Schulbildung im Alten Rom

Schule war bei den Römern Privatsache

Zur Römerzeit gab es keine offizielle Schulpflicht. Kinder wurden entweder zu Hause oder gegen Geld in eine Schule geschickt. Es herrschte ein strenges Regiment.

Die römischen Schüler waren nicht zu beneiden! Bereits früh morgens bei Sonnenaufgang begann der Unterricht, der in monotonem Nachsprechen des vom Lehrer Vorgesagten bestand. Prügel und rüde Zurechtweisung gehörten zum Alltag. Schule war damals reine Privatsache, eine offizielle Schulpflicht gab es nicht. Ab dem fünften Lebensjahr erhielten viele Kinder zu Hause Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen durch die Eltern oder Sklaven (paedagogus). Mädchen lernten zusätzlich Spinnen und Weben.

Elementarschulen

Wohlhabende Eltern konnten es sich leisten, ihre Kinder gegen ein monatliches Schulgeld auf eine Elementarschule zu schicken. Bis zum zwölften Lebensjahr lernten Jungen und Mädchen zusammen das Alphabet, gerechnet wurde mit den Fingern oder dem Abacus. Die Schüler besaßen eine mit Wachs bestrichene Schreibtafel, auf die sie mit dem Griffel Buchstaben oder Zahlen einritzten. Das andere spatelförmige Ende des Griffels diente zum Auslöschen des Textes. Recht langsam und monoton ging der Unterricht im Lesen voran. Erst wurden nur die Buchstaben, dann kleine einsilbige Wörter und erst allmählich längere Texte geübt. In der Mittagspause gingen die Schüler entweder nach Hause oder ein Sklave brachte das Essen mit. Ferien gab es in den Sommermonaten. Die Lehrer wurden in dieser Zeit nicht bezahlt. Ihnen zu Ehren begingen die Römer zwei Feiertage. Am 19. März, dem "quinquatrus", wurde das Fest der Minerva, der Schutzherrin der artifices (Kunsthandwerker, zu denen auch die Lehrer gehörten), gefeiert. Der 13. Juni, der "quinquatrus minusculae", war Feiertag der Lehrer.

Höhere Schulen

Ab dem 12. Lebensjahr besuchten Jungen und Mädchen eine weiterführende Schule, wo der "grammaticus" Literatur, Geschichte, Geographie, Arithmetik, Geomethrie, Astronomie, Philosophie und theoretische Musik vermittelte. Auch Sport und Rhetorik standen auf dem Stundenplan. In den Literaturstunden wurde vor allem der Kanon griechischer und römischer Schriftsteller in der jeweiligen Originalsprache gelesen. Homers "Odyssee" und die "Ilias", Vergils "Aeneis" und Ciceros Reden gehörten zur Pflichtlektüre. Die Lehrer waren meist Sklaven, schlecht bezahlt und pädagogisch nicht sehr begabt. Über die brutalen Erziehungsmethoden geben uns heute noch Wandinschriften der bedauernswerten Schüler Auskunft. So jammerte einst ein uns unbekannter Schüler: "Die Peitsche des grausamen Grattius hat mich die Schrift gelehrt". Entdeckt wurde der Ausspruch an Wand einer Römervilla in Ahrweiler. Eine andere Inschrift lautet: "Wer schlecht lernt, pflegt ein Schwätzer zu sein".Das stellte Verrius Flaccus schon eine rühmliche Ausnahme dar: Er gestaltete die Übungen als Wettbewerb der Schüler untereinander. Der Beste erhielt als Belohnung ein wertvolles altes Buch. Bücher stellten bis ins 2. Jahrhundert nach Christus Papyrusrollen dar, die einen Haltestab besaßen und von links nach rechts aufgerollt wurden. Erst dann kamen die mit Wachs beschichteten Holztäfelchen auf, die zu Notizbüchern, den "codices", zusammengebunden wurden.

Ab dem 15./16. Lebensjahr besuchten Jungen so genannte Rhetorenschulen, die ihnen die Kunst der Rede beibrachten. Neben Jura war dieses Fach die Voraussetzung für eine öffentliche Laufbahn.

Zeitgenössische Kritik

Das Schulsystem wurde schon damals von Intellektuellen scharf kritisiert. Tacitus wetterte im ersten Jahrhundert nach Christus gegen den einseitigen altmodischen Geschichtsunterricht. Schüler würden nur Ereignisse bis in die Zeit Augustus' lernen, was danach passierte, würde vollkommen ausgespart. Würde man dies mit heutigem Geschichtsunterricht vergleichen, lernten die Schüler nichts über die Geschehnisse nach den napoleonischen Befreiungskriegen.

Sabine Wirth, Fotostudio Balsereit, Hahnenstr. 2, 50667 Köln

Sabine Wirth - 1979-1985 Studium der Vor- und Frühgeschichte, Geologie und Geographie in Bonn und Marburg/L. Tätigkeit in Museen und in der ...

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