Jeder kennt vermutlich das Märchen vom hässlichen Entlein. Der dänische Dichter Hans Christian Andersen erzählt in der Geschichte von einem kleinen Schwan, der in einer Entenfamilie aufwächst und für außerordentlich hässlich gehalten wird. Er schämt sich seiner Gestalt, bis er endlich zu einem wunderschönen Schwan heranwächst. Diese majestätischen Tiere können bis zu 1,50 Meter lang und bis zu 20 kg schwer werden.

Schwäne werden zwar zu der Gruppe der Gänsevögel gerechnet, doch haben sie einen viel längeren Hals als Gänse. Der Hals verleiht den Schwänen nicht nur ein stolzes Aussehen, er ist auch in anderer Hinsicht nützlich. Wenn sie ihn ins Wasser tauchen, können sie leicht die köstlichen Leckerbissen unter der Oberfläche erreichen. Wegen dieser Fähigkeit leben die Schwäne gerne in flachen Seen und Flüssen mit einer vielfältigen Pflanzenwelt.

Höckerschwäne gehören zur Familie der Entenvögel

Diese Nahrung bietet einen großen Vorteil: Sie hat weniger Ballastmaterial, weil sie vom Wasser getragen wird. Das weiche Zellmaterial dieser Pflanzen kann von den Schwänen leichter verdaut werden. Dürres Gras, mit dem viele Pflanzenfresser unter den Säugetieren zurechtkommen, würde dem Schwan nie die notwendigen Energien für seine gewaltigen Flugleistungen liefern.

In Europa existieren der Höcker- und der Singschwan. Der Höckerschwan (Cygnus olor) ist ein Mitglied der Familie der Entenvögel (Anatidae) in der Unterfamilie der Gänse (Anserinae). Entenvögel und Wehrvögel bilden zusammen die Ordnung der Gänsevögel (Anseriformes). Die Entenvögel sind eine ungewöhnlich vielgestaltige Vogelfamilie. Andererseits stimmen die Arten in einigen wichtigen Punkten überein: Alle sind Wasservögel, besitzen daher Schwimmhäute und eine große Bürzeldrüse, deren Sekret das Gefieder wasserabstoßend macht. Der Schnabel besitzt Hornlamellen, und im Gegensatz zur Mehrzahl der Vogelordnungen weisen die männlichen Tiere einen Penis aus.

Schwäne legen einmal im Jahr etwa sechs Eier

Viele der Höckerschwäne, die an den Seen nisten, sind verwilderte Parkschwäne, die wegen ihres weißen Gefieders und dem orange-schwarzen Schnabel in den angelegten Gewässern großer Parks gehalten wurden. Wilde Schwäne gibt es nur noch östlicht der Elbe in Norddeutschland. Auf ihrem Flug in den Süden oder als Wintergäste kann man in den Küstengebieten auch die Zwergschwäne beobachten, die im Sommer im nördlichsten Asien leben.

Einmal im Jahr legen die Schwäne etwa sechs Eier. Während der Brutzeit hält sich der wachsame Schwanenvater immer in unmittelbarer Nähe auf, bereit, jeden Angreifer zu verjagen. Bei seiner Größe kann er mit seinem mächtigen Flügelschlag sogar einem Menschen gefährlich werden. Besonders weiße Schwäne haben die Fantasie der Menschen schon immer beflügelt. Bereits in der Antike galt der Schwan als heiliger Vogel Apollons, und man glaubte, er könne weissagen. Auch als Wappentier ist das edle Tier beliebt. So ist der schwarze Schwan, der in Australien lebt, das Wappentier Westaustraliens.

Quelle: Eckart Pott: "Das große Ravensburger Tierlexikon von A-Z", Ravensburger Buchverlag 2011, ISBN 3-4735-5074-4