
- Experimente können schön sein - Klaus Lauscher
Es rattert und rasselt, kugelt und kullert, klingt und blitzt, pendelt, tanzt, blinkt und hopst, leuchtet, kreiselt und dreht sich. Im Technorama, genauer dem „swiss Technorama Science Center“ ist es alles andere als leise. Wer das erste Mal den großen und noch ruhigen Vorraum betreten, sein Gepäck und seine Rucksäcke in den Gitterschränken verstaut hat und mit einem Armbändchen geschmückt zu der ersten Halle geht, muss sich einen Moment lang sammeln. Was ist denn hier los?
Wo schaut man nur zuerst hin bei diesen vielen Experimenten
Eine gute Frage, bei einer Vielzahl an Stationen, um die Kinder und Erwachsene gleichermaßen staunend stehen oder aktiv agieren, wie zum Beispiel bei dem Ritt auf dem Rodeokreisel oder beim Tretgenerator, der die zugeführte Muskelarbeit in elektrische Energie verwandelt, sprich – je nach Tretkraft der Beinmuskulatur entweder eine 40 Watt Glühbirne zum Leuchten bringt oder auch einen kleinen Fernseher in Gang setzt. Das Technorama nennt sich bewusst nicht Museum, denn hier ist nichts museal. Wer hier nicht aus- und rumprobiert ist selber Schuld!
Drei Stockwerke voller Faszination und Wunderlichem
Die Ausstellungsflächen sind thematisch aufgeteilt. So befinden sich im Erdgeschoss Experimente und Ausstellungsflächen zu Mechanik, Magnetismus und Elektrizität. Im ersten Obergeschoss ist Platz für Sonderausstellungen, wie die momentane „Licht.Kunst.Werke“-Ausstellung, die noch bis zum 12. Juli 2009 zu bewundern ist. Dazu geht es um die fünf Sinne und Täuschungen in der Wahrnehmung. Gar nicht trocken ist der Bereich MatheMagie, in dem man Fadenmodelle ausprobieren kann oder sich über einen Kugelwettlauf wundert, der so gar nicht dem Prinzip der Logik und dem augenscheinlich kürzeren Gewinnerweg zu entsprechen scheint. Auch dem Thema Wasser, Natur und Chaos wird ein Bereich gewidmet, der vom Feuer-Tornado bis zum Regentropfen-Schlagzeug und der selbstgezogenen Riesenseifenblase reicht. Das 2. Obergeschoss hat sich die fünf Bereiche Automation, Mienen-Spiele, Klingendes Holz, Räumliches Sehen und Licht und Schatten zum Thema gemacht.
Bewegung und Konzentration nebeneinander
Auf allen Stockwerken gibt es die Möglichkeit, sich ruhig und konzentriert einem Experiment zu widmen oder aber im Ausgleich eines der viele Bewegungsspiele auszuprobieren. Damit wird der modernen Theorie des Lernens entsprochen, die nur von kurzen, ruhigen Konzentrationsphasen ausgeht. So kann man hochkonzentriert ein abgeschlossenes Glasbehältnis drehen, um unter einer Million kleiner gelber Kügelchen eine einzige blaue Kugel zu finden, man kann knifflige Puzzle und Geduldsspiele lösen oder einen Tornado in einer Flasche mit farbigem Wasser erzeugen. Man kann aber auch im Blitz-Schattenraum hüpfen, springen oder Kopfstand üben und nach einem Blitz seinen „eingefrorenen“ Schatten auf der fluoreszierender Nachtleuchtfolie des Raumes bewundern.
Besucher entscheidet selbst über Lerntiefe
Neben fast allen Experimenten und Naturphänomenen sind Informationstafeln, die den Versuch und die naturwissenschaftliche Theorie erklären. Wem das nicht genug ist, der kann zusätzlich auf einem weiteren Informationsblatt mehr darüber nachlesen. Man kann schnell und von Neugierde angetrieben, von einer der etwa 500 Probierstationen zur nächsten ziehen, man kann sich aber auch sehr lange und ausgiebig mit einer Station beschäftigen. So wird sich nicht jeder an die „Mindball“-Station wagen, in der Gehirnströme über ein Band gemessen und sichtbar gemacht werden. Je entspannter der Proband, desto weniger Gehirnströme und umso weiter weg entfernt sich der Ball in der Mitte des Tisches. Gewinnen wird in diesem Gedankenzweikampf der Entspanntere.
Shows vertiefen erworbenes Wissen
Vier Mal am Tag gibt es diverse Shows. Zum Beispiel über Hochspannung, Elektrizität oder Magnetismus. Interessant ist auch die Lasershow, in der in kleinem Kreise und mit Hilfsmitteln wie verschieden farbigen Gummibärchen gezeigt wird, dass der Laser immer seine Farbe behält, im Gegensatz zum weißen Licht, das in seine Spektralfarben aufgeteilt wird. Die Gas-Show ist ein besonderes Highlight. Ein humorvolles Paar demonstriert verschiedene Aggregatzustände und zeigt, wie sich unterschiedliche Gase in unterschiedlichen Situationen verhalten. Stickstoff durchdringt zum Beispiel – im Gegensatz zum Wasser – einen Lodenhut. Dafür kann flüssiger Sauerstoff bei minus 183 Grad ein Alublech durchbohren. Und natürlich können Gase auch noch ganz schön laut knallen...
Es wird viel geboten
Weil man hier so viel spielerisch lernen kann, kommen auch viele Schulklassen ins Technorama und können im Jugendlabor als angemeldete Gruppe detailliert forschen. Es empfiehlt sich in jedem Fall einem Tagesausflug einzuplanen und Vesper und Getränke mitzubringen, die sehr gemütlich an den Picknicktischen verzehrt werden können. Die Zeit von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr vergeht wie im Flug und am Ende hat man immer noch nicht alles gesehen. Durch die Stiftung und diverse Gönner sind die Eintrittspreise recht moderat. Schade nur, dass sich für deutsche Besucher durch die österreichischen und schweizerischen Autobahngebühren (für die Schweiz fällt gleich ein Jahresticket an) der ganze Tag sehr verteuert. Die Vignetten kosten zusammen fast so viel wie der Eintritt einer Kleinfamilie ins Technorama.
Fazit: 6.500 m² lebendige Ausstellungsfläche zum Erleben und Ausprobieren. „Wissenschaft und Technik in lebendiger Schau“, wie die Zweckbestimmung der Stiftung dies vorschreibt, begeistert Jung und Alt. Die eigene Erfahrung und das Begreifen führt zu einem nachhaltigen Lernerfolg und macht dazu unglaublich viel Spaß.
