Fragen zur Geburt: Hausgeburt, Geburtshaus oder Kreißsaal?

Kreißsaal oder Hausgeburt? - IchSelbst - Pixelio
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Hausgeburt, Geburtshaus oder Kreißsaal? Die Statistik spricht nicht gegen die außerklinische Geburt. Dennoch sollten sich Schwangere gut informieren.

Nach nur zwei Stunden Geburt klirren leise die Sektgläser der frisch gebackenen Eltern und der beiden Hebammen. Der Schein mehrerer Kerzen taucht die abgedunkelte Wohnstube in warmes Licht. Im Hintergrund erklingt leise Enyas „Shepherd moons“. In der Stube ist es warm. Das Neugeborene schläft von der Geburt erschöpft in seinen Decken. Es wird in Zukunft auf den Namen Marie hören. Auf dem Esstisch steht noch immer alles für das Vorweg-, Zwischendurch- und Hinterherfrühstück bereit. Maries Geburt hatte etwas von einem harmonischen Happening. Für Mama Olga D. war es die perfekte Hausgeburt, ein Traum vom Beginn neuen Lebens.

Sicherheit der eigenen vier Wände hilft bei Hausgeburt

Um sechs Uhr morgens begannen die Wehen, 12 Minuten später waren die erste und 25 Minuten später die zweite Hebamme bei der Gebärenden. Die erstgeborene Tochter war in der Nachbarschaft untergebracht. Unmengen sauberer Tücher, Mülleimer, Reha-Ball, Stillkissen und eine mit Folie und frischem Laken überzogene Matratze sowie die obligatorische Nottasche für einen unerhofften Wechsel zur Klinik waren vorbereitet. Auch das Notfall-Telefon war aufgeladen und lag bereit. Die Temperatur im Raum war angenehm warm. Die Hebammen kontrollierten regelmäßig den Puls der Gebärenden, die mal kniend, mal stehend und mal liegend die Wehen kommen ließ. Gesprochen wurde nur wenig. Auch als die Fruchtblase platzte, erfolgte das Wechseln der Tücher fast schweigend, berichtet Papa Bernd D. Bei der Niederkunft habe die werdende Mutter auf alle Vieren gekniet. Wenige Augenblicke später lag das Neugeborene auch schon auf dem Bauch der Mutter. Nur 30 Minuten später stand die glückselige Mutter bereits unter der Dusche. Die Endorphine hatten für einige Zeit jedes Erschöpfungsgefühl in ihr überlagert.

Risiken gibt es im Kreißsaal und bei der Hausgeburt

Kerzenlicht, harmonische Musik und Sekt, die emotionale Sicherheit der eigenen vier Wände und eine Geburtsdauer von nur knapp zwei Stunden zwischen der ersten Wehe bis zur Niederkunft – das Horrorszenario der Gegner von Hausgeburten sieht anders aus. Tatsache ist: Sowohl im Kreißsaal als auch zu Hause können Komplikationen auftreten, die das Leben und die Gesundheit von Mutter und Kind gefährden. Richtig ist auch, in der Klinik können Sofortmaßnahmen eingeleitet werden, die im Zweifel bei der Daheimgebärenden erst rund 20 bis 30 Minuten später durchgeführt werden können. So viel wertvolle Zeit vergeht durchschnittlich zwischen Notruf und Eintreffen im OP.

Eine Kehrseite der Hausgeburt, die auch die heute 38-jährige Olga D. bei der Geburt ihres dritten Kindes hat erleben müssen. Die Hebamme hatte die Hausgeburt abgebrochen und den Wechsel in die 21 Kilometer entfernte Klinik angeordnet. Ein zu hoher Puls war der Auslöser für die sinnvolle Entscheidung. Der Wechsel dauerte rund 30 Minuten und verlief kontrolliert und sicher. Für die Ingenieurin war diese dritte Geburt die längste und am stärksten an die Substanz gehende. Ob sie wieder eine Hausgeburt machen würde? "Ja, in jedem Fall", ist sich Olga sicher. Bei der zweiten Schwangerschaft mit Marie hatte von vornherein einfach alles gestimmt – gesundheitlich und emotional. „Aber jede Schwangerschaft ist anders“. Eine Erfahrung, die Olga D. wohl mit fast jeder Mehrfachmutter teilt.

Keine höhere Sterblichkeit bei Hausgeburten

Es gibt rund um das Thema Schwangerschaft kaum eine umstrittenere Frage als jene der Hausgeburt. Die eine Fraktion spricht sich begeistert für sie aus, die andere lehnt sie kategorisch ab. Es gibt auf beiden Seiten gute und weniger sinnvolle Argumente. Jeder mit einem durchschnittlich großen Bekanntenkreis wird dort Beispiele für Geburtskomplikationen, aber auch für die „perfekte Geburt“ finden, unter Berücksichtigung der Umstände, versteht sich.

Doch die Statistiken sprechen eine klare Sprache: Die Sterblichkeitsrate bei außerklinischen Geburten ist nicht höher als bei klinischen Geburten. 83,6 Prozent der Erstgebärenden und 95,6 Prozent der Mehrgebärenden benötigen während der Geburt keine Schmerzmittel oder Mittel zum Entkrampfen. Die Daten für den Auswertungszeitraum zwischen 2000 und 2004 stammen von der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe (QUAG) und decken sich mit internationalen Studien. Analoge Erfahrungen gibt es beispielsweise in den Niederlanden, wo die Hausgeburt mit einem etwa 30 Prozent-Anteil noch als normal gilt. Auch hier ist die Sterblichkeit bei außerklinischen Geburten nicht höher als bei klinischen.

Viele Risiken zeigen sich schon während der Schwangerschaft

Generell ist eine Hausgeburt nur für Frauen ohne vorhersehbare Geburtsrisiken und mit Selbstvertrauen empfehlenswert. Frauen, die bereit sind, auch die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Wer schon im Verlaufe der Schwangerschaft Gesundheitsstörungen hat, zum Beispiel Nierenschwäche, ungewöhnliche Geburtslage wie Quer- oder Steißlage, bei wem der Geburtsbeginn mehr als zwei Wochen vor dem errechneten Termin einsetzt, wer eine Zwillingsschwangerschaft absolviert oder auch eine zu tief liegende Plazenta hat, für den schließt sich die Hausgeburt aus.

Doch auch im Kreißsaal läuft nicht immer alles richtig. Auch das hat Olga D. zu spüren bekommen. „Eine unter Stress stehende Ärztin hat mir nach der Geburt meiner Erstgeborenen den gerissenen Damm nicht sauber zusammengenäht“, berichtet die dreifache Mutter. Ein überstehender Hautlappen habe noch über Jahre Hautreizungen und Schmerzen verursacht. Eine Korrektur ist inzwischen erfolgt.. Auch die Neigung der Ärzte zum Dammschnitt ist für erfahrene Hebammen nicht nachvollziehbar. Dennoch: Olga D. bereut beide Entscheidungen für die Hausgeburt bis heute nicht.

Für jede schwangere Frau gilt aber: Informieren Sie sich bei Ihrem Gynäkologen und insbesondere bei Ihrer Hebamme über die verschiedenen Möglichkeiten und über Vor- und Nachteile. Eine umfassende Beratung ist die richtige Grundlage für eine gute Entscheidung.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

B. Knapstein, B. Knapstein

Bernhard Knapstein - 1967 in Köln geboren. Studium in der Rheinmetropole: Geschichte, Sport und Rechtswissenschaften. Redaktionsassistent in der ...

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