Schulnoten für Pflegequalität in Heimen

Alles über die 82 Bewertungskriterien der Prüfung

Pflegenoten für Pflegeheime - GKV Spitzenverband
Pflegenoten für Pflegeheime - GKV Spitzenverband
Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen ab 2009 die Qualität von Pflegeeinrichtungen besser beurteilen können: Dann gibt es nämlich Schulnoten für gute Pflege.

Es war eine schwere Geburt: Monatelang haben die Interessenvertreter der Kassen mit den Pflegeheimverbänden um die Bewertungskriterien der Schulnoten für gute oder schlechte Pflege gerungen. Nun soll die allgemein verständliche Übersetzung in Noten von eins bis sechs es den Pflege-Laien – also Senioren und ihren Angehörigen - leichter machen, eine geeignete Einrichtung zu finden.

Pflegeheime werden in fünf Bereichen bewertet

Die Vielzahl von Aspekten so zu gewichten, dass sich daraus ein objektiver Blick auf die Qualität einer Pflegeinrichtung ergibt, ist natürlich nicht einfach. Deshalb wurden in Frageform insgesamt 82 Kriterien formuliert, die einzeln untersucht werden. Um den Überblick nicht zu verlieren, wurden diese Einzelkriterien in fünf Bereiche eingeteilt.

Geprüft werden Pflegeeinrichtungen von Mitarbeitern des Medizinischen Dienstes, der im Auftrag der Pflege- und Krankenkassen arbeitet. Den Kassen liegt daran, dass für das Geld, das sie in den drei Pflegestufen für pflegebedürftige Menschen zahlen, auch optimal gepflegt und versorgt wird.

Wer sich von der Qualität einer Einrichtung überzeugen will, der möchte natürlich auch wissen, wie sich diese Schulnoten zusammensetzen. Welche Fragen werden nun in jedem dieser fünf Themenbereiche gestellt, was wird im Einzelnen beurteilt? Deshalb nun hier eine Zusammenfassung der genannten 82 Einzelbewertungen.

Pflege und medizinische Betreuung

Der Komplex Pflege und medizinische Betreuung ist mit 35 Fragen am stärksten gewichtet. Hier soll festgestellt werden, wie gut das Pflegepersonal nach ärztlichen Anordnungen handelt, wie sachgerecht es mit Medikamenten oder Hilfsmitteln umgeht, ob Ernährungseinschränkungen oder Schwierigkeiten bei der Flüssigkeitsversorgungen erkannt und entsprechend beachtet werden. Allein fünf Fragen erforschen die Qualität der Dokumentation und Versorgung von chronischen Wunden und Liegegeschwüren (Dekubitus). Die Prüfer wollen außerdem wissen, wie Bewohner mit chronischen Schmerzen, mit Inkontinenz oder Blasenkathetern behandelt werden. Außerdem, ob alle notwendigen Prophylaxemaßnahmen durchgeführt werden etwa gegen Stürze oder gegen Kontraktionen bei Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben. Schließlich wird ermittelt, wie es um die Körper-, Zahn- und Mundpflege der Bewohner steht und ob alle Mitarbeiter in Erste-Hilfe-Maßnahmen ausgebildet sind.

Umgang mit demenzkranken und anderen gerontopsychologisch veränderten Bewohnern

Wie die Pflegeeinrichtung die Betreuung von demenzkranken und anderen psychisch stark beeinträchtigen Bewohnern gestaltet und organisiert, das ergründen die Tester mit zehn Fragen im zweiten Themenkomplex: Hier geht es um gesicherte und zielgruppengerecht gestaltete Aufenthaltsmöglichkeiten im Innen- und Außenbereich, Orientierungshilfen, daneben auch um die Beachtung der Biographie eines Bewohners bei der Pflegeplanung und um die Tagesgestaltung, also Angebote zur Bewegung, Kommunikation, Wahrnehmung. Gute Bewertungen gibt es, wenn das Speiseangebot bedarfsgerecht ist und die Angehörigen der Betroffenen einbezogen werden.

Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung

Was tut eine Einrichtung dafür, dass ihre Bewohner nicht vor sich hinkümmern, sondern dass sie angeregt werden, aktiv sein können und sich wohl fühlen? In weiteren 10 Kriterien kann ein Heim hier zeigen, wie ernst es diese Aufgabe nimmt: mit Einzel- und Gruppenangeboten im Rahmen der sozialen Betreuung, mit jahreszeitlichen Festen, mit Kontakten und Aktivitäten gemeinsam mit der Ortsgemeinde und Angehörigen. Wichtig sind auch Hilfestellungen in der Eingewöhnungsphase nach dem Einzug ins Heim, ein funktionierendes Beschwerdemanagement und Angebote zur Sterbebegleitung.

Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene

Das will jeder wissen: Dürfen die Bewohner ihre Zimmer individuell einrichten und mit persönlichen Erinnerungsstücken selbst gestalten? Wie steht es mit Sauberkeit und Ordnung? Sechs von den neun Fragen in diesem Komplex drehen sich aber ums Essen: Da geht es um den Speiseplan, Essenszeiten, Portionsgrößen, Diätkost, die Darreichungsform (normal, klein geschnitten oder passiert) und schließlich darum, ob Räumlichkeiten und Atmosphäre so sind, dass Essen auch Spaß macht.

Befragung der Bewohner

Infos aus erster Hand: In Gesprächen mit den Bewohnern versuchen die MDK-Prüfer mit 18 Fragen im zweitgrößten Komplex zu ergründen, ob sie das Leben in dieser Einrichtung als angenehm empfinden. Dabei geht es unter anderem um Privatheit und Intimsphäre, Besuchsmöglichkeiten, Wahlfreiheit bei Kleidung und Essen, die Möglichkeit zum Aufenthalt im Freien, das Angebot von Beschäftigung und kulturellen Veranstaltungen und ob man ausreichend zuzahlungsfreie Trinkangebote bekommt. Verbessert sich etwas nach Beschwerden? Sind Mitarbeiter höflich und freundlich, und haben Pflegende ausreichend Zeit für die Bewohner? Antworten auf solche Fragen haben Gewicht in der Gesamtbewertung.

Die Ergebnisse der Prüfungen veröffentlicht der Medizinische Dienst seit Dezember 2009 auf seiner Internetseite. Diese Prüfungen werden künftig deutschlandweit in allen Einrichtungen und – das ist neu – ohne vorherige Anmeldung durchgeführt. Jedes Heim erhält bei Beanstandungen oder wenn es eine positivere Benotung erhalten möchte, die Möglichkeit zur Nachbesserung und einer weiteren, dann aber kostenpflichtigen Prüfung.

Die Pflegeeinrichtungen müssen übrigens die Prüfergebnisse öffentlich aushängen und sollten sie auch auf auf ihren Internetseiten präsentieren, sofern sie denn eine haben. Allerdings sollte man sich immer selbst ein genaues Bild des gewünschten Seniorenheims machen und wissen, woran man ein gutes Heim außerdem erkennt. Wer für den Besuch gut gerüstet sein will, der nimmt am besten eine Checkliste mit allen wichtigen Fragen mit.

Marion Seigel, (Foto: Martin Seigel)

Marion Seigel - Marion Seigel ist Fachjournalistin, PR-Beraterin und Referentin - sie betreibt das journalistische Handwerk, ...

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