
- Nur 12 Prozent finden Gay nicht gut - Robert Niedermeier
Die lesbisch-schwule CSD-Saison geht wieder los: Kurz vor Beginn des bunten und nach wie vor auch emanzipatorisch motivierten Treibens gab der Kölner Stadtanzeiger Ende April eine Umfrage in Auftrag. Gute Nachricht für die Teilnehmer und Besucher der CSD-Parade am 3. Juli 2011: Nur 12 Prozent der Kölner beurteilen das lesbisch-schwule Leben in der Domstadt als negativ.
64 Prozent der Befragten bewerten lesbisch-schwule Lebensart positiv
Diese Frage wurde gestellt: „Wie bewerten Sie das schwul-lesbische Leben in Köln, zum Beispiel den Christopher-Street-Day?“ 609 von insgesamt 1.025.094 Einwohnern Kölns wurden repräsentativ ausgewählt und gaben im Rahmen der Umfrage vom Kölner Stadtanzeiger Auskunft darüber, ob sie mit ihrer Heimatstadt zufrieden seien: „Wir haben so eine Umfrage zum ersten Mal durchführen lassen“, sagt Redakteur Matthias Pesch vom Kölner Stadtanzeiger und fügt hinzu: „Natürlich haben wir in Köln, einer echten Hochburg für Lesben und Schwule in Deutschland, explizit gefragt, ob der Kölner Bevölkerung das rege schwule Leben in ihrer Stadt überhaupt gefällt.“ Die von der Lokalzeitung initiierte Befragung zur Ermittlung der Bürger-Zufriedenheit wurde von fünf verschiedenen Meinungsforschungsinstituten gemeinsam durchgeführt. Immerhin bewerten demnach 64 Prozent der Befragten das lesbisch-schwule Leben als positiv, nur 12 Prozent gaben eine negative Beurteilung ab.
Männer und Jugendliche weniger tolerant als Frauen ab 30
Ob die Akzeptanz pro Homokultur sich erhöht hat oder eher gesunken ist, kann jedoch anhand der bisher einmaligen Erhebung nicht ermittelt werden, weil keine Vergleichswerte aus vergangenen Jahren vorliegen. Wie zu erwarten, zeigen sich Männer in ihrer Einstellung gegenüber Lesben und Schwulen weniger tolerant als Frauen. Unabhängig vom Geschlecht der Befragten erfährt schwule Lebensführung in der Altersgruppe der 30 bis 40-Jährigen die größte Zustimmung. Kaum erfreulich für lesbisch-schwule Jugendliche: den Ergebnissen der Kölner Umfrage zufolge stoßen sie ausgerechnet bei ihren Altersgenossen im höheren Maße auf Ablehnung.
Auch in Köln kommt es zu Übergriffen gegen Lesben und Schwule
„Die Zahlen decken sich mit unserem Erleben“, bestätigt Sabine Arnolds vom Kölner Lesben und Schwulentag e.V. (KluST). Der Verein organisiert seit vielen Jahren hauptverantwortlich die Christopher-Street-Parade, die auch am 3. Juli 2011 mit viel Trubel, Kostümen und Zuschauerpräsenz durch die Kölner Innenstadt rollt und marschiert. „Als Lesbe, Schwuler, Bisexueller und Transgender lässt es sich in Köln relativ gut leben“, weiß Arnolds aus eigener Erfahrung. Dennoch gibt sie zu bedenken: „Allerdings sollten wir dabei nie vergessen, dass es leider auch in Köln immer wieder zu Übergriffen kommt.“
Bürgermeisterin Scho-Antwerpes: Ansporn für mehr Bewusstseinsarbeit
Dem stimmt die Kölner Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes von der SPD voll und ganz zu. Für die homofreundliche Politikerin sind die Umfrageergebnisse ein erneuter Ansporn, noch mehr Bewusstseinsarbeit zu leisten. Es lässt Scho-Antwerpes nicht unberührt, dass immerhin ein Anteil von 12 Prozent der Bürgerinnen Kölns nichts Gutes darin sehen möchten, dass Lesben und Schwule mit ihnen zusammen in der Rheinstadt leben. „Noch immer gibt es Vorurteile und Diskriminierung“, beklagt die erste Vertreterin des Oberbürgermeisters Jürgen Roters und glaubt: „Großereignisse wie der Christopher Street Day sind eine wichtige Hilfe, die Akzeptanz zu erhöhen.“
Null Toleranz gegenüber Homophobie
Darüber hinaus sieht die engagierte und bekennend heterosexuelle Kölnerin vor allem die Kommunalpolitik und Stadtverwaltung in der Verantwortung: „Ein wichtiges Instrument zur Förderung der gesellschaftlichen Integration ist die 2006 vom Kölner Rat begründete Arbeitsgemeinschaft Lesben, Schwule und Transgender“, sagt Scho-Antwerpes und ergänzt: „Hier können sich schwul-lesbische Initiativen mit der Politik vernetzen und gemeinsam Lösungsvorschläge erarbeiten.“ Keine Toleranz gegenüber jeglicher Form von Homophobie können die Politikerin Scho-Antwerpes und die Aktivistin Arnolds aufbringen. Beide hoffen, dass in Zukunft noch weniger Bürger Kölns das lesbisch-schwule Stadtleben als etwas Negatives wahrnehmen. Sabine Arnolds vom KluST betont: „Aus unserer Sicht sollten es null statt 12 Prozent sein.“
