
- Schulfach Glück - Thomas Siepmann / pixelio.de
Fragt man die Schüler aller Altersgruppen nach ihrer Traumschule, schwelgen sie in Wunschträumen vom freien Lernen, vom Lernen zu Hause, vom Lernen in angenehmer Atmosphäre. Sie hätten gern mehr Einfluß auf das, was sie lernen, denn sie sind davon überzeugt, dass die Dinge, die sie gern lernen auch leichter lernen. Und warum müssen sie all das lernen, was sie lernen müssen? Ist das überhaupt notwendig? Trotz allem - in allen Altersstufen äußern sich die Schüler überwiegend pro Schule. Sogar die Schulpflicht halten viele Schüler für sinnvoll, da sie sonst "vielleicht nicht hingehen würden, wenn sie mal einen schlechten Tag haben".
Seit Langem jagt eine Schulreform die nächste, alle Verantwortlichen machen sich viele Gedanken über wichtige Fragen zum "richtigen" Lernen. Bereits 2007 wagte die Heidelberger Willy-Hellpach-Schule ein Experiment und führte das Fach "Glück" ein. Lernziel: Es soll den Schülern gut gehen - an Körper und Seele.
Hintergrund des Schulfachs "Glück"
Die Tatsache, dass Schule auf der Beliebtheitsskala der Kinder gleich nach dem Zahnarzt kommt, veranlasste Oberstudiendirektor Ernst Fritz-Schubert und sein Expertenteam, den Kindern zu vermitteln, Glück zu empfinden. Sie konzipierten einen Weg, der es den Schülern ermöglicht, durch Selbsterfahrung Verantwortung zu übernehmen, Selbstvertrauen zu entwickeln und ihre Stärken und Schwächen kennen zu lernen.
Nun ist die Definition von Glück bekanntlich subjektiv. Jeder empfindet Glück auf eine andere Weise. Umfragen unter Schülern jedoch lassen erkennen, dass Begriffe wie Geborgenheit, Gemeinschaft und körperliche Fitness eindeutig mit Glück in Zusammenhang gebracht werden.
Zusammenhang zwischen Glück und Lernen
Die Autorin Silvia Ehl hat in ihrer langjährigen Arbeit mit Kindern versucht, ihnen einen Zugang zu ihren Fähigkeiten und Ressourcen zu ermöglichen, um Schule und Alltag entspannter und glücklicher zu handhaben. Negative Glaubenssätze, Gefühle wie Trauer, Angst und Wut sind bereits in frühen Jahren in unseren Körperzellen gespeichert. Sie blockieren den Kontakt zu uns selbst. Silvia Ehl behauptet, wenn es gelingt, gerade in der Zeit der Orientierung und Selbstfindung der Kinder und Jugendlichen, also mit Beginn der Pubertät, diese Gefühle in positive Glaubenssätze zu transformieren, können entscheidende Weichen für ihre Zukunft gestellt werden.
Wir alle tragen das Glück in uns. Diesen Ort zu finden und das Glück freizulegen, macht sich Silvia Ehl in ihrer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen zum Ziel. Schnell und mühelos in Kontakt zu kommen mit diesem für viele unbekannten Gefühl von Wärme und Frieden. Die Zweipunktmethode nach Dr. Kinslow und Richard Bartlett ermöglicht es den Kindern mit wenig Aufwand z. B. eine Arbeit auch ohne Angst zu schreiben.
Silvia Ehl hat eine Vision: In Zusammenarbeit mit Schulen und anderen pädagogischen Ausbildern möchte sie erreichen, dass Kinder wieder zu sich selbst finden, ihre innere Stimme hören und lernen, sich zu lieben, um somit unabhängig von anderen zu werden.
In Heidelberg dagegen wurde nach einem Jahr "Glücksfach" nachgefragt. Auf den ersten Blick gibt es im Vergleich zu anderen Schülern keinen deutlichen Unterschied, nur ... den Glücks-Schülern sei "viel klarer geworden, was sie nicht wollen". "Sie haben gelernt, sich zu hinterfragen." Die Tatsache, dass es auch im Schulfach Glück Noten gäbe, sei unbedeutend, denn die Schüler hätten das Fach freiwillig gewählt, weil es sie interessiert. Und wer will schon eine fünf in "Glück"?
Quelle: Spiegel online 2007, http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,505005,00.html
Quelle: SEIN, Sept. 2011, http://www.sein.de/archiv/2011/september-2011/schulfach-glueck.html
