Schülerhilfe - bombastisches Marketing - und Nachhilfe

Logo Schülerhilfe - schülerhilfe.de
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Das Großunternehmen schafft es dank überdimensionertem Marketing, sich stets und überall optisch zu präsentieren - aber wie steht es mit dem Unterrichten?

Seit 1974 gibt es die "Schülerhilfe", mittlerweile sind es etwa 1.100 Filialen in Deutschland und Österreich, die jährlich an die 70.000 Schülern Nachhilfe geben.

Werbedauerfeuer

Neben dem anderen großen Anbieter Studienkreis hat es die Schülerhilfe geschafft, sich mit Hilfe einer flächendeckenden Präsenz (gerade in Großstädten gibt es in fast jedem Stadtteil eine Filiale mit dem visuell sehr einprägsamen Logo) und in zunehmendem Maße mit Produkten überall zu positionieren. Gerade jetzt - kurz vor den Zwischenzeugnissen - bietet ein großer deutscher Discounter Produkte der Schülerhilfe an, vom Anspitzer zu Karteikarten, Lernspielen, und noch Vielem mehr.

Unter PR-Gesichtspunkten kann man der Schülerhilfe nur gratulieren, das Marketing ist wirklich vorzüglich.Seit 2010 betreut die Werbeagentur Crossmedia den Mediaetat der Schülerhilfe, genauer seit dem 18. Januar, pünktlich vor den Zwischenzeugnissen. Zu ihrer Strategie äußert sich die Agentur unter Anderem so:"Im ersten Fight laufen die Spots parallel zu den Zeugnisterminen. Die Spots werden dann auf fast allen großen Privatsendern sowie auf dem Jugendkanal Nickelodeon zu sehen sein. Online werden die Spots auf zielgruppenaffinen Umfeldern für Mütter, wie auf jolie.de, zylom.de oder fitforfun.de eingesetzt."

Auf der Platform"youtube" sind Werbefilmchen zu sehen, in denen nette, adrett aussehende Schüler mit ihren nicht minder gut aussehenden Müttern in eine Schülerhilfe-Filiale kommen und dort auf - Sie ahnen, was jetzt kommt- .......aussehende Lehrer, Schüler und Filialleiter treffen. Schöne heile Welt.

Derzeit (bis 31.3.2011) wird mit der Aktion "5 weg oder Geld zurück" geworben, Klingt gut. Jedoch, was genau ist darunter zu verstehen: "Die folgenden Punkte unter „Allgemeine Bedingungen“, „Eigenleistung des Schülers“ und „Modalitäten“ sind zusätzlicher Vertragsbestandteil zu der allgemeinen Anmeldung und müssen erfüllt sein, um bei Nichterfolg das Geld zurückzuerhalten."?

Werbung auf Kosten der Qualität?

Dass der Unterricht in der Schülerhilfe in kleinen Gruppen (drei bis fünf Schüler) abgehalten wird, ermöglicht naturgemäß höhere Einnahmen des Anbieters, als dies bei Einzelunterricht zu erreichen wäre (abgesehen von den räumlichen Möglichkeiten). Laut Schülerhilfe stärkt dies die "Sozialkompetenz und das Verantwortungsbewusstsein der Schüler", jedoch ist gerade der Gruppenunterricht mit der stärkste Kritikpunkt, wie sich in zahlreichen Foren im Internet ablesen lässt. So berichtet ein Schüler bei www.ciao.de:"Seit Monaten besuche ich nun die Schülerhilfe und bin mehr als enttäuscht von diesem Institut. In der Werbung werden kleine Lerngruppen, kompetente Lehrer und Schülercoaching versprochen, aber nichts davon entspricht der Wirklichkeit."

Auf den ersten Blick erscheinen die Kosten bei der Schülerhilfe gering zu sein, so wird mit einem Stundensatz "ab 8,70 Euro" geworben, was immer das im konkreten Fall dann heißen mag, aber durch die Verpflichtung zu längerfristigen Verträgen kann es teuer werden, wenn der Unterricht nicht zufriedenstellend ist - das kommt dann teurer als Einzelnachhilfe. Es wird berichtet, dass die Stunden teilweise eher zum Gedankenaustausch- als zur Nachhilfe genutzt werden, eine gute, individuelle Nachhilfe, wie sie von der Schülerhilfe versprochen wird, lässt sich bei größerer Teilnehmerzahl auch kaum bewerkstelligen.

Es mag sicher auch zufriedene Eltern und Schüler geben, aber die sind augenscheinlich in der Minderzahl. Wie auch bei privater Nachhilfe hängt viel vom Lehrer und der "Chemie" ab, aber wenn die äußeren Umstände von vornherein nachteilig sind, lässt sich dadurch nicht alles andere auffangen.

Kleinunternehmer im Franchise-Würgegriff

Seit 1983 ist die ZGS Schülerhilfe als Franchisegeber aktiv. 75 Prozent ihrer Filialen werden mittlerweile von Franchisenehmern betrieben. Diese müssen eine Investition von mindestens 35.000 Euro tätigen, dann eine Eintriittsgebühr von 14.875 Euro und dann monatliche Franchise- und Werbegebühren entrichten. Dass deshalb bei vielen Nachhilfesuchenden der Eindruck entsteht, man würde ihnen von Seiten der Filialleiter/innen als vorderstes Ziel langfristige Verträge "aufschwatzen", kann nicht verwundern.

Abgesehen davon, dass die Schülerhilfe nur längerfristige Verträge abschließt, balgen sich mittlerweile manche Filialleiter um jeden Schüler, da die Dichte pro Einwohner mancherorts extrem ist. So zitierte der "Spiegel" 2009 den Schülerhilfe-Franchise-Nehmer Joachim Reuter: "Es herrscht rabiate Gewinnmaximierung durch Standortverdichtung".

Minilohn für maximale Verwantwortung

Was die Schülerhilfe pro Schüler und Stunde kassiert, ist nicht wirklich transparent. In einem Beitrag erzählt ein Schüler von 17 Euro pro Stunde. Angenommen, in dieser Gruppe wären nur 3 Schüler, macht dies 51 Euro insgesamt. Eine Lehrerin berichtete, dass sie unglaubliche acht Euro bekommen habe. Ob dies für eine solch verantwortungsvolle Tätigkeit angemessen ist, glauben wohl nur wenige. Völlig entsetzt war sie darüber hinaus, dass sie während dieser Stunde plötzlich zwei verschiedene Sprachen an zwei völlig unterschiedlich alte Schüler vermitteln sollte. Auf Nachfrage erhielt sie die (nicht sehr qualifizierte) Antwort, sie könne "dem einen ja Aufgaben geben, während sie den anderen unterrichtet." Und dies geschah darüber hinaus in den Ferien, die eine Schülerin sollte intensiv auf eine Nachprüfung vorbereitet werden.

Julia Strelow, Stephan Wallocha

Julia Strelow - Autorin der Bücher: "Ratgeber Nachhilfe - Informationen, Adressen, Berichte" sowie "Jetzt sind wir dran?! - Frauen in der ...

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