Thomas Manns Spaziergehhund mit dem etwas seltsamen Namen Bauschen hatte offenbar schon vor langen Jahrzehnten das absolviert, was die Schweizer Behörden nunmehr von allen Hunden (und ihren Herrchen) einfordern, nämlich einen Hunde- und Hundehalterkursus. Denn der Schriftsteller beschreibt in seiner Geschichte mit dem knappen Titel „Herr und Hund“ die erste morgendliche Begegnung zwischen Herr und Hund knapp und eindeutig: „…wenn ich die Hand ausstrecke, ist er plötzlich mit einem Sprung neben mir und steht, die Schulter gegen mein Schienbein gepresst, wie eine Bildsäule…und seine Reglosigkeit atmet dieselbe Konzentration wie vorausgegangener Taumel“. Solche Folgsamkeit, solches intensive Miteinander und gegenseitige Verstehen sollen jetzt Bello und Padrone in der Schweiz lernen; es ist obligatorisch und soll helfen, Überreaktionen der Vierbeiner zu vermeiden, die durch Unerfahrenheit in der Hundehaltung entstehen und zu folgenschweren Unfällen führen können Und dies häuft sich bei den Eidgenossen; die Gazetten sind voll davon.

Kurse in Theorie und Praxis

Das neue Schweizer Bundesgesetz sieht vor, dass alle Hundebesitzer, die ihr Tier nach dem 1. September 2008 angeschafft haben, einen obligatorischen Kursus von vier Praxisstunden durchlaufen müssen, der das Herrchen 100 Schweizer Franken kostet. Wer auf dem sensiblen Gebiet der Hundehaltung Neuling ist, muß darüber hinaus vier Stunden Theorie absolvieren. Prüfungen wird es nicht geben; die Teilnahme reicht aus. Und wer seinen vierbeinigen Freund schon vor dem 1. September 2008 besaß, ist von der Kurspflicht befreit.

Strenge Regelungen für „gefährliche“ Hunderassen

Strenger ist der Gesetzgeber bei als gefährlich eingestuften Hunderassen wie beispielsweise Bull Terrier, Schäferhund oder Rottweiler. Deren Eigner müssen zusätzliche Bedingungen beachten. Für sie gilt die Pflicht, über die vier Praxis- und Theoriekurse hinaus einen weiteren Kursus zu belegen. Danach gibt es einen Abschlußtest, in dem das Wesen und Verhalten des Tieres genauso unter die Lupe genommen wird wie die Eignung des Menschen als Hundehalter. Wer durchfällt, hat eine zweite Prüfungschance. Wenn auch die vertan wird, kann das Veterinäramt die Hundeshaltung verbieten. Diese Kurse sind teuerer; sie kosten 250 Franken.

Wichtig ist die Welpenschule

Experten sind noch ein bisschen skeptisch über die Erfolgsaussichten. Hundeerziehung, heißt es unter Kynologen, ziehe sich über Jahre hin und könne nicht im Schnelldurchgang absolviert werden. Allerdings könnten mit den neuen gesetzlichen Regelungen vielleicht mehr Hundehalter für die Notwendigkeit einer richtigen Erziehung sensibilisiert werden. Am wichtigsten sei die Welpenschule, die Hunde müssten von klein auf sozialisiert werden. Einen Effekt versprechen sich die Verantwortlichen auf jeden Fall: Viele dürften sich künftig bewusster einen Hund anschaffen. Das erhoffen sich vor allem die Tessiner, denn hier liegt die Zahl der Hunde weit über Schweizer Durchschnitt. - auch die der ausgesetzten und verstoßenen. Darunter leiden viele Tierheime, in Lugano wie in Bellinzona; sie platzen aus allen Nähten.