
- Schule macht Freude - pixelio - Dieter Schütz
Die meisten Eltern begleiten mit Freude und Stolz ihre Sprösslinge zur Einschulungsfeier am ersten Schultag. Die Kinder fiebern dem Tag mit großer Erwartung und Zuversicht entgegen, endlich in der Welt der Großen angekommen zu sein. Begierig harren sie der Dinge, die sie erwarten. Hört man sich nach ein paar Monaten bei Elterngesprächen jedoch etwas um, ist die anfängliche Schulfreude auf Seiten der Eltern oft schon einer kleinen Verzweiflung gewichen. Und das Kind, angesteckt von erwachsener Ungeduld, entwickelt schon nach wenigen Monaten oft Unlust und Missmut auf alles, was mit Schule zu tun hat.
Die Einschulung stellt für das Kind eine große Herausforderung dar
Für das Kind stellt die Einschulung in die erste Klasse eine große Herausforderung dar. Nicht nur das gesamte Umfeld ist ihm völlig neu und damit fremd, es werden an den kleinen ABC-Schützen auch sehr schnell Anforderungen gestellt, die für ihn in seinem bisherigen jungen Leben noch keine Rolle spielten. Der Tagesablauf verändert sich, Pünktlichkeit und Ordnung sind plötzlich angesagt, über einen längeren Zeitraum still zu sitzen und sich ruhig zu verhalten, neue soziale Beziehungen knüpfen, Konzentration und Anspannung in ungewohnter Form, dies alles will erlernt werden, und dann soll das Kind auch noch Leistung erbringen, die von verschiedenen Seiten unterschiedlich bewertet wird. Eine wahrlich große Anstrengung, welche hier von einem Sprössling mit sechs Jahren erwartet wird. Dass damit manche Kinder überfordert sind und sich die anfängliche Freude auf die Schule leider oft zu schnell in Frust verwandelt, ist nachvollziehbar. Aber dies muss nicht sein. Eltern und Lehrer tragen hier die Aufgabe und Verantwortung, dass der Erhalt der Lernfreude sich wie ein roter Faden durch das Schulleben des Kindes zieht. Wie können Eltern ihrem Kind dabei helfen?
Mit Rahmenbedingungen dem Kind den Alltag erleichtern
Oft sind es nur Kleinigkeiten, die dem Kind helfen können, sich auf den neuen Lebensabschnitt einzustellen. Einige Beispiele sollen dabei Hilfestellung für die Eltern sein, den neuen Alltag mit und für das Kind zu gestalten. Wichtig dabei ist, diesen Neubeginn nicht mit einer Drohgebärde nach dem Motto „Jetzt beginnt auch für dich der Ernst des Lebens“ zu ersticken. Denn mit solchen Drohungen wird Angst erzeugt, die wiederum bei den Kleinen zu einer oft unbewussten Abwehr oder Blockade führen kann. Der Übergang in das Schulleben sollte deshalb spielerisch erfolgen. Das haben auch viele Schulen erkannt, und daher den frontalen Unterricht in die offene Unterrichtsform umgewandelt. Hier lernt das Kind nicht nur Eigeninitiative und Gruppenarbeit zu vereinen, sondern dem Kind wird dadurch auch die Möglichkeit geboten, den Lernfortschritt mit eigenem Tempo zu bestimmen. Damit das Kind all seine Fähigkeiten ein- und umsetzen kann und sich daraus selbstständiges Lernen entwickeln und damit der Lernerfolg einstellen kann, benötigt es Rahmenbedingungen, die Sie als Eltern dem Kind setzen sollten.
Kinder benötigen ausreichend Schlaf, um leistungsfähig zu sein
Ein ausreichender und erholsamer Kinderschlaf ist eine wichtige Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit des Kindes. Bei unausgeschlafenen Kindern lässt die Aufmerksamkeit sehr schnell nach und die kreative Leistung leidet darunter. Ein Grundschulkind benötigt rund zehn Stunden Schlaf. Begleiten Sie daher das Schlafengehen mit einem Ritual. Das kann regelmäßiges Vorlesen sein, gemeinsames Singen oder ein vertrauensvolles Nachtgebet, in dem sich das Kind wiederfindet und all seine Sorgen und Freuden unterbringen kann.
Ein geregelter Tagesablauf gibt Sicherheit und Geborgenheit
Ebenso wichtig für das Kind ist ein geregelter Tagesablauf. Das entspannt nicht nur das gesamte Familienleben, sondern gibt dem Kind die notwendige Sicherheit und gleichzeitig Geborgenheit. Dazu gehört ein gemeinsamer Mittagstisch ebenso, wie festgelegte Hausaufgaben- und Spielzeiten. Wann das Kind am Nachmittag seine Hausaufgaben macht, sollte dem Charakter des Kindes angepasst sein. Manche Kinder benötigen eine erste Auszeit, andere dagegen wollen diese Pflicht sofort hinter sich bringen. Das Kind braucht auf jeden Fall genug Freiraum, um sich auszutoben und zu spielen. Verplante Nachmittage, in denen das Kind von einer Veranstaltung zur nächsten hüpft, führen eher zur Belastung als zur gewünschten Entspannung.
Maßvolle Dosierung von Bildschirmmedien
Auch eine maßvolle Dosierung von Bildschirmmedien, wie TV oder PC, sollte mit dem Kind vereinbart werden, ebenso sollte das TV-Programm oder das PC-Spiel gemeinsam mit dem Kind abgesprochen sein. Auf keinen Fall sollte das Fernsehprogramm einzige Freizeitbeschäftigung der Kinder sein beziehungsweise diese ersetzen. Laut dem Gehirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer sinkt durch erhöhten Fernsehkonsum das Bildungsniveau der Kinder drastisch.
Hausaufgaben müssen nicht zum Familienstress werden
Die Hausaufgabensituation stellt in vielen Familien das größte Problem dar. Dabei sollte die Hausaufgabe lediglich eine Vertiefung und Übung des in der Schule gelernten Stoffes sein und zu eigenverantwortlichem und selbstständigem Arbeiten anregen. Helfen Sie Ihrem Kind, die Arbeit selbst zu tun. Richten Sie hierzu feste Hausaufgabenzeiten und vielleicht sogar besondere Rituale dazu ein. Stellen Sie eventuell mit Ihrem Kind eine „Was-ich-machen-muss-Liste“ auf. Somit hat das Kind einen Rahmen, an den es sich halten kann. Bleiben Sie verfügbar aber setzten Sie sich nicht neben das Kind. Wenn eine Hilfestellung notwendig ist, geben Sie dem Kind die Chance, durch Fragen und Anstöße selbstständig auf die Lösung zu kommen. Und ganz wichtig für die Motivation ist, das Kind auch für den kleinsten Erfolg zu loben.
Damit Sie als Eltern am Schulleben Ihres Kindes nicht verzweifeln, eignen Sie sich eine große Portion Geduld und Gelassenheit an. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Geben Sie Ihrem Kind die notwendige Zeit, sich zu entwickeln. Denn zu jedem Schulabschluss in Deutschland gibt es einen Schulanschluss. Das bedeutet, durch das vielfältig differenzierte Schulsystem hat auch ein Spätentwickler noch sämtliche Möglichkeiten, den für ihn geeigneten Abschluss zu finden. Denn Schule sollte keine Zeit der Belastung sein, sondern auch Freude machen.
Weitere Informationen:
Jochen Klein/Detlef Träbert: Wenn es mit dem Lernen nicht klappt. Beltz Verlag.
