
- Sci-Fi-Filme - Fremde Welten - neue Technologien - Gerd Altmann
Schon seit jeher üben Science-Fiction-Filme eine gewisse Anziehung auf den Menschen aus. Wer will denn nicht wissen, wie die Zukunft mal aussehen wird? Und dieses Filmgenre ermöglicht einem, einen Blick in eine künftige ferne Zeit zu erhaschen. Wie wird unsere Welt in Hunderten oder gar in Tausenden von Jahren aussehen? Wie wird sich das Leben und die Technik entwickelt haben? Oftmals stellt man sich die Frage, ob man das ein oder andere noch erleben wird. Das Meiste vermutlich nicht. Doch einige technische Errungenschaften unserer Zivilisation, die in einem Science-Fiction-Film erstmals gezeigt wurden und zunächst als visionär und als Zukunftsmusik galten, haben heute schon Einzug in den Alltag gefunden.
Das Handy – Raumschiff Enterprise stand Pate
Als 1966 Raumschiff Enterprise erstmals in den USA ausgestrahlt wurde, wimmelte die Serie nur von solch Fantastereien und technischen Gimmicks, die nur als Spielerei und Spinnerei abgetan wurden. Wer erinnert sich nicht, wenn Captain Kirk nach einer Mission auf einem fremden Planeten aus seinem Gürtel einen kleines, flaches Ding hervorzog, es elegant aufklappte und der Besatzung auf der Enterprise befahl: "Enterprise, drei Mann hochbeamen!" Heute kennt schon fast jedes Kind dieses Gerät, in das Captain James T. Kirk sprach. Wen wundert's, wenn der Youngster, der gerade eine der Widerholungen der Raumschiff Enterprise-Folgen mit dem Papa anschaut, plötzlich ruft: „Papa schau mal, ein Handy."
Damals rief die Serie viele Visionäre und Technikfreaks auf den Plan. Enterprise war eine Quelle von Ideen und für viele Technikpioniere der Antrieb für derartige Entwicklungen wie den Kommunikator, dem heutigen Mobiltelefon, umgangssprachlich Handy genannt.
iPad und iPhone – Technologie aus "Star Trek“?
Doch dem Raumschiff Enterprise ist vermutlich nicht nur diese Erfindung zu verdanken. Auch sprechende Computer waren auf dem Schiff Gang und Gebe. Man stellte dem Schiffscomputer eine Frage und prompt kam die Antwort und zwar in Form einer Frauenstimme. Und die war nicht blechern, sondern angenehm und doch bestimmt. Diese Technik wurde nun im iPhone4 S Wirklichkeit. Der Benutzer gibt dem Smartphone, das eigentlich auch nichts anderes ist als ein kleiner Computer mit Telefonfunktion, einen Befehl und das Gerät führt ihn aus.
Eine andere Innovation ist auch der Tablet-PC. Bereits diverse Science-Fiction-Filme nahmen die Entwicklung voraus. In Stanley Kubrick`s "2001: Odyssee im Weltraum" benutzt die Weltraumbesatzung des Raumschiffs Tablet-PC's. Bei den gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen Apple und Samsung wegen des Designs – Apple versucht vehement den Vertrieb des Samsung Tablet zu verbieten – führte Samsung sogar eine Filmszene aus "2001: Odyssee im Weltraum" als Beweis an. Dort sei bereits ein Tablet-PC zu sehen, das dem iPad sehr ähnelt. Demnach hätte, wenn man von Ideenklau spreche, schon Apple das Design des iPads bei Stanley Kubricks Meisterwerk geklaut, so begründeten es die Rechtsanwälte von Samsung vor Gericht.
Doch Stanley Kubrick war nicht der Einzige, der an die Realisierung von Tablet-PC`s in der Zukunft glaubte. Mit diesen Tablets laufen die Besatzungsmitglieder auf dem neuen Raumschiff Enterprise aus „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“ ständig hin und her und versuchen irgendwelche Analysen durchzuführen. Und siehe da: Der Tablet-PC ist heute schon Realität und nicht erst in der fernen Zukunft des 24. Jahrhunderts, in der die Serie spielt. Geht man jedoch nach Stanley Kubrick, kommt das Technik-Pad sogar mit Verspätung. In "2001: Odyssee im Weltraum" hatte die Besatzung dieses besagte Gerät bereits schon im Jahr 2001 in Benutzung.
