
- Schreibaby - pixelio
Die Zeit nach der Geburt ihres Babys hatte sich Eva richtig schön vorgestellt. Voller inniger Momente zwischen Mutter und Kind. Doch jetzt ist alles ganz anders.
„Meine Tochter hört einfach nicht auf zu schreien,“ erzählt Eva, “Sie kommt kaum zur Ruhe. Dabei probiere ich alles aus, um sie zu beruhigen. Ich wickle sie, füttere sie und trage sie herum. Doch sobald ich sie versuche hinzulegen, beginnt sie zu weinen. Sie brüllt so ausdauernd, dass sie ganz rot im Gesicht wird. Ich weiß mir einfach nicht mehr zu helfen.“
Das Phänomen, das Eva beschreibt, nennt man etwas simpel „Schreibaby“. Dass jeder Säugling mehr oder weniger viel schreit, ist völlig normal. Schreibabys jedoch, weinen untröstlich und beinahe unstillbar über Stunden, nahezu rund um die Uhr. Für die Eltern bedeutet dies größte Hilflosigkeit, Stress und am Ende Erschöpfung. Dazu kommen häufig Schuldgefühle.
„Ich habe das Gefühl, alles falsch zu machen,“ berichtet Eva. „Ich fühle mich als schlechte Mutter, weil ich einfach nicht weiß, was meinem Kind fehlt. Außerdem bin ich mittlerweile mit meiner Kraft am Ende.“
Warum schreit ein Baby dauernd?
Die Ursachen für exzessives Schreien bei Babys sind sehr unterschiedlich. Allen Neugeborenen fällt es anfangs schwer sich in der Welt zurechtzufinden. Der Lebensrhythmus, der vorher noch mit dem der Mutter verbunden war, muss nun selbst gefunden werden. Manche Babys haben damit stärkere Probleme als andere. Sie finden sich schlecht in Tageszeiten ein, schlafen dadurch zu wenig, sind überreizt und unzufrieden. Das Schreien entspringt also in diesen Fällen einer Regulationsstörung.
Auch Ortswechsel werden als Grund vermutet. Diese erschweren es den Kindern, eine persönliche Regelmäßigkeit zu entwickeln, da sie sich auf unterschiedliche Geräusche, Lichtverhältnisse und anderes einstellen müssen.
Probleme während der Schwangerschaft vermutet man als weitere Ursache. Sei es eine ungewollte Schwangerschaft, Beziehungsprobleme oder auch eine übermäßige Angst vor einer Fehlgeburt: Stress vor der Geburt scheint Auswirkungen auf die Entstehung von exzessivem Schreien zu haben.
Wann ist ein Baby ein sogenanntes Schreibaby?
Für Babys, die ja noch nicht sprechen können, ist Weinen und Quengeln eine Möglichkeit der Kommunikation. Sie teilen damit ein Unwohlbefinden mit. Das können Hunger, Müdigkeit, der Wunsch nach Zuwendung oder auch beispielsweise Bauchweh sein. Die Eltern versuchen in der Regel dieses Bedürfnis zu befriedigen. Schreibabys scheinen sich jedoch durch nichts wirklich beruhigen zu lassen. Der Unterschied zwischen normalem und exzessivem Schreien liegt in der Dauer und Häufigkeit von Schreiattacken. Als Faustregel gelten derzeit, insgesamt drei Stunden täglich an drei Tagen pro Woche über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen.
Wie kann dem Baby und den Eltern geholfen werden?
Zuerst einmal sollten sich Eltern klar darüber sein, dass ein Schreibaby nichts mit der eigenen Unfähigkeit im Umgang mit dem Säugling zu tun hat. Weder Selbstvorwürfe, noch mögliche Durchhalte-Appelle wohlmeinender Mitmenschen helfen weiter. Man geht heute davon aus, dass etwa 20 aller Kinder von übermäßigen Schreiphasen betroffen sind. Seit einiger Zeit gibt es in vielen Städten Schreiambulanzen, in denen sich gestresste Eltern Hilfe holen können. Die Erfolge sind durchweg sehr gut. Meist bessert sich schon nach zwei bis fünf Terminen die Problematik deutlich.
Wo Sie in Ihrer Nähe eine solche Anlaufstelle finden können, erfahren Sie beim Netzwerk GAIMH, der Gesellschaft für die seelische Gesundheit in der frühen Kindheit. Dort sind nicht nur die Ambulanzen der Kliniken gelistet, sondern auch qualifizierte Kinderärzte und Hebammen, die sich in ländlicheren Gegenden dieser Thematik angenommen haben.
