Hat man die Möglichkeit, von oben auf die Stadt hinunter zu sehen, kommt man aus dem Staunen kaum noch heraus. Idyllisch liegt sie da, umgeben von viel Grün, durchzogen von ebenso viel Blau. Die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern punktet jedoch nicht nur mit ihrer idyllischen Lage, sondern kann auch auf eine lange und aufregende Geschichte zurück blicken.

Die slawische Siedlung

Im frühen Mittelalter besiedelte der slawische Stamm der Obotriten Mecklenburg und errichtete sich auf einer kleinen Insel eine Burg. Rasch entstand um die Burg herum eine Siedlung, die um 1018 das erste Mal mit dem Namen „Zuarin“ erwähnt wurde. Der Name, oft auch als „Zuarina“ oder „Zuerin“ abgewandelt, stammt aus dem obotritischen und bedeutet soviel wie „wald- und tierreiche Gegend“. Doch vermutlich stand die Burg zu diesem Zeitpunkt schon längere Zeit an ihrem Platz, denn bereits im Jahre 965 beschrieb ein spanisch-maurischer Handlungsreisender namens Ibragim Jakub, der Mecklenburg bereiste, eine slawische Burg inmitten eines Süßwassersees. Historiker sind sich relativ sicher, dass es sich dabei um den Schweriner See und die Burg auf der heutigen Schlossinsel handelt.

Der Burgbau konnte auf dem morastigen, schlammigen Untergrund nicht einfach gewesen sein, doch bot die Burg mit ihrer durch Wasser und Wälle abgegrenzten Lage ein Maximum an Sicherheit gegenüber Feinden.

Von Fürst Niklot zu Heinrich dem Löwen

Anfang des 12. Jahrhunderts herrschte Niklot als Fürst über die Obotriten und setzte sich vehement gegen das Christentum und eine Übernahme durch christliche Herrscher durch. Niklot gilt als Stammvater aller mecklenburgischen Herzöge und noch heute zeugt ein Reiterdenkmal am Schweriner Schloss von seiner Bedeutung für die Stadt und die Region.

Die lange Herrschaft der Obotriten fand 1160 ein Ende, als der Welfenherzog Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, gegen die Slawen zu Felde zog. In die Ecke gedrängt, setzte Niklot die Burg in Flammen, um sie so Heinrichs Zugriff zu entziehen. In einer unvermeidlichen Schlacht fiel Fürst Niklot schließlich bei Bützow und Heinrich eroberte das Land der Obotriten. Er begründete das Bistum Schwerin und veranlasste den Ausbau der Siedlung. Nachdem Niklots Sohn Pribislaw zum Christentum übergetreten war, erhielt er 1167 das östliche Obotritenreich, jedoch ohne das Gebiet von Schwerin, als Lehen von den Welfen zurück. Im selben Jahr wurde Schwerin zur Grafschaft erklärt und Gunzelin von Hagen zum ersten Grafen von Schwerin erhoben.

Die Grafen von Schwerin

Der Wiederaufbau der niedergebrannten Burg begann.

Das Christentum breitete sich rasch aus und 1171 wurde der Grundstein zum Bau eines Doms in Anwesenheit von Heinrich dem Löwen gelegt. Zu dieser Zeit hatte die Stadt rund 500 Einwohner, von denen 100 zur Geistlichkeit gehörten.

1222 brachte der damalige Graf Heinrich von Schwerin von einer Pilgerfahrt einen in Jaspis eingeschlossenen heiligen Blutstropfen mit, den er den Domherren stiftete und welcher schon bald zahlreiche Pilger nach Schwerin lockte. Da diese Pilger reichlich spendeten, wurde so der Bau eines zweiten Doms in Gestalt einer gotischen Kathedrale finanziert, der 1270 begann und um 1416 vorläufig beendet war.

Parallel wurde eine massive Stadtmauer errichtet und das Rathaus. Dieses sollte in der Geschichte der Stadt dreimal abbrennen, wurde jedoch immer wieder an derselben Stelle neu errichtet. Noch heute ist der mittelalterliche Torbogen neben dem Rathaus erhalten und zu bewundern.

Zum Herzogtum erhoben

1348 wurde Mecklenburg durch den Kaiser zum Herzogtum erhoben und nach dem Aussterben der Grafen von Schwerin erwarb der mecklenburgischer Herzog Albrecht II. die Stadt für 20.000 Silbermark und machte sie zu seiner Residenzstadt.

Unruhen, Streitigkeiten und die Pest beherrschten die Stadt bis in das 15. Jahrhundert hinein. Ab 1478 begann Magnus II., die Stadt kulturell und wirtschaftlich auszubauen. Das war auch nötig, denn wegen seiner ungünstigen Lage war Schwerin keine der reicheren Städte und Wismar sowie Rostock waren wirtschaftlich längst erfolgreicher.