
- Sagengestalt als Hexe - Narrenzunft Uschlaberghexen
Die Fastnacht läutet die Fastenzeit ein
Die Fastnacht leitet die 40-tägige Fastenzeit ein. Gemeinsam verbrachte man den letzten Abend vor der Fastenzeit, aß und trank ausgiebig die Nahrungsmittel, deren Verzehr in der Fastenzeit verboten war. Dies war die ursprüngliche Art Fastnacht zu feiern. Zu den Gelagen am Vorabend der Fastenzeit kamen im Lauf des 14. Jahrhunderts ausgelassene Tänze hinzu, Spektakel mit improvisierten Instrumenten und Darstellungen von Ritterspielen, die die herrschende Klasse nachahmten und sogar verspotteten. Vereinzelt fanden in dieser auch schon die ersten städtischen Umzüge statt. Für ein immer ausgedehnteres Fastnachtsprogramm musste die Fastnachtszeit um ein paar Tage ausgedehnt werden, mindestens bis zum Hauptschlacht- und Backtag, dem fettigen, schwäbisch, dem schmotzigen Donnerstag.
Närrisches Treiben einst ein Privileg der Handwerksgesellen
Protagonisten dieser ersten närrischen Umtriebe waren Handwerksgesellen, die die Fastnacht als willkommene Gelegenheit betrachteten, vom Alltag auszubrechen. Allmählich fanden auch andere gesellschaftliche Schichten, Patrizier und vermögende Zunftherren Gefallen an dem närrischen Treiben und nutzten die Umzüge in zunehmendem Maße zur Selbstdarstellung ihrer Standes, während sie die niedrigen Stände von dem Spektakel ausschlossen.
Fastnacht als Lehrstück für die Gläubigen
Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts trugen immer mehr Narren Masken. Beliebt waren Vermummungen, die das Böse verkörperten, wie der Teufel oder die Hexe. Diese Gestalten symbolisierten die Gegenwelt zum christlichen Weltbild. Die kirchliche Obrigkeit ließ diese Entwicklung zu und nutzte sie, um den Menschen die zwei gegensätzliche Weltmodelle Augustinus aufzuzeigen. Dieser setzte die Fastentage mit dem Gottesstaat gleich, während er die Fastnacht dem Teufelsstaat zuordnete. Durch das Aufzeigen des Bösen versuchte er die Menschen vom falschen Weg abzubringen.
Fastnächtliches Treiben als Protest
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts regte sich im schwäbisch-alemannsichen Raum bei den einfachen Leuten Widerstand von den Umzügen ausgeschlossen zu sein. Sie holten ihre verstaubten Häs von der Bühne und mischten sich unter die feiernde Menge. So entstanden zwischen 1890 und 1910 in Süddeutschland zahlreiche neue oder wiedergegründete, heute noch bestehende Narrenzünfte.
Reformatoren gegen Mummenschanz
Seit der Reformation wurde in den protestantischen Gebieten der fastnächtliche Mummenschanz als römisch-katholisch Unsitte missachtet und verlor allmählich jegliche Bedeutung
Bis zu Beginn der 70-er Jahren des vergangenen 20. Jahrhunderts blieb die Fasnet mit ihren Umzügen den vorwiegend katholischen Regionen und Orten vorbehalten.
Erste evangelische Gemeinden wollten aber nicht länger in der sogenannten 5. Jahreszeit abseits stehen und gründeten nun ebenfalls Narrenzünfte. Bei der Namensgebung, der Gestaltung der Masken und des Häs stand meist die Figur einer ihrer lokalen Sagengestalten und Originale, der Scherz- oder Spottname des jeweiligen Ortes Pate.
Die Blütezeit der Neugründungen in evangelischen Gemeinden ist in den 1990-er Jahren zu verzeichnen.
Ein Besuch des bunten Treibens der schwäbisch-alemannischen Fastnacht lohnt sich auf alle Fälle.