Kinect der X-Box von Microsoft – „Minority Report“ machte es vor
In "Minority Report", dem Zukunftskrimi mit Tom Cruise als Cop, der selbst zum Gejagten wird, gibt es diverse Szenen, in denen Cruise und seine Polizeikollegen mit Gesten und Handbewegungen in der Luft, Bilder und Informationen herholen und durch Wegschieben wieder verschwinden lassen. Das soll eine Technologie aus dem Jahr 2054, in dem der Film spielt, sein? Wem dies heute bereits bekannt vorkommt, der täuscht sich nicht. Microsoft hat diese Technik bereits in die Kinderzimmer gebracht. Kinect heißt das Zauberwort und ist Microsofts Antwort auf Nintendos Wii. Der X-Box-Gamer hangelt sich Dank der Gestensteuerung von Kinect durch die eigens dafür kreierten Spiele. Das System ist sogar in der Lage auch einzelne Fingerbewegungen zu erkennen. Wenn man so will, hat die Gegenwart in diesem Fall die Zukunft bereits eingeholt. Es bleibt abzuwarten, was Microsoft daraus noch macht. Wird die Gestensteuerung noch weiter im täglichen Umgang mit dem PC Einzug halten, so wie im Film? Serien wie Navy CIS machen es bereits vor.
Vision aus „Avatar“ und „Alien“ – Roboter-Prothese für Behinderte
Die letzte Erfindung, die durch die Weltpresse geisterte und in Sci-Fi-Filmen bereits ihr Debüt hatte, ist ein Exoskelett. Dabei handelt es sich nicht um das Skelett vom Terminator aus dem gleichnamigen Film. Das Exoskelett, auch genannt eLEGS, ist eine Roboter-Prothese, die Rollstuhlfahrern wieder das Gehen ermöglichen soll. Die Ganzkörperprothese hat ein Akku auf dem Rücken geschnallt und wirkt schwerfällig. Doch bereits eine kleine Gewichtsverlagerung reicht aus und die Sensoren registrieren die beabsichtigte Bewegung. Sie geben die Information an den eingebauten Computer weiter. Der wiederum veranlasst, dass die entsprechenden Motoren im betreffenden Bein des Exoskeletts anzuspringen und dem Benutzer einen Schritt nach vorne machen zu lassen.
Ursprünglich wurde die Roboter-Prothese aus Titan von der kalifornischen Firma Berkeley Bionics für das Militär entwickelt. Und hier entstehen Parallelen zu dem Film-Universum. In "Allein 4 - Die Widergeburt" gelingt es Ripley mit Hilfe eines Arbeitsroboters, mit dem schwere Lasten bewegt werden können, ein Alien aus dem Raumschiff ins All zu befördern. Auch in „Avatar“ kommen vergleichbare Roboter vor, in denen Menschen stecken und diese bedienen. Derzeit wird das eLEGS noch in der Praxis getestet. 2013 soll es dann endgültig auf dem Markt kommen. Der Preis wird bei circa 100.000 Euro liegen.
Das sind nur ein paar visionäre Entwicklungen, die ihren Ursprung in Filmen hatten und Einzug in das heutige Leben gefunden haben oder kurz davor stehen. Was kommt als Nächstes? Wie wäre es mit dem Beamen? Oder vielleicht ein Flug mit Warp-Geschwindigkeit? Wer weiß? Aber eines ist gewiss: Die nächste Zukunft bleibt auf jeden Fall spannend.
Quellen:
- Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“
- Film „2001: Odyssee im Weltraum“
- Film „Alien 4 – Die Wiedergeburt“
- Film „Avatar“
- National Geographic, deutsche Ausgabe Oktober 2011
