Die ersten Wochen mit einem Baby sind besonders aufregend. Alles ist neu. Langsam lernt man sein Baby kennen und die Signale, die der Säugling aussendet, zu interpretieren. Gerade am Anfang ist man oft verunsichert und durch die tausend neuen Situationen gefordert. Schlafmangel und eine extrem reduzierte Zeit für sich selber machen die Sache nicht leichter. Kommen dann noch Wein- und Schreiattacken des Kindes dazu, fühlt man sich schnell überfordert. Man hat alles ausprobiert, aber das Baby hört nicht zu Schreien auf. Verzweiflung und das Gefühl versagt zu haben, machen sich breit. Wenn sich die Situation derart zugespitzt hat, ist der Leidensdruck für alle Beteiligten inklusive Baby meist schon sehr groß.
Warum Schreien Babys?
Das Schreien ist anfangs die einzige Möglichkeit eines Babys sich auszudrücken. Es sagt, ich fühle mich nicht wohl und fordert auf diesbezüglich etwas zu tun. Die Schwierigkeit besteht darin, die richtige Botschaft heraus zu finden und entsprechend darauf zu reagieren. Babys weinen, weil sie hungrig sind, die Windel voll haben, ihnen kalt oder zu warm ist, sie sich fürchten, etwas schmerzt, sie müde sind oder einfach aus Langeweile. Babys sind den liebenlangen Tag vielen Reizen ausgesetzt. Dies ist zwar einerseits für die Weiterentwicklung wichtig, führt aber andererseits oft auch zu einer Überforderung. Mit Hilfe des abendlichen Weinens wird das am Tag Erlebte verarbeitet, so dass eine Entspannung eintreten kann.
Was versteht man unter Schreibabys?
Die meisten Babys schreien gerade in den ersten Wochen regelmäßig. Ein bis zwei Stunden Schreien am Tag ist durchaus normal. Doch manche Babys schreien viel mehr. Hinzu kommt, dass sie sich durch nichts beruhigen lassen. Kein Stillen, Wickeln, Tragen oder das Fahren im Kinderwagen hilft. Dieses exzessive Schreien bei ansonsten gesunden Babys tritt relativ häufig bei 5 bis 30 % aller Säuglinge auf. Das Schreiverhalten zeigt sich meist ab der 2. Lebenswoche und endet bei einem Großteil der Kinder nach drei bis vier Monaten. Das Schreien ist charakterisiert durch anfallsartige, ohne externe bzw. nachvollziehbare Gründe ausgelöste, andauernde Schreiattacken.
Was sind die Ursachen für die Schreiattacken?
Die früher als Grund angeführte sogenannte Dreimonatskolik, wird heute meist ausgeschlossen. Hingegen spielen Faktoren wie Stress der Mutter während der Schwangerschaft, sowie Probleme bei der Geburt eine Rolle. Ein Kaiserschnitt, Geburtszange oder Saugglocke können beim Baby eine leichte Schrägstellung der Wirbelsäule bedingen, die beim Baby immer wieder auftretende oder permanente Schmerzen verursacht und in Folge zu Schreiattacken führt. Manche Babys leiden auch unter Anpassungsproblemen nach der Geburt. Sie können Umweltreize nicht so gut wie andere Kinder aufnehmen und verarbeiten.
Welche Hilfen gibt es?
Mittlerweile gibt es in fast jeder Stadt, meist an ein Kinderkrankenhaus angeschlossen, sogenannte Schreiambulanzen. Die Babys werden untersucht, um organische Ursachen auszuschließen. Mit Hilfe von Kinderärzten und Kinderpsychologen wird das Schreiverhalten der Babys analysiert. Ein sogenanntes Schreitagebuch zeigt Zusammenhänge zwischen bestimmten Umweltreizen und dem Schreien der Kinder auf. Dies kann ein permanent im Hintergrund laufender Fernseher oder auch Streitereien der Eltern sein.
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Osteopathie. Osteopathie ist eine Heilmethode, die gerade bei Schreibabys sehr erfolgreich ist. Osteopathen arbeiten mit den Händen. Durch sanftes Drücken und Streichen werden Fehlstellungen behoben und Spannungen gelöst. Bei Schreibabys werden oft Spannungen im Kopfbereich festgestellt verbunden mit einer Verschiebung an den Halswirbeln. Durch diese Bewegungsverminderung kommt es in Folge meist auch zu einer Überempfindlichkeit des Magen-Darm-Trakts. Viele Schreibabys reagieren schon auf die erste Behandlung bei einem Osteopathen positiv.
