Schon vor 100.000 Jahren gab es einen Handwerksbetrieb

Dies ist eine archäologische Sensation: Schon vor 100.000 Jahren gab es in einer südafrikanischen Höhle einen Handwerksbetrieb. Farben wurden produziert

In der Archäologie ist man niemals vor Überraschungen sicher, schon allein aus dem Grund, weil sich zum "Alten" stets "Älteres", sogar "Noch Älteres" gesellen kann – aufgrund neuer Funde. Das war jetzt in Südafrika der Fall: Dort gab es schon vor etwa 100.000 Jahren einen regelrechten Handwerksbetrieb. Von einer antiken "Farbenfabrik" sogar spricht John Noble Wilford, zweifacher Pulitzerpreisträger, in der "New York Times". All dem liegt ein sensationeller Fund in der Blombos-Höhle nahe Cape Town zugrunde. Diese Höhle auf einer den Indischen Ozean überblickenden Anhöhe wird seit vielen Jahren von Archäologen erforscht. Die Deutung früherer und neuerer Funde aber, auch im Onlinedienst der Zeitschrift "Science" dargestellt, gleicht einer Sensation.

Ocker abgespachtelt und mit Knochenmarksfett gemixt

In dieser Höhle gewannen die Menschen vor rund 100.000 Jahren durch Abspachteln schon Ocker, laut Brockhaus ein "gelblich-braunes, erdiges Brauneisenerz, Limonit". Damit haben die südafrikanischen Höhlenmenschen jener Zeit offensichtlich nicht nur an oder in den Fels gezeichnet, sondern auch ihre Haut bemalt, vielleicht als Sonnenschutz, sicherlich als Körperschmuck. Sie haben dafür den abgebauten und zerkleinerten Ocker mit einem aus tierischem Knochenmark gewonnen Fett sowie mit Holzkohle gemischt. Nicht nur Überreste dieser Farbe sind in der Höhle gefunden worden, sondern auch Werkzeuge, mit denen die Handwerker von damals umzugehen wussten. An Spachteln aus Gestein "klebten" noch Farbüberreste, sie fanden sich auch in großen Seeohrmuscheln, in denen die Ockermixtur – offensichtlich über Feuer – verflüssigt wurde.

Die Höhle war ausschließlich Handwerksstätte

In dieser Höhle wurden keinerlei Hinweise gefunden – wie das sonst mittels Feuerstätten und tierischen Essensüberresten wie Knochen üblich ist –,wonach die Menschen in ihr gewohnt haben. Die "New York Times"-Deutung, basierend auf den Erkenntnisse der Archäologen aus Norwegen, Australien, Frankreich und Südafrika: "Sie kamen nur zum Arbeiten in diese Höhle, vielleicht aus einer Entfernung bis zu 15 Kilometer". In dieser Höhle wurden die Werkzeuge ebenso aufbewahrt wie die Mittel, die zur Herstellung der Farbe dienten. Diese "Farbmixer" verfügten über elementare chemische Kenntnisse und vorausschauende Planung – und das viel, viel früher, als bisher angenommen wurden, dass Menschen zu so etwas in der Lage waren. Wahrscheinlich haben die in der Höhle arbeitenden Handwerker auch nicht nur für sich allein geschaffen. Fazit all dessen: Hier gab es einen Handwerksbetrieb. Professor Christopher Henshilwood von der norwegischen University of Bergen, der das Archäologenteam an der Blombos-Höhle leitet: "Die Menschen, die in dieser Höhle arbeiteten, waren unserem modernen Verhalten ziemlich nahe". Die Ausgrabungen dort übrigens gehen weiter, die Blombos-Höhle ist eine wahre Fundgrube – weitere Sensationen kaum ausgeschlossen.

Cro-Magnon-Malereien sind gelb-rötlich

Vor 100 000 Jahren also schon: Bisher war angenommen worden, dass der moderne Mensch – homo sapiens – Malereien in Höhlen und auf Felsgestein erstmals vor etwa 40 000 Jahren anfertigte und dafür selbstgemachte Farben verwendete. Die berühmten Malereien von Cro Magnon im Südwesten Frankreichs sind sogar "nur" 17.000 Jahre alt. Diese gemalten Hirsche, Stiere und Pferde sind übrigens gelb-rötlich, ihre Farben zusammen gemischt aus verschiedenen Mineralien und Erden – Ocker gehört dazu.

Quellen:

  • New York Times
  • John Noble Wilford
  • Encyclopaedia Britannica
  • Brockhaus
Wolfgang Will, Hermann Streuff

Wolfgang Will - Hallo, Hi, Grüß Gott, Guten Tag: Ich bin Wolfgang Will, Jahrgang 1931. Arbeite derzeit als Freier aus Berlin (Wissenschaft, ...

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