
- Wehende schottische Fahne - Andreas Roß / pixelio.de
William Walace und Alex Salmond - diese Namen geistern seit einigen Monaten unentwegt durch die schottischen Medien. Der eine ist ein schottischer Nationalheld, der gegen die Engländer kämpfte und der andere ist der Parteichef der derzeit erfolgreichsten Partei in Schottland, der SNP; und gegen die Engländer kämpfen, das will dieser Alex Salmond auch. Seine Waffe ist kein Schwert, sondern der Wille des schottischen Volkes. Und der ist derzeit eindeutig: Schottland soll ein eigener Staat werden.
Erfolge der SNP
Die SNP (Scottish National Party) fristete bisher eher ein politisches Randdasein. Zwar stand sie schon immer für die Loslösung vom Vereinigten Königreich, doch diese politische Idee wurde selbst von eingefleischten schottischen Nationalisten als unrealistisch angesehen. Umso überraschender war das Ergebnis der SNP bei den vorletzten Regionalwahlen. Im Endeffekt reichte es aber nur zu einer Minderheitsregierung, die von den schottischen Grünen toleriert wurde. Bei den letzten Regionalwahlen im Jahre 2011 kam dann der Durchbruch; die SNP erlangte die absolute Mehrheit und verwies etablierte Parteien wie Labour und die Tories auf die Plätze. Die Zustimmung der Wähler zur Eigenständigkeit Schottlands war eindeutig.
Die Gunst der Stunde ließ sich Parteichef Alex Salmond nicht nehmen. Er verkündete, dass es bald ein Referendum über die Unabhängigkeit geben würde, in der jeder Schotte über die Zukunft des Landes entscheiden dürfte.
Bisher genießt Schottland, ebenso wie Wales, eine gewisse Teilautonomie, hat aber in wichtigen Belangen immer noch keine Entscheidungsgewalt. In der Vergangenheit konnte die SNP deswegen vor allem mit der Forderung nach einer grünen schottischen Politik und der Ablehnung zur Entsendung schottischer Soldaten in den Irak punkten.
Schottlands Trumpf: Nordsee-Öl
Die Londoner Regierung dürfte gar nicht begeistert vom Wahlsieg der SNP gewesen sein. Denn sollte sie eine Mehrheit in der schottischen Gesellschaft für die Loslösung schaffen können, würde London es ihnen kaum verwehren können. Dabei ärgert man sich im britischen Parlament wahrscheinlich nicht über den Verlust Schottlands selber, sondern über den Verlust des Öls. Vor der Küste Schottlands findet man die höchste Dichte an Ölbohrinseln weltweit und ein unabhängiges Schottland könnte davon hervorragend leben. Zwar reichen die Ölreserven nur noch für wenige Jahrzehnte, aber junge Staaten haben meist nur in ihrer Anfangsphase hohe Kosten, da einiges an neuer Infrastruktur entstehen muss. Schottland hat also hervorragende Voraussetzungen.
Spekulationen über zukünftige Staatsform
Viele Schotten, so übrigens auch der Schauspieler Sean Connery, machen sich angesichts dieser Entwicklung schon Gedanken über die Gestaltung des zukünftigen schottischen Staates. Die Hauptfrage ist, ob er eine Republik oder eine Monarchie werden soll. Immerhin war Schottland in seiner fast tausendjährigen Zeit als unabhängiger Statt, von 843 bis 1707, ein Königreich. Viele werden diese Überlegungen Zukunftsmusik nennen, aber sie verkennen die politische Lage. Die europäische Landkarte könnte sich sehr bald verändern. Ein eigener Staat Schottland ist zum Greifen nah.
Quellen:
- Situation der SNP in Schottland
- Argumente der Unabhängigkeitsbewegung
- Öl in der Nordsee
- Neuigkeiten zu Alex Salmond
- Schottische Geschichte
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