
- Die erste Fähre hieß Donauspatz. - Elvira Lauscher
Wenn morgens in der Früh die Bier- und Getränkelaster die Innenstadt mit extra Rationen Flüssigem beliefern, um 10.30 Uhr jedes Amt, jede Schule und auch so manche Firma die Tore schließt, die Ulmer Stadtbusse mit schwarz-weißen Fähnchen geschmückt sind und das Rathaus und auch alle anderen öffentlichen Gebäude bunt beflaggt sind, dann liegt etwas ganz Besonders in der Luft. Der Ulmer „Nationalfeiertag“ ist da – und halb Ulm und Neu-Ulm freuen sich schon auf diesen Tag. Vorbereitet darauf wurde man in diesem Jahr mit schnulzigen Klängen von Dieter Thomas Kuhn, der die Besucher des Münsterplatz-Konzertes am Sonntag Abend zum Schunkeln brachte. Doch der eigentliche Feiertag beginnt immer am dritten Montag des Julis, dem Schwörmontag.
Erst schwört der Oberbürgermeister und dann wird’s nass
Und dann sind zwei Dinge klar: Um 11.00 Uhr wird Ivo Gönner, der Oberbürgermeister der Stadt Ulm, auf dem Balkon des Schwörhauses (heute das Stadtarchiv der Stadt Ulm) eine Schwörrede halten (zu der möglichst viele Ulmer Zugang haben sollen, daher die verfrühten Schließzeiten aller Orten) und am Nachmittag ab 16.00 Uhr wird es nass. Umso näher man der Donau ist, umso nasser wird es. Und in diesem Jahr – Gott sei Dank – nicht vom Himmel kommend. Denn dann wäre das „Nabada“ (Hinunterbaden) gefährdet, wie zuletzt 2008, wo die Wasserveranstaltung wegen Hochwassers abgesagt wurde. Nach der sehr unterkühlten Lichterserenade am Samstag Abend, als das Wetter in Ulm gar nicht einladend war, freuen sich Ulmer und Neu-Ulmer am Schwörmontag, den 19. Juli 2010, über den blauen Himmel und sommerliche Temperaturen.
Ein Karneval auf der Donau mit viel Musik und vierzehn Mottofähren
Doch vorher heißt es, an die Donau kommen. Im Minutentakt fahren die städtischen Busse die Menschen vom Umland und den Ulmer Bergen in die Nähe der Donau und so mancher Bus muss eine halbe Stunde vor Beginn des Wasserumzuges bereits wegen Überfüllung an den Haltestellen vorbei fahren. Die Busse haben ja auch so einiges zu transportieren: Neben menschlicher Fracht auch noch Wasserbomben in Eimern, Wasserpistolen und den einen oder anderen schwimmbaren Untersatz, der nachher zu Wasser gelassen werden will. Denn das Nabada bedeutet, dass – neben einem kleinen Karneval mit Motto-Schiffen auf der Donau – auch viele Boote, Schwimmringe, aufblasbare Wassertiere und alles, was schwimmen kann, mit nach unten treibt.
Um 16.00 Uhr beginnt das Nabada auf der Donau
Und während sich die Ufer links und rechts der Donau ebenso mit Schaulistigen füllen, wie die Brücken, die Ulm (Baden-Württemberg) und Neu-Ulm (Bayern) miteinander verbinden, steigen die ersten Mutigen an verschiedenen Einstiegstellen in die 21 Grad kalten Fluten der Donau, um sich langsam Richtung Friedrichsau treiben zu lassen. Um genau 16.00 Uhr ist schon die erste Fähre der 31 offiziellen Teilnehmer-Fähren auf Höhe des Hotels Maritim zu sehen. Mit vielmaligem „Ulmer Spatza, Wasserratza“, was vom Donauufer mit „Hoi, hoi, hoi!“ beantwortet wird, kommt die Fähre „Donauspatz“ an den jubelnden Zuschauern vorbei. Und dann folgen zahlreiche Schachteln (spezielle Ulmer Boote) mit Musikkapellen, die manchmal gefährlich schaukelnd und mit lauter Blasmusik die Donau herunterschippern. Nach den Donaunixen (Boot 10) beginnt die Donau langsam richtig voll zu werden und es kann nicht eindeutig festgestellt werden, ob mehr Menschen auf oder neben der Donau sind. Es gibt allerhand zu sehen auf dem Wasser und es wird ganz schön nass. Eimerweise spritzen sich die Bootinsassen gegenseitig nass oder spritzen mit Wasserpistolen. Und auch die vorderen Reihen der Zuschauer trifft immer Mal wieder eine gewaltige Ladung grünes Donauwasser, was bei diesen Temperaturen von den Meisten eher jubelnd aufgenommen wird.
Mottofähren zu Ulmer Themen und auch gesamtpolitisch inspiriert
Als erste Mottofähre ist die Nummer 14 zu sehen. „Ich will doch nur spielen...“ steht da und hohe Kirchenvertreter sind dargestellt. Die DLRG-Jugend hat sich des Themas Missbrauch angenommen. Es sind immer private Hobbybastler von Vereinen, Schulen oder Firmen, die sich zehn Tage vor dem Nabada der Fähren-Bastelei verschreiben. So haben sich Informatik-Azubis dem Thema „Nacktscanner“ verschrieben und das St. Hildegard Gymnasium hat sich der Ölkrise gewidmet mit dem Thema „Öl für uns alle“. Aber auch Ulmer Themen sind 2010 zu finden, wie die Anspielung auf die neue Ulmer Papiertonne von den „Nabada Freunden“ aus Ulm, die ihre Fähre „Ulmer Wertpapierhandel“ nennen. Knapp zwei Stunden später dann ist der Donau-Umzug vorbei und es wird noch in der Ulmer Innenstadt oder der Friedrichsau bei zahlreichen Veranstaltungen weitergefeiert.
Bei der diesjährigen Abstimmung der Südwest Presse für die originellste Mottofähre gewann Nr. 25, "Eurofighter" von den "Zoll-Zillenfahrer Gögglingen-Donaustetten".
Der nächste Schwörmontag ist am 18. Juli 2011.
