Eines der unerforschten Stollensysteme aus der Hinterlassenschaft des Dritten Reiches befindet sich in der näheren Umgebung von Berga an der Elster in Thüringen. Deckname “Schwalbe V”. Hier befand sich während des Zweiten Weltkrieges eine der größten geheimen Baustellen des Deutschen Reiches. In diesem Stollensystem wollte ab 1945 die Zeitzer Firma „Brabag“ Flugbenzin herstellen.

Unterirdische Verlagerungen

In den letzten Kriegsjahren begann die Führung des Reiches die wichtigsten Produktionsstätten der Rüstung unter die Erde zu verlegen. Grund war die ständig zunehmende Bombengefahr und die damit verbundene Ausschaltung von Industrieanlagen. In Berga war die größte Untergrund–Raffinerie der Welt geplant. Insgesamt sollten acht Raffinerieanlagen in unterirdischen Hallen mit bis zu 30 Meter Höhe entstehen.

Baubeginn und Ende von „Schwalbe V“

Im Herbst 1944 hatte die SS begonnen, 17 Stollen in den Fuß des Berges an der Elster zu treiben. 500 deutsche Bergleute, 1.800 KZ-Häftlinge und 800 Kriegsgefangene unter Aufsicht der “Organisation Todt” wurden dafür eingesetzt. Mithilfe der Angrenzenden Bahnstrecke Gera - Greiz wurden die Zwangsarbeiter aus Buchenwald direkt über ein Nebengleis an die Baustelle transportiert. Tag und Nacht wurde gearbeitet und über kleine Kipploren der Abraum abtransportieren.

Die meisten der insgesamt 17 Stollen sind Blindstollen, die nach 20 bis 30 Metern im Berg endeten. Der richtige Zugang zur Anlage wurde bisher noch nicht gefunden.

Trotz erkennbarer Kriegsniederlage wurde bis Kriegsende an der Verwirklichung des Projektes gearbeitet. Erst kurz bevor die Amerikaner “Schwalbe V” erreichten, wurde die Baustelle am 10. April 1945 aufgelöst. Mit mehreren Sprengungen verschloss ein SS-Baukommando die unterirdische Anlage so präzise, dass es seither noch nicht gelang die Eingänge zu öffnen. Der Sinn dieser Sprengung bleibt im Dunkel. Weder die Amerikaner, die die Region besetzten, noch die Sowjets, zu deren Besatzungszone das unterirdische Werk später gehörte, hatten das abgeschottete Hydrierwerk jemals systematisch inspiziert. “Schwalbe V” ist bis heute das größte unerforschte Geheimnis unter bundesdeutschem Boden.

„Schwalbe V“ birgt Geheimnisse

Am 10. April 1945 ereignete sich ein bisher ungeklärter Vorfall. Die Baustelle war längst geschlossen. In den Kirchenbüchern findet sich für diesen Tag ein bemerkenswerter Eintrag. ” Um 16.15 Uhr stirbt Bergmann Alfred Moschner, Todesursache: im Stollen tödlich verunglückt.” Auf Luftaufnahmen vom 10. April 1945 der US-Amerikaner (Film 1153-21(4505), Bild 0088), einzusehen im Thüringer Landesvermessungsamt, können sich keine Anzeichen für eine Sprengung oder eine andere Aktivität auf der Baustelle finden. Wieso starb der Bergmann an diesem Tag? Auch diese Frage lässt sich bisher nicht beantworten und trägt zum Mysterium von „Schwalbe V“ bei.

In einem Interview von 1986 äußerte sich Geologe Dietrich Müller zu den durchgeführten Sprengarbeiten im Bereich der Stollen: “Die, die diese Sprengung durchgeführt haben am Stollen 1 zum Beispiel, hatten nicht die Absicht, einfach irgendwas zuzusprengen, sondern etwas dauerhaft, etwas haltbar und unangreifbar zuzusprengen.”

Das Bernsteinzimmer in „Schwalbe V“?

Die Stasi untersuchte die Möglichkeit der Einlagerung von Kunstschätzen in Berga. Stasi-Oberst Paul Enke fahndete in der gesamten DDR nach dem verschollenen Bernsteinzimmer und anderen verlorenen Kunstgüter des Zweiten Weltkriegs. In einem Bericht notierte Emke 1986 “Schwalbe V, Nordhang überprüfen, reale Möglichkeit”. Bis zum Ende der DDR erfolgte allerdings keine Untersuchung der Anlage.

Versuche der Öffnung von „Schwalbe V“ nach der Wende

Im Sommer 1995 wollten Forscher wissen, was sich hinter den geheimnisvollen Sprengungen befindet. Schweres Gerät wurde aufgefahren. Problem bei der Widerauffahrung: Es ist nicht bekannt, welche Sprengungen von den Deutschen und welche später durch die Sowjets zur Sicherung der Anlage durchgeführt wurden. Man einigte sich auf einen Stollen, doch die Enttäuschung war groß. Man hatte einen 30 Meter langen und 8 Meter hohen, leeren Blindstollen geöffnet.

1998 wurde von einer privaten Gruppe aus Niedersachsen eine kleine Kamera einen Lüftungsschacht in den Stollen eingebracht. Außer Steine und Geröll war nichts zu erkennen. Die Lüftungsanlage schien keinen direkten Zugang zum Stollen zu haben.