Editor's Choice

Schritt für Schritt zu einem guten Regelwerk

Wie führt man effektiv Familienregeln ein?

Nicht nur Kinder brauchen Regeln und Konsequenz. Von einem stabilen Ordnungssystem profitieren alle Familienmitglieder.

Fachleute sind sich einig: um zu einer starken Persönlichkeit reifen zu können, brauchen Kinder vor allem Halt und Sicherheit. Regeln tragen erheblich dazu bei, dieses Gefühl zu vermitteln. Viele junge Eltern scheitern allerdings daran, Vorschriften wirksam einzuführen und dann auch aufrecht zu erhalten. Die erfahrene Erziehungsreferentin Irmin Eber-Schütz hat im Rahmen des von ihr konzipierten Erziehungsführerscheins einen hilfreiche Leitfaden erarbeitet, mit dessen Hilfe ein nützliches Regelsystems für die Familie aufgebaut werden kann.

1. Regeln festlegen

Die Regeln möglichst früh und gemeinsam im Rahmen einer Familien- oder Partnerkonferenz festzulegen trägt dazu bei, dass sich beide Elternteile mit dem Vorhaben identifizieren können. Dabei sollten folgende Fragen gestellt werden: „Was ist uns wichtig?“, „Was wollen wir wie in unserer Familie regeln?“, „Wer sorgt für die Überwachung?“.

2. Regeln den Kindern mitteilen, gemeinsam den genauen Wortlaut festlegen

Nachdem festgelegt wurde, was wie geregelt wird, sollte dies auch richtig an die Kinder weitergegeben werden. Wichtig dabei ist, dass die Regeln einfach, verständlich, kurz und vor allem positiv formuliert werden. Ein gutes Beispiel hierfür: „Vor jedem Essen wäscht sich jeder die Hände“.

3. Regeln veranschaulichen

Damit die neuen Richtlinien im Familienalltag gegenwärtig werden und auch bleiben, sollten sie auf einem Plakat aufgeschrieben oder aufgezeichnet werden. Auch das Aufhängen von Bildern, Symbolen, Fotos etc. sind effektive Mittel um die Regeln zu veranschaulichen oder an sie zu erinnern. So wird den Eltern auch ermöglicht, ohne großen sprachlichen Einsatz auf die Regel zu verweisen. Dies ist auch mit akustischen Mitteln, wie zum Beispiel einer Klingel, einem Gong oder einem Wecker gut durchführbar. Die Regel ist gültig, sobald sie für alle verständlich ist. Sie sollte dann auch nicht mehr diskutiert werden.

4. Regelschutz mit logischer Konsequenz

Zum Einhalten der Regel muss vorher auch mit festgelegt werden, welche Konsequenzen folgen wenn sie gebrochen wird. Die Konsequenz sollte logisch sein und immer mit der Regel zu tun haben. Wenn die Regel nicht standhaft geschützt werden kann, tritt sie außer Kraft. Die Eltern sollten sich vorher also gut überlegen, wo sie wirklich konsequent sein können.

Wichtige Faktoren sind vor allem auch Lob und Anerkennung. Denn wenn das Kind motiviert ist sich an die Richtlinien zu halten, funktioniert der Regelschutz fast ganz von alleine.

5. Ausnahmen sind erlaubt, sollten aber gekennzeichnet werden

Klar, jedes Kind weiß: Ausnahmen bestätigen die Regel. Allerdings sollten sie nicht häufiger auftreten als die Regel. Denn wenn die Eltern selber eine festgelegte Richtlinie nicht einhalten, entwerten sie diese. In dem Fall sollte die Regel neu überdacht und definiert werden. Im Laufe der Zeit kann es immer mal wieder erforderlich werden, sich Gedanken über die Sinnhaftigkeit und den Nutzen der aufgestellten Grundsätze zu machen.

6. Regeleinhaltung nach dem Prinzip: Fragen – Sagen – Tun

Die Devise zur problemlosen Durchführung der Regel lautet: möglichst wenig reden. Wenn die Situation es erfordert, einfach auf die Veranschaulichung (Hausordnung) zeigen. Wird die Regel nicht eingehalten, sollten die Konsequenzen möglichst sachlich und ohne Schimpfen angewandt werden.

COB, Christine Satzl

Christine Satzl - Christine Satzl ist Wirtschaftsfachwirtin und Fachjournalistin in München. Hauptsächlich schreibt sie über Kunst & Kultur, ...

rss