
- Schrebergarten in Duisburg - Thomas Max Müller, Pixelio
Was Kunst und Kultur ist, entscheiden nicht die Bewohner Essens und des Ruhrgebiets, sondern eher die Essener Stadtspitze. Wie aus verschiedenen Artikeln der Neue Ruhr Zeitung (NRZ) hervorging, wurden einige kulturelle Gruppen bei der Planung von Events, Veranstaltungen und Vorträgen gar nicht oder nur unzureichend berücksichtigt und haben ihren Unmut darüber bereits geäußert. Hierzu zählen unter anderem die Künstler der so genannten „freien Szene“, aber auch die Kleingärtnervereine.
Chancen nur für internationale Künstler
Bieten lokale Künstler, die im Ruhrgebiet leben, Events, Lesungen, Aufführungen, Ausstellungen et cetera bei Kulturzentren und vergleichbaren Institutionen an, erhalten Sie in der Regel die Antwort, dass die jeweilige Institution derzeit mit der Organisation des Kulturhauptstadtjahres ausgelastet sei und der Fokus dort lediglich auf internationale Künstler aller Art ausgerichtet sei, so dass für die Förderung von lokalen Autoren, Malern, Performern und Musikern derzeit weder Mittel noch Zeit übrig seien. Dabei gehören Künstler aller Art aus dem Ruhrgebiet ebenso zur Kulturszene und haben häufig einen viel besseren Einblick in die Lebenswelt Ruhrgebiet als viele internationale Stars, die von weit her kommen und Essen bis zu ihrer Ernennung zur Kulturhauptstadt nur vom Hörensagen kannten.
Kleingärtnervereine sind sauer
Die Kleingärten haben eine lange Tradition im Ruhrgebiet, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückreicht. Aus diesem Grunde hatten die verschiedenen Kleingärtnervereine in Essen bereits ein entsprechendes Programm mit Besichtigungen und Vorträgen für das Kulturhauptstadtjahr erarbeitet. Dies wurde jedoch von der Essener Stadtspitze abgelehnt, weil Schrebergärten ihrer Meinung nach keine größere Bedeutung für die Kultur des „Kohlenpotts“ hätten. Dies hat zu verständlicher Verärgerung bei den Kleingärtnern geführt.
Schrebergärten als grüne Lunge des Ruhrgebiets
Weit bis in die 1960er Jahre hinein war das Ruhrgebiet eine reine Industrieregion, die von Kohle und Stahl geprägt war, bevor nach und nach ein Strukturwandel zu einer Dienstleistungsregion einsetzte. Die Häuser, die Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts für die zahlreichen Industriearbeiter gebaut wurden, verfügten nicht, wie die meisten modernen Häuser, über Balkone oder Gärten. Wenn zu einem Mehrfamilienhaus tatsächlich ein Hinterhof oder ein kleiner Garten gehörte, wurde dieser weniger zu Erholungszwecken genutzt, sondern eher für Verrichtungen wie Wäsche trocknen, Teppiche ausklopfen und Ähnliches. Nicht selten war die Kohlenschütte ausschließlich über den Hofeingang zugänglich.
Um private, naturnahe Plätze der Freizeiterholung für die Industriearbeiter zu schaffen, etablierten sich schließlich ab Beginn des 20. Jahrhunderts die Schrebergärten in verschiedenen Wohnsiedlungen, die auch heute noch sehr rege genutzt werden – obwohl ein Großteil der Wohnungen und Häuser mittlerweile über einen Balkon, eine Loggia oder einen Garten verfügt. Vielfach gibt es Wartelisten für Personen, die sich für eine Parzelle in einer Kleingartenanlage interessieren, weil die Nachfrage nach Schrebergärten meist größer ist als das Angebot vor Ort.
Die Kleingartenbesitzer stört es in der Regel nicht, dass ihr Schrebergarten in den meisten Fällen nicht direkt vor der Haustür legt, sondern dass stattdessen relativ kurze Wege mit Auto, Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt werden müssen.
Die Nutzung der Kleingartenanlagen
Manche Menschen nutzen ihren Schrebergarten, der meist über eine Laube verfügt, als reines Erholungsparadies mit Blumenbeeten, einigen Obstbäumen, Gartenteich, Hollywoodschaukel und so weiter. Für Andere wiederum ist die eigene Parzelle nicht nur ein Ort der Erholung, sie nutzen ihren Garten auch für den Anbau von eigenem Obst und Gemüse. Oft führen breite Spaziergänge mitten durch die Schrebergärten, so dass auch Menschen, die keine eigene Parzelle besitzen, die Möglichkeit haben, die Schönheit und Vielfalt der Kleingärten zu betrachten.
Einige bekannte Kleingartenanlagen in Essen
- Kleingartenanlage Fürstenbergstraße in Borbeck. Der Haupteingang befindet sich zwar an der Frintroper Straße (B231), die Schrebergärten selbst erstrecken sich jedoch vom etwa 30 Meter entfernten Zirkusplatz am Westerberg bis zur etwa ebenfalls 30 Meter entfernten Fürstenbergstraße. Der breite Hauptweg führt von der Frintroper Straße in den Schlosspark. Von dort aus sind es nur noch etwa fünf Gehminuten zum Schloss Borbeck.
- Kleingartenanlage am Weidkamp in Borbeck, Grenze Gerschede. Diese große Anlage erstreckt sich zwischen Levinstraße, Weidkamp, Alter Bottroper Straße und der öffentlichen Grünanlage, die direkt an den Friedhof an der Haus-Horl-Straße in Dellwig angrenzt.
- Kleingartenanlage Essen-Altendorf. Die kleine Anlage erstreckt sich im Neubaugebiet zwischen Hopfenstraße und Malzweg. Eine wesentlich größere Anlage erstreckt sich in unmittelbarer Nähe zwischen Nöggerathstraße und Bockmühlenweg, wobei der Borbecker Mühlenbach – einer der zahlreichen Emscherzuflüsse – über weite Strecken parallel zum Kleingartengelände fließt. Hierbei handelt es sich um die Kleingartenanlage an der Bockmühle.
- Ähnliches gilt auch für die Kleingartenanlage Kaldenhoverbaum an der Böhmerstraße in Essen-Schönebeck, die vom Borbecker Mühlenbach, der S-Bahn-Linie Langenberg – Bottrop – Haltern, dem Terrassenfriedhof und der mittlerweile stillgelegten Rheinischen Güterbahnlinie umgeben ist. Die Schrebergärten am Kaldenhoverbaum sind nur etwa fünf Gehminuten von den beiden zuvor genannten Kleingartenanlagen entfernt.
Weitere Beispiele sind die Kleingartenanlage Am Schultenweg in Steele im Osten der Stadt, der Kleingartenverein an den Schonnebeckhöfen im gleichnamigen nordöstlich gelegenen Essener Stadtteil und viele weitere.
Die Bedeutung der Schrebergärten für die Einwohner des Ruhrgebiets
Allein in den Nachbarstädten Bottrop, Gelsenkirchen, Bochum, Hattingen, Oberhausen und Mülheim gibt es insgesamt mehr als 70 weitere Kleingartenanlagen, wobei hierbei noch nicht die weiteren Ruhrgebietsstädte wie Duisburg, Herne, Herten, Kreis Recklinghausen, Hattingen, Castrop-Rauxel und Dortmund mit eingerechnet sind.
Allein an der Größe und Anzahl der Schrebergartenanlagen wird deutlich, wie wichtig die kulturelle Bedeutung für die Menschen im Ruhrgebiet ist.
