
- Abkühlung hilft bei übermäßigem Schwitzen - chocolat01 / pixelio.de
Schwitzen, z.B. im Sommer oder bei körperlicher Anstrengung, ist eine normale und notwendige Reaktion des Körpers und lebenswichtig für die Wärmeregulation. Als weitgehend normal wird von den Experten das Hitze- und Anstrengungsschwitzen angesehen, auch wenn es zu einer ungewöhnlich großen Flüssigkeitsbildung kommt. Dabei kann die Schweißabsonderung vom Betroffenen als unangenehm bis unerträglich empfunden werden. Auch das sogenannte emotionale Schwitzen bei Aufregung gehört dazu. Aber übermäßiges Schwitzen kann tatsächlich auch krankhaft sein. Hyperhidrose heißt der Fachbegriff für das Schwitzen als Krankheit und kann für die Betroffenen erhebliche Konsequenzen haben, die schließlich bis hin zur sozialen Isolation und zu Depressionen führen können.
Physiologisch: Anstrengungs- und emotionales Schwitzen
Bei steigenden Außentemperaturen oder beim Sport kühlt sich der Körper mit dem Schweiß vor Überhitzung, das ist normal und dient der Thermoregulation. Aber auch schweißnasse Hände vor Aufregung haben einen evolutionsbiologischen Grund: Die feuchten Hände dienten, ausgelöst durch einen Fluchtreflex dem besseren Halt, beispielsweise beim Klettern auf Bäume. Produziert wird der Schweiß übrigens von den Schweißdrüsen in der Haut. Die ekkrinen Schweißdrüsen sondern den kühlenden Schweiß ab, der den Körper vor Überhitzung schützt. Die apokrinen Schweißdrüsen arbeiten beim emotionalen Schwitzen und sondern - anders als beim Hitzeschweiß - neben Wasser und Mineralien auch Duftstoffe ab.
Leidensdruck nimmt im Sommer zu
Während sich die Anzahl der Hyperhidrose-Patienten in den kühleren Jahreszeiten üblicherweise in überschaubaren Grenzen hält, ist für viele Patienten im Sommer das Ende der Erträglichkeit erreicht: Der Leidensdruck des Hyperhidrose-Patienten nimmt während der heißen Monate an Intensität zu. Generell stufen nicht wenige Hyperhidrotiker ihre Lebensqualität als durchschnittlich bis schlecht ein. Die Schweißattacken können durch hohe Außentemperaturen ausgelöst oder verstärkt werden, d.h.: Im Allgemeinen verschlechtert sich das Krankheitsbild im Sommer und bessert sich in der kalten Jahreszeit. Man kann den Sommer daher auch als „Hyperhidrose-unfreundliche Jahreszeit“ bezeichnen.
Diagnostik häufig schwierig
Bei der Hyperhidrose handelt es sich häufig um eine thermisch provozierte Hyperhidrosis bei Anstrengung, Sport oder Hitze. Auch bei einer physiologischen Schwitzvariante entwickelt sich nicht selten ein erheblicher Leidensdruck, der eine Therapie notwendig macht.
Unterschiede in der subjektiven Wahrnehmung erschweren gerade im Sommer die Hyperhidrose-Diagnostik: Es gibt keinen allgemeingültigen Labor- oder Messwert, mit dessen Hilfe das Vorliegen einer Hyperhidrose bewiesen oder ausgeschlossen werden könnte.
Am häufigsten wird daher die Diagnose Hyperhidrose anhand der Anamnese gestellt. Das Arzt-Patienten-Gespräch und die klinische Untersuchung sollten an erster Stelle stehen. Daneben stehen verschiedene qualitative und quantitative Methoden zur Verfügung, um eine vorliegende Hyperhidrose zu klassifizieren.
In jedem Fall ist die Hyperhidrose ein ernst zu nehmendes Problem, nicht nur im Sommer.
Therapie-Optionen - die Behandlung der Hyperhidrose
Die Auswahl der geeigneten Behandlungsmaßnahmen sollte individuell auf den Patienten abgestimmt sein und stufenweise erfolgen. Neben allgemeinen und hygienischen Maßnahmen ist bei Untrainierten und Hitzeempfindlichen zuerst das Engagement der Betroffenen gefragt. Ausdauertraining oder Saunabaden sollen einen Zustand verbesserter Hitzetoleranz wie bei der Akklimatisation herstellen. Klassische Deodorants reduzieren übrigens nicht die Schweißmenge, sie verhindern lediglich die Zersetzung des Schweißes durch Bakterien und dadurch unangenehmen Körpergeruch. Antitranspirantien enthalten dagegen Aluminiumsalze, hierdurch wird eine Verengung der Schweißdrüsen erreicht und die Menge des abgesonderten Schweißes tatsächlich reduziert.
Bei schwerer Ausprägung der sommerlichen Hyperhidrose reicht eine Therapie mit Aluminumsalzen oft nicht aus und kann, je nach Lokalisation mit physikalischer Therapie (Iontophorese) kombiniert oder mit naturheilkundlicher Therapie ergänzt werden.
Behandlung mit Botulinumtoxin und weitere Therapie-Möglichkeiten
Bei schwerer Hyperhidrosis mit erheblichem Leidensdruck kann mit dem als "Botox" bekannten Faltenglätter die Reizübertragung auf die Schweißdrüsen gehemmt werden. Botulinumtoxin wird z.B. in die Achseln eingespritzt, diese Maßnahme muss nach sechs bis zwölf Monaten wiederholt werden. Eine andere Möglichkeit ist die Einnahme eines sogenannten Anticholinergikums, auch hierdurch können für die Reizübertragung notwendige Botenstoffe blockiert werden. Letzter Ausweg bleibt schließlich die Operation, bei der die Schweißdrüsen abgesaugt werden.
Quellen:
Achenbach, Reinhard K.: Hyperhidrosis, Steinkopf Verlag Darmstadt, ISBN 3-7985-1475-5,
AWMF Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG): Definition und Therapie der primären Hyperhidrose
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt oder Apotheker - nicht ersetzen kann.
