Schweizer Nationalpark per Bahn

Fahrtziel Natur: Die Nationalparkregion im Engadin/Graubünden

Bergwelt im Schweizer Nationalpark - Judith Weibrecht
Bergwelt im Schweizer Nationalpark - Judith Weibrecht
Der Schweizer Nationalpark im Engadin ist per Bahn erreichbar. „Fahrtziel Natur", ein Angebot der Deutschen Bahn in Kooperation mit vier Umweltverbänden, macht's möglich.

Der Schweizer Nationalpark ist das neueste Ziel von „Fahrtziel Natur“. Denn die Schweiz ist Bahnland. Und die Schweiz beheimatet einen herrlichen Nationalpark. So ist die Zusammenarbeit mit "Fahrtziel Natur", einer Kooperation der Deutschen Bahn mit den vier Umweltverbänden BUND, WWF, NABU und VCD nur recht und billig. Der Schweizer Nationalpark ist ihr neuestes Ziel.

Der einzige Schweizer Nationalpark liegt im Kanton Graubünden

Der einzige Schweizer Nationalpark, der älteste der Alpen und der älteste Mitteleuropas, liegt im Kanton Graubünden, ist 170 qkm groß und echt alpin. Seit 1914 schon darf sich die Natur hier frei entfalten. Nationalparkmitarbeiter Stefan Triebs erklärt und erzählt von Bartgeiern und Steinadlern, Gämsen und Steinböcken. Ein Steinadler erkennt ein Murmeltier problemlos auf 3 km, so Triebs. Wenn Luftalarm ist, pfeift das Murmeltier einmal zur Warnung, und weg sind sie alle. Ist hingegen „Bodenalarm“, z. B. weil ein Fuchs naht, so wird dreimal gepfiffen. Die Steinböcke wiederum tragen so genannte Schmucknoten am Horn und sind auch das Wappentier Graubündens. Diese wurden hier wieder angesiedelt und sind heute in einer Zahl von 6.000 bis 7.000 Stück vorhanden. Eine Erfolgsstory par excellence. Damit dies so bleibt, und um die Tier- und Pflanzenwelt generell nicht zu stören, herrscht auf den 80 km Wanderwegen absolutes Wegegebot. Die Tiere lassen sich auch scheinbar nicht stören, denn im Moment ist Hirschbrunft und im Val Trupchun wird geröhrt. Fast klingt es so, als zögen die Hirsche mit Migrationshintergrund, sie sind aus Österreich wieder eingewandert, beim Röhren die Luft ein. Hunderte von Neugierigen versuchen mittels Feldstecher einen Blick auf die Böcke zu erhaschen, besonders hoch her geht’s am Rastplatz Alp Trupchun. Ab und zu riecht man auch das Parfüm der Hirsche, den Brunftgeruch.

Die Rhätischen Bahnen

Doch nicht nur im „Parc Naziunal Svizzer“ selbst, sondern auch in der so genannten Nationalparkregion um den Park herum gäbe es jede Menge zu entdecken: Per Bahnanreise landet man zunächst in Landquart oder Chur. Um Bahnen handelt es sich in Graubünden fast immer, und so steigt man in Landquart um in eine Schmalspurbahn, die die Bündner Meterbahn nennen. Den Umstieg hat schon Thomas Mann in seinem „Zauberberg“ beschrieben. Die Rhätischen Bahnen RhB mit ihrem stattlichen Streckennetz von fast 400 Kilometern sind an sich ein Highlight, darum sollen die Albula- und die Bernina-Linie auch zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt werden. Doch pfiffen die Loks der Rhätischen Bahn früher eher wie ein Schreien, ein tiefes Brüllen, so müssen sie nun auf Euro-Norm umgestellt werden, obwohl sie nicht zur EU gehören. Zum Pfiff gibt es aber auch noch eine andere Geschichte, weiß Peider Härtli, der Sprecher der RhB: "Pfiff der Lokführer der Bernina-Bahn früher zweimal, so wusste der Wirt oben, dass er ihm seinen Wein schon mal einschenken sollte."

Fünf Nationalparkgemeinden

Die 5 Gemeinden Zernez, S-chanf, Scuol, Valchava und Lavin liegen rund um den Nationalpark herum. Kleine, aber feine Engadiner Dörfer, die erkundet werden wollen. Zernez ist das Tor zum Nationalpark, liegt genau in der Mitte des 100 km langen Engadin, ist gewissermaßen sein geographischer Mittelpunkt und auch der Mittelpunkt der Alpen. Hier befindet sich das alte Nationalparkhaus und das neue, das am 31. Mai 2008 eröffnet wird. Darauf ist man mächtig stolz. Das hübsche Schloss Planta-Wildenberg, in das die Nationalparkverwaltung einziehen wird, liegt gleich um die Ecke. Viele der sehenswerten Häuser in Zernez sind im spätklassizistischen Palazzo-Stil erbaut und keine typischen Engadiner Häuser.

Guarda und Samnaun

Die gibt es jedoch im 1.650 ü. d. M. gelegenen Guarda mit seinen wunderschönen Sgraffiti. Gewissermaßen sind dies die Vorgänger der heutigen Graffiti-Malereien. An fast allen Häusern in Guarda und auch an anderen Orten sind sie zu finden. Nach Samnaun kommt man eher wegen des „Duty Free Shopping“. Das Benzin wird per Tanklastwagen hochgekarrt, und die PKW-Fahrer kommen daraufhin hierher, um zu tanken. Das Dorf existiere hauptsächlich davon, wird erklärt. In der Tat ist der ganze Ort voller Geschäfte: Parfüm, Spirituosen, Kleidung. Da geht man vielleicht lieber in die ortsansässige Schaukäserei zu einer Verkostung. Die Kühe stehen oben auf der Alm, die Milch wird per Pipeline strecksterlängs nach Samnaun in die Käserei befördert. Hightech und Perfektion in der Schweiz macht auch vor Kuhmilch nicht Halt. Wieso auch? Der Samnauner Bergkäse oder der Rahmkäse schmeckt.

Kloster St. Johan Müstair

Kloster St. Johan Müstair ist UNESCO Weltkulturgut. In der Klosterkirche bestaunen Touristen den größten erhaltenen Freskenzyklus aus dem 8. und 12. Jahrhundert, Malereien und Fresken aus karolingischer und spätgotischer Zeit. Gegründet wurde das Kloster einst von Karl dem Großen, erzählt Schwester Domenica, eine der Benediktinernonnen des Klosters. Sie ist wahrlich nicht das, was man sich unter einer zurückgezogen und abgeschieden lebenden Nonne vorstellt, als sie lachend von ihrer ehemaligen Arbeit im Dorfkindergarten erzählt. So habe sie gewissermaßen in zwei Welten gelebt: einer lauten und einer stillen.

Mit dem Postbus geht es zurück zum Bahnhof, wo eine weitere Reise mit der legendären Rhätischen Bahn beginnen kann. Und wer will umrundet den Schweizer Nationalpark per Mountainbike auf der Nationalpark Bike Tour. A revair!

Judith Weibrecht, Judith Weibrecht

Judith Weibrecht - Judith Weibrecht wurde in Fürth/Franken geboren. Schon früh sagte man ihr übertriebene Reiselust nach (angeblich von der ...

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