
- Käse und Berge - Robert Babiak / pixelio.de
Während sich einige Völker gegen die ihnen entgegengebrachten Vorurteile wehren, schien das Bild einer Kuh, die seelenruhig Alpengras kaut, für das Schweizer Nationalbewusstsein immer beruhigend zu sein. Immerhin steht es für die Vorstellung von der perfekten Alpenrepublik; in europäischen Krisenzeiten wirkten die Spitzen der Schweizer Berge wie solvente Felsen in der Brandung.
Dieses Vorurteil umfasst natürlich auch den Schweizer Käse. Neben dem traditionellen Bankengeschäft war der Käse sozusagen das essbare Gold des Landes. Doch trifft dieses Vorurteil noch zu?
Schweizer Käseexporte brechen ein
In der Realität hat die glückliche Alpenkuh leider immer weniger zu tun. Da in den letzten Jahren der Export des heimischen Käses zurückging, wird ihre Milch mehr und mehr überflüssig. Hierbei leidet die Käsewirtschaft vor allem unter dem erstarkenden Franken, der beim derzeitigen Dollar- und Eurokurs Emmentaler und Co. nicht sehr erschwinglich macht. Hinzu kommt, dass es von den bekannten Schweizer Käseprodukten weltweit zahlreiche Imitate gibt.
Der Verkauf des bekannten Appenzeller schrumpfte um 4,2%, der des Emmentalers gar um 17% im Vergleich zum Vorjahr. Das entspricht 1500 Tonnen Emmentaler, die man im vorherigen Jahre noch an das käsebedürftige Ausland verkaufen konnte.
Mozzarella statt Appenzeller
Insgesamt scheint sich ein Wandel im schweizerischen Bewusstsein zu vollziehen. So setzt auch die heimische Bevölkerung immer mehr auf ausländische Käsesorten und verschmäht die traditionellen, schweizerischen Produkte. Während der Käseexport schrumpfte, nahm der Import um 6% zu. Das bedeutet in der Realität, dass die Käsenation schlechthin 25.000 Tonnen des Milchproduktes im ersten Halbjahr 2011 importieren musste. Größter Käselieferant ist Italien mit mehr als 9.000 Tonnen. Deutschland konnte im eben genannten Zeitraum 5.000 Tonnen an die Schweizer verkaufen.
Das Ganze scheint sich zu einenr Sinnkrise der helvetischen Käsezunft auszuweiten: Studien aus dem Jahre 2010 belegen, dass der beliebteste Käse der Schweizer tatsächlich Mozzarella ist. Nicht etwa ein Alpenkäse, sondern der süditalienische Kuhmilchkäse hat es den Eidgenossen angetan. Sie verspeisten 2010 im Schnitt 2,4kg pro Kopf. Damit verbannte der Mozzarella den Gruyère, der immer noch mit 1,7kg pro Kopf aufwarten kann, auf den zweiten Platz.
Lösungsstrategien
Ein anderes - positives - Vorurteil über die Schweizer besagt, dass sie einfallsreich und flexibel sind. Das scheint sich zu bewahrheiten: Der Exportflaute begegnet man mit einer gewollten Abwertung des Franken; die Zukunft wird zeigen, ob dieses Konzept aufgehen wird.
Aber auch dem Eindringling Mozzarella nimmt man sich auf kreative Art und Weise an: Man produziert ihn einfach selber. In den letzten 20 Jahren hat sich die Mozzarellaproduktion in der Schweiz vervierfacht. 2010 konnte man sogar mehr als 2.000 Tonnen Mozzarella exportieren. Nach Südkorea, China, Deutschland und sogar nach Italien.
Die Schweiz scheint es mal wieder geschafft zu haben: Sie hat ihre alten Werte beibehalten und dennoch ist es ihr gelungen, sich selbst neu zu erfinden. Schweizer Käse - das ist und bleibt ein Erfolgskonzept.
Quellen:
- Entwicklung des Käseexports
- Aufstieg des Mozzarellas
- Kurze Beschreibung der Schweizer Käsekultur
- Produktabkommen zwischen Schweiz und EU
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