Schweinegrippe-Symptome: Fieber, Husten & Co

Diagnose-Merkmale: Atemnot, Halsschmerzen, Kopfschmerzen & Schnupfen

Schweinegrippe-Virus mit Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N) - CDC: Douglas E. Jordan, Illustrator: Dan Higgins
Schweinegrippe-Virus mit Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N) - CDC: Douglas E. Jordan, Illustrator: Dan Higgins
Die klinischen Symptome der Schweinegrippe (Influenza A(H1N1)pdm09) sind als RKI-Falldefinition formuliert: Wichtigste Diagnose-Merkmale sind Fieber, Husten & Schnupfen.

Einen ganzen Ringelschwanz an Namen zerrt das Influenza A(H1N1)pdm09-Virus hinter sich her: Mexiko-Grippe, Neue Grippe und humane Schweinegrippe. Das Virologen-Kürzel A(H1N1)pdm09 beschreibt einen Grippe-Virus der Influenza-Virus-Gattung A des Subtyps "H1N1" – die verschiedenen Subtypen erkennt man an spezifischen Oberflächenproteinen auf der Virus-Hülle (Virion, siehe Bild), anhand der Proteine Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N). "pdm09" kennzeichnet das Virus als den Erreger der Schweinegrippe-Pandemie des Jahres 2009 mit über 200.000 laborbestätigten grippeähnlichen Erkrankungen in Deutschland (ILE oder ILI für influenza-like illness, siehe Grafik des Pandemiejahres 2009). Auch in der Grippesaison 2012/2013 galoppiert das Pandemie-Grippevirus im Schweinsgalopp durch die Schleimhaut deutscher Lungen und Nasen – bisher verursachte das Influenza A(H1N1)pdm09-Virus 9 von 17 bestätigten Grippe-Todesfällen. Hier finden Sie die neuesten Fallzahlen der Grippe-Erkrankungen für Deutschland vom 22. Februar 2013, hier für Europa.

Das Schweinegrippe-Symptom Fieber tritt nach 1 bis 2 Tagen Inkubationszeit auf

Nach der Falldefinition des Robert Koch-Instituts (RKI) unterscheiden unsere Ärzte nunmehr zwischen dem pandemischen Schweinegrippe-Virus und weiteren saisonal zirkulierenden Grippe-Viren des Subtyps A(H1N1), A(H3N2), der Influenza-Virus-Gattung B, sowie der aviären Influenza (Vogelgrippe, Typ A(H5N1)). Die Influenza-typische Symptomatik kennzeichnet den plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber über 38,5 Grad Celsius, dabei liegt die Inkubationszeit der Schweinegrippe im Bereich von 24 bis 48 Stunden. Die Krankheitsdauer liegt dagegen für gewöhnlich zwischen 5 bis 7 Tagen. Nach einer Studie über die ersten 10.000 Schweinegrippe-Patienten litten etwa 80 Prozent aller Patienten an Fieber (siehe "Schweinegrippe-Symptome in Deutschland"). Nach einer Untersuchung von Arnold S. Monto aus dem Jahr 2000 tritt bei Grippe-Erkrankungen Fieber über 37,8 Grad Celsius bei knapp 70 Prozent aller Grippe-Patienten auf. Dagegen tritt Fieber über 37,8 Grad Celsius bei einer normalen Erkältung nur bei etwa 40 Prozent aller Patienten auf. Ein fiebriges Gefühl wie Schüttelfrost tritt bei Grippe und Erkältung dagegen bei etwa 90 Prozent aller Patienten gleich häufig auf.

Husten ist eines der häufigsten Schweinegrippe-Symptome

Husten war während der Pandemie im Jahre 2009 mit über 80 Prozent das häufigste Schweinegrippe-Symptom, allerdings dient trockener Reizhusten nicht zur sicheren Unterscheidung zwischen einer Grippe, Schweinegrippe oder Erkältung. Zu den typischen Grippe-Symptomen gehören auch Heiserkeit und ein trockener Hals. Als zusätzliches Diagnose-Kriterium tritt Husten als Grippe-Symptom nach Monto et al. bei 93 Prozent aller Grippe-Patienten und als Erkältungssymptom bei etwa 80 Prozent aller Patienten auf. Bei Kindern kann auch Krupp-Husten auftreten. Auch Atemnot (Dyspnoe) oder Kurzatmigkeit sind keine sicheren Kriterien für eine Grippe. Generell leiden etwa ein Drittel aller Grippe-Patienten an einer fieberhaften Virusinfektion, bei einem Drittel Patienten kommt es zu einem leichteren Krankheitsverlauf – beim letzten Drittel kommt es dagegen zu einem Krankheitsverlauf ohne die typischen Grippe-Symptome.

