
- Anna Platsch. Schreiben als Weg - © Theseus-Verlag
Schreibratgeber gibt es viele, auch gute Schreibratgeber. Häufig geht es darum, Handwerkszeug und Kreativität miteinander zu verbinden. Denn beides ist notwendig für lebendige Texte. Anna Platsch geht mit ihrem Schreibratgeber einen Schritt weiter. Sie nimmt den Leser an die Hand und führt ihn nach innen. Nur von dort sei es möglich, in Freiheit zu schreiben: frei von dem äußeren Druck, ein gutes Ergebnis liefern zu müssen, mit dem jeder zufrieden ist. Schreiben als Weg bezieht sich nicht allein auf das kreative Schreiben im engen Sinn. Nicht nur Autoren der belletristischen Literatur, Lyriker und Schriftsteller sind angesprochen, sondern auch Journalisten und Wissenschaftler.
Schreiben und innerer Weg
Das Schreiben und den eigenen inneren Weg miteinander zu verbinden, das ist Anliegen der Autorin. Mit ihrem Buch lädt sie zu einer inneren Reise ein. So wird gleich am Anfang deutlich, dass sie einen Schreibratgeber anbietet, der gleichzeitig Impulse für eine persönliche Weiterentwicklung gibt. An Hand von Übungen aus ihren Schreibwerkstätten begleitet Anna Platsch den Leser bei seinem Weg nach innen.
Schreiben als Weg ist inhaltlich in drei Abschnitte geteilt: Handwerkszeug, Lösung aus der Geschichte und Raum für ein neues Bewusstsein. Aufgelockert wird der Text durch so genannte "Schreiborte", mit denen die Autorin ihre Leser an eigenen Erfahrungen beim Schreiben teilhaben lässt. Fein verteilt, sind außerdem Zitate von bekannten Künstlern, Schriftstellern und Persönlichkeiten.
Handwerkszeug für kreatives Schreiben
Die Übungen sind anders. Sie machen mehr Spaß. Richtig und falsch gibt es nicht, auch Rechtschreibung und Grammatikregeln sind unwichtig. Einfach drauf los schreiben, skizzenhaft, "den inneren Bildersturm zu Papier bringen", selbstvergessen schreiben, nicht ergebnisorientiert. Dann können Worte "blühen, sich verzieren, austoben, wachsen, sich frei entfalten".
Beim Schreiben man selbst sein und frei sein – das braucht Mut, Furchtlosigkeit und eine offene Haltung. Für den Zensor und inneren Kritiker gibt es ein Extrablatt, da kann er sich austoben. Auch Meditation gehört zum Handwerkszeug. Denn "ohne Stille und ohne uns ein freies, wildes, offenes Denken, Erleben und Wahrnehmen zu erlauben … bleibt der Text flach", so die Autorin.
Das leidige Überarbeiten von Texten bekommt ebenfalls einen anderen Klang. Nicht die Suche nach Fehlern ist der Sinn, sondern das "Freilegen des Vollkommenen", Freilegen des Textes, der in einem angelegt ist. Wer das erreichen möchte, braucht neben dem kreativen Handwerkszeug noch ein weiteres: Er muss sich selbst gut kennen.
Freiheit von der eigenen Geschichte
Biographiearbeit heilt. Der Zugang zum inneren Kind öffnet die Tür zu schöpferischen Kräften. Das Aufschreiben der persönlichen Lebensgeschichte hilft, sich mit der eigenen Vergangenheit zu versöhnen und sich von ihr zu lösen. Nur so ist geistige Wachheit in der Gegenwart möglich und Kreativität kann sich ungehindert entfalten.
Für die Arbeit an der eigenen Biographie laden zahlreiche Übungen ein. Anna Platsch ermutigt den Leser, seinen inneren Kräften die Führung dieses Entwicklungsprozesses zu überlassen, sogar dann, wenn es um eine schwierige Kindheit geht. Das positive Menschenbild der Autorin geht davon aus, dass der Wesenskern eines jeden Menschen heil ist. Dennoch stellt sich die Frage, ob tatsächlich jeder Leser seine Biographie auf diese Weise und ohne Begleitung bearbeiten kann.
Schreiben heißt der inneren Stimme lauschen
Losgelöst von sich selbst, fließend schreiben und die inneren Impulse wahrnehmen- das ist die Kunst, auf die es ankommt. "Schreiben ist Lauschen, immer tiefer der inneren Stimme lauschen." Für die Autorin bedeutet es, ein neues Bewusstsein zu gewinnen, das über die eigenen Grenzen hinausgeht und alle Menschen, alles Leben miteinander verbindet.
Anna Platsch spricht von einer "Grenzüberschreitung nach innen" und verweist darauf, dass bereits Mystiker und Weise aller Religionen davon erzählt haben. Wer keine spirituellen Erfahrungen kennt, wird es im letzten Teil des Buches vermutlich schwerer haben. Die Übungen, die die Autorin anbietet, sind allerdings geeignet, auch ohne Vorerfahrung erste Schritte eines spirituellen Weges zu gehen.
Schreiben als Weg ist ein Plädoyer für leidenschaftliches Schreiben, inspiriert von einer Kreativität, die in der Stille geboren wird. Lesenswert für alle Autoren und Journalisten, die sich größere innere Freiheit und mehr Tiefe beim Schreiben wünschen. Lesenswert und wert, sich mit der eigenen Person auf die innere Reise einzulassen.
Die Autorin
Anna Platsch ist freie Autorin. Sie leitet Schreibwerkstätten und Seminare für eine offene, lebensnahe Spiritualität. Bevor sie das Schreiben zum Beruf machte, war sie dreißig Jahre als prozessorientierte Therapeutin tätig, Sie lebt mit ihrem Mann auf dem Land im Chiemgau, Weitere Informationen und Leseprobe unter annaplatsch.de
Anna Platsch: Schreiben als Weg. Von der kreativen Kraft des Wortes. Theseus Verlag, 2010. 200 Seiten, EUR 16,95, ISBN 978-3-89901-243-9.
Bild: Theseus-Verlag
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