungen etwa des Branchenverbandes BITKOM ist diese Technik durchaus nicht abhörsicher. Was für den Privatmann eine unangenehme Nebenerscheinung sein kann, kann für Unternehmen zur bösen Falle werden.
Forscher der Technischen Universität Darmstadt haben in Kooperation mit der Bauhaus-Universität in Weimar, der Universität Luxemburg und dem Chaos Computer Club Sicherheitslücken bei Schnurlos-Telefonen entdeckt. Betroffen sind Telefone, die den weltweit meistgenutzten Standard für schnurlose Telefonie DECT (Digital Enhanced Cordless Telecommunication) verwenden.
Sogar Umleiten von Gesprächen ist möglich
Ein Angreifer könnte mit geeigneter Technik Daten über DECT-Geräte illegal abhören, umleiten oder Anschlüsse für eigene Zwecke missbrauchen. Die für eine Manipulation erforderlichen Fachkenntnisse sowie Kosten und Zeitaufwand sind sehr gering. Als sichere Alternative gelten derzeit vor allem Schnur-Telefone und reine WLAN-Telefone. Nachträgliche Sicherheits-Updates sind bei den meisten Geräten nicht möglich. Handys und öffentliche Mobilfunknetze arbeiten ohne DECT und sind daher von dieser Entdeckung nicht betroffen.
Missbrauch ohne großen Aufwand möglich
DECT überträgt per Funk Sprache oder Daten über kurze Distanzen zwischen Basisstationen und Mobilteilen gängiger schnurloser Telefone. Alle Geräte zum Beispiel eines büroweiten Funknetzes erkennen sich dabei über eine geheime Zahlenfolge.
"Selbst bei aktivierter Verschlüsselung ist es relativ einfach, sich zum Beispiel von einem in der Nähe geparkten Auto aus in ein privates DECT-Funknetz einzuklinken", erklärt Erik Tews, einer der an der Entdeckung beteiligten Forscher von der TU Darmstadt. Die Wissenschaftler konnten bei Ihren Tests netzfremde Basisstationen mit Mobilteilen interner DECT-Funknetze verbinden. Über diese Verbindung können mit entsprechender Software Gespräche abgehört oder auf netzfremde Geräte umgeleitet werden. "Uns ist wichtig, dass alle Nutzer informiert sind und bei Bedarf reagieren können, bevor Ihnen ein Schaden entsteht", betont der Informatiker.
Information ist nötig
Ein Sicherheits-Update über neue Software ist nur bei wenigen Geräten möglich. Diese weisen allerdings weitere Angriffsstellen auf und können daher ebenfalls als unsicher gelten. "Aktuell wäre die sicherste und kostengünstigste Alternative der Umstieg auf Schnur-Telefone", folgert Tews. Sicherheit in der Informations- und Datenverarbeitung ist von großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung. "Mit den vorhandenen Methoden sind die steigenden Sicherheitsansprüche langfristig nicht zu erfüllen", erläutert Professor Dr. Johannes Buchmann vom Fachbereich Informatik an der TU Darmstadt. Als Direktor des neu gegründeten Center for Advanced Security Research Darmstadt (CASED) steht für ihn deshalb die Weiterentwicklung der Computersicherheitstechnik von den theoretischen Grundlagen bis zur Konzeption neuer, praktikabler Datenschutz-Methoden im Vordergrund.