Schweinegrippe-Symptome: Schnupfen oder verstopfte Nase

Ein weiteres Grippe-Symptom ist die verstopfte Nase, die aber auch beim normalen Schnupfen als laufende Nase läuft. Das Symptom verstopfte Nase dient auch nicht zur sicheren Entscheidung. Nach Monto tritt die verstopfte Nase als Grippe-Symptom und Erkältungssymptom bei etwa 90 Prozent aller Patienten auf. Eine laufende Nase muss auch bei älteren Menschen nicht unbedingt als Grippe-Symptom laufen – ältere Patienten zeigen eher eine allgemeine Müdigkeit und manchmal Verwirrtheit.

Schweinegrippe-Symptom: Halsschmerzen

Halsschmerzen können auch nicht zur sicheren Unterscheidung zwischen einer Grippe, Schweinegrippe oder Erkältung herangezogen werden. Halsschmerzen dienen jedoch als zusätzliches Diagnose-Kriterium. Nach Monto et al. treten Halsschmerzen als Grippe-Symptom und Erkältungssymptom bei etwa 84 Prozent aller Patienten auf.

Weitere allgemeine Grippesymptome: Kopfschmerz & Co.

Fieber dient unseren Hausärztinnen und Hausärzten am Anfang einer Untersuchung als wichtigstes Unterscheidungskriterium, ob eine normale Erkältung oder eine Grippe vorliegt. Tritt Fieber mit zwei weiteren der vorher genannten Symptomen auf, folgt eine weitere abgesicherte Diagnose durch die Labordiagnostik. Weitere allgemeine Grippe-Symptome und Erkältungssymptome sind: Kopfschmerzen, Muskelschmerzen an Rücken, Beinen oder Armen (Myalgien), Erschöpfungszustände und Schwäche – auch Übelkeit und Appetitlosigkeit, sowie Erbrechen und Durchfall (Diarrhoe) sind mögliche Grippe-Symptome.

Grippe-Impfung, Medikamente und Vorbeugung

Zur symptomatischen Behandlung der Grippe- und Erkältungs-Symptome hat Stiftung Warentest über 300 rezeptfreie Medikamente und Hausmittel bewertet: Einzelne Beschwerden wie Fieber, Husten und Schnupfen behandelt man am besten mit Einzelpräparaten – hier gibt es bewährte Arzneimittel mit nur einem einzigen Wirkstoff. Als beste Vorbeugung gilt immer noch die Grippe-Impfung, allerdings schwankt je nach Grippe-Saison die Impfeffektivität des trivalenten Influenza-Impfstoffs: Laut der I-MOVE-Studie liegt die Impfeffektivität gegenüber dem Influenza-A-Subtyp A(H1)pdm09 in der Grippe-Saison 2012/2013 bei 62 Prozent (siehe Grafik, rote Säule). Nach der Ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI "besteht unter Influenzaexperten Konsens, dass es derzeit keine effektivere Alternative zum Schutz gegen Influenza gibt als die jährliche Impfung."

Weitere Informationen & Literatur

Marta Valenciano et al. (2013): Early estimates of seasonal influenza vaccine effectiveness in Europe: results from the I-MOVE multicentre case–control study. Eurosurveillance, Volume 18, Issue 7 vom 14. Februar 2013, Seite 1 bis 6 [18(7):pii=20400].

Stiftung Warentest (2013): Test-Bericht über Apotheken-Werbung: Gesundes Misstrauen. In Verbraucher-Zeitschrift "test", Januar-Ausgabe 2013, Seite 86 bis 89.

Stiftung Warentest (2012): Grippe-Medikamente-Test-Bericht: Was Ihnen wirklich hilft. Dezember-Ausgabe 2012. Seite 90 bis 93.

Ständige Impfkommission (STIKO, 2012): Stellungnahme der Ständigen Impfkommission. Zur Bewertung von Impfungen für Erwachsene durch die Stiftung Warentest. Epidemiologisches Bulletin. Nummer 42 vom 22. Oktober 2012, Seite 424 bis 425.

Robert Koch-Institut (RKI, 2011): RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte: Influenza (Saisonale Influenza, Influenza A(H1N1) 2009, Aviäre Influenza). Epidemiologisches Bulletin (Epid. Bull.) Nr. 4 vom 31. Januar 2011, Seite 23 bis 31. Die Schweinegrippe-Pandemiekurve wurde mit der Datenbank SurvStat des RKI erstellt (http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand vom 13. Juli 2011).

H. Wilking et al. (2010): Mortality of 2009 pandemic influenza A(H1N1) in Germany. Euro Surveill., Volume 15, Issue 49 (pii=19741).

A. Gilsdorf et al. (2009): Influenza A(H1N1)v in Germany: the first 10,000 cases. Euro Surveill. 2009; Volume 14, Issue 34 (pii=19318).

Arnold S. Monto et al. (2000): Clinical Signs and Symptoms Predicting Influenza Infection. Archives of Internal Medicine. Volume 160, Seite 3243 bis 3247.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt oder Apotheker – nicht ersetzen kann!

Dr. Gerald Albach, Dr. Gerald Albach

Dr. Gerald Albach - Schreiben macht Spaß: mit Licht und mit Worten! Damit ich weiß, worüber ich schreibe, arbeitete ich als Diplom-Biologe in ...

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