
- Wie leben wir im Jahre 2020? - © Jaimie Duplass - Fotolia.com
Ein schaurig schönes Bild der Technologie von Morgen entwirft Hannes Schwaderer, Intel Deutschland-Chef: „Schon heute benutzen 1,7 Milliarden Menschen weltweit das Internet, im Jahre 2020 werden es voraussichtlich fünf Milliarden sein. Aber schon 2015 kommunizieren 15 Milliarden Geräte über das Internet miteinander“, prognostiziert er und beschreibt einige der erwartbaren Folgen: Das Automobil wird zur Internetadresse, mobile Internet Devices, Geräte, die in jede Jackentasche passen, werden uns immer und überall mit dem Netz verbinden, Patienten werden nach kurzem Krankenhausaufenthalt mit Geräten nach Hause geschickt, die ihre Vitalfunktionen überprüfen und an den behandelnden Arzt übermitteln. Intelligente Stromzähler helfen, die Energieeffizienz im eigenen Haushalt zu managen. Haushaltsgeräte denken mit.
Technologie der Zukunft – intelligent, vernetzt und individualisiert
Mit drei Thesen skizziert Hannes Schwaderer seine Zukunftsvision. Erstens: Wir leben in der Zeit des Web 2.0, das durch die Euphorie über die Menge der Inhalte gekennzeichnet ist. Das Web 3.0 wird die Inhalte bringen, die in diesem Moment für mich relevant sind. Zweitens: Heute passen wir uns der Maschine an. Morgen hört die Maschine auf uns. Wir brauchen keine komplizierte Computersprache mehr, keine Tastatur, keine Maus. Es genügt die Geste, das Wort, der „Touch“. Drittens: In Zukunft werden wir mehr Werbung sehen, weil sie nur das zeigen wird, was momentan für uns relevant ist.
Ein Megatrend der Zukunft ist Körperoptimierung und Selbstdesign
Die Überzeugung, dass es die Aufgabe jedes Einzelnen ist, den eigenen Körper zu optimieren, beginnt schon heute, das Bewusstsein der Menschen zu beeinflussen. Die Medizin, die Ernährungs- und Getränke-, die Pharma und Kosmetikbranche sowie die Fitnessanbieter haben längst begonnen, auf die Bedürfnisse der „Bodytuner“ zu reagieren. Die Aufgabe der Körperoptimierung und des Selbstdesigns, in deren Folge Body- und Hirndoping zur Normalität werden, ist der Megatrend der Zukunft – so lautet zumindest das Ergebnis der Expertenstudie „Körperwelten 2020“, für die Forward2Business, die Conomic Marketing und Strategy Consultants Wissenschaftler aus Neurobiologie, Medizin und Dermatologie, Soziologen und Psychologen, Ingenieure und Robotik-Experten sowie Lifestyleredakteure und Unternehmer aus der Kosmetik- und Fitnessbranche befragt haben.
Optimierung der Gehirnleistung – Training und Doping
Gesa von Wichert, Leiterin des Conomic Trendlab, stellt die wichtigsten Ergebnisse der Expertenstudie vor: „Gehirntraining via Computerspielen ist schon heute massenhaft verbreitet. Dr. Kawashimas Gehirnjogging zum Beispiel gehört seit Jahren zu den Top 3 der verkauften Konsolenspiele“. Weil die Erfolge der Lernwilligen bei dieser Art der immer gleichen Aufgabenstellung aber eher mager seien, gehe der Trend hier zu intelligenten „Neurobics“, also Aerobic fürs Gehirn, bei dem die immer neuen Aufgaben mit Bewegungsübungen verbunden werden.
„Zusätzlich greifen immer mehr Menschen nach medizinischen Wirkstoffen zur Optimierung der Hirnleistung“, erklärt die Expertin: „Pflanzliche Mittel nach Erhalt der Gedächtnisleistung werden Standard in der Altersmedizin. Dass aber auch in jüngeren Zielgruppen ein starker Wunsch zum Brain-Doping besteht, kann man anhand des Missbrauchs von eigentlich für den Krankheitsfall entwickelten Neuroenhancern verdeutlichen. In den Vereinigten Staaten dopen sich bereits heute 25 Prozent der College-Prüflinge regelmäßig pharmakologisch“. In seinem Buch „2020 – So leben wir in der Zukunft“ prognostiziert der Trendforscher Sven Gábor Jánszky: "In zehn Jahren wird Hirndoping alltäglich sein".
Optimierung des Körpers
Jung bleiben wollen, dem Alterungsprozess entgegenwirken, wird, laut Trendstudie, ein Megatrend des Jahres 2020. Schon heute gibt es eine rasante Entwicklung im Bereich der so genannten Schönheitsoperationen. Und das nicht nur bei Menschen über 30. „25 Prozent aller deutschen Jugendlichen würden sich einer Schönheitsoperation unterziehen, wenn sie die geschenkt bekämen“, referiert Gesa von Wichert. Und es wird sich kaum jemand dem Trend entziehen können, denn, so die Expertin: „gutes Aussehen und Fitness werden in unserer wettbewerbsorientierten Leistungsgesellschaft schon lange als Erfolgsindikatoren gewertet.“ Die Versprechungen der Kosmetik- und Pharmaindustrie bezüglich ihrer Cremes und Lotions sind aber bis dato eher mit Vorsicht zu genießen, meint Gesa von Wichert: „Die Forschung beschäftigt sich hier eher noch mit der Frage: Wie findet Hautalterung statt? Und: Wie bekomme ich die Wirkstoffe unter die Haut.“
Ewige Fitness als Anforderung der Zukunft führt zum Einsatz von mobilen Motion Tracking Services. Motion Tracking meint das Aufzeichnen von Bewegungen des Körpers mithilfe von Bewegungssensoren in der Kleidung und hat, so das Ergebnis der Trendstudie, erhebliches Wachstumspotenzial im Sport und Healthcare-Bereich. Durch die Überwachung von Körpereinsatz und Bewegungsabläufen in Echtzeit soll die Trainingseffizienz gesteigert und falsches oder ungesundes Training vermieden werden.
Wer mehr wissen will über die »schöne neue Welt« 2020, findet jede Menge Information in: Klaus Burmeister, Holger Glockner, Handbuch Zukunft 2010, Trends Herausforderungen Chancen, Focus Magazin verlag GmbH, München 2009.
