Schwimmt der Maifisch bald wieder im Rhein?

Der Maifisch ist keine Maischolle, sondern eine Heringsart, die im Rhein als ausgestorben galt. Jetzt soll sie wieder heimisch werden.

Der Mai ist – wie der Name schon andeutet – der Monat des Maifischs (Alosa alosa). Im Unterschied zur Maischolle wird der heringsartige Wanderfisch aber nicht im Mai gefangen – und gegessen. Vielmehr wandern die laichreifen Maifische von Mitte April bis Anfang Juni, hauptsächlich jedoch im Mai, vom Meer in die Mittel- und Oberlaufbereiche größerer Flüsse hinauf, um sich während der warmen (Mai-)Nächte auf kiesigen Flussabschnitten fortzupflanzen. Ihre „Liebestänze“ vollführen sie laut platschend an der Wasseroberfläche; die befruchteten Eier werden mit der Strömung verdriftet.

Im Rhein gilt der Maifisch als ausgestorben

So romantisch und natürlich wie sich das anhört, ist es schon lange nicht mehr. Nehmen wir als Beispiel den Rhein. Hier gilt der Maifisch seit den 1940er Jahren als ausgestorben. Früher war der delikate Maifisch eine wichtige Grundlage für die Berufsfischer und wanderte zu Hunderttausenden den Rhein bis nach Basel hinauf. Die zunehmende Verschlechterung der Wasserqualität, der Bau von Wanderhindernissen (wie beispielsweise Wehre) und die exzessive Überfischung führten mit der Zeit zu einer dramatischen Verringerung der Heringsart. Nennenswerte Maifisch-Bestände gibt es heute eigentlich nur noch in Frankreich. In den beiden Flüssen Garonne und Dordogne werden jedes Jahr immer noch rund 500 Tonnen Maifisch gefangen und verkauft! Mit der in den letzten Jahren verbesserten Wasserqualität des Rheins, soll nun dem Maifisch eine Rückkehr in seine alte Heimat ermöglicht werden.

Projekt “Wiederansiedlung des Maifischs im Rheinsystem“

Im Jahr 2006 wurde daher das einzigartige europäische Projekt “Wiederansiedlung des Maifischs im Rheinsystem“ ins Leben gerufen. Es handelt sich um ein länderübergreifendes Projekt der Rheinanliegerstaaten Deutschland, Frankreich und Niederlande, unter der fachlichen Koordination der Stiftung Wasserlauf, finanziell unterstützt durch die renommierte europäische Umweltförderung EU LIFE+. (LIFE ist das Förderprogramm der Europäischen Union zur finanziellen Unterstützung von Umwelt und Naturschutzvorhaben.) Sage und schreibe fünf Millionen Maifischlarven wurden bislang “ausgewildert“. Die Tiere werden in Frankreich gezüchtet und markiert, bevor sie in großen Plastiksäcken nach Deutschland kommen und im Rhein ausgesetzt werden. Dieser so genannte “Maifischbesatz“ findet stets im Monat Mai statt, so auch im Mai 2011. Die winzigen, noch durchsichtigen Larven driften im Laufe des Sommers in Richtung Flussdelta und schließlich in die Nordsee. Wenn sie drei bis fünf Jahre alt, drei bis vier Kilo schwer und an die 70 Zentimeter groß sind, wandern die laichbereiten Maifische wieder in den Rhein ein, um dann – so die Hoffnung der Wissenschaftler – eine gesunde Population zu bilden, die künftig ohne begleitende Besatzmaßnahmen auskommt.

Quellen:

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen

Stiftung Wasserlauf

Angelika Fiedler , A. Fiedler

Angelika Fiedler - Berliner Pflanze von Geburt, früh in die NRW-Landeshauptstadt umgetopft, lebt heute mit Mann, Söhnen und Hund in der Nähe ...

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