Comic von Scott Adams – Dilbert

Eine satirische Comic-Figur, die den harten Büroalltag meistern muss

Adams: Dilbert - Andrews & Mcmeel Verlag
Adams: Dilbert - Andrews & Mcmeel Verlag
Dilbert arbeitet bei einer mittelgroßen Firma in den USA. Inkompetente Manager, nervige Arbeitskollegen und unmögliche Aufträge sind dabei nur ein paar seiner Probleme.

Angefangen hat alles 1989. Damals erschien Dilbert erstmals in einer US-amerikanischen Lokalzeitung. Seitdem sind die Comics essentieller Bestandteil von vielen Tageszeitungen in den Staaten. Meist erscheinen sie in Form kleiner Comic-Strips. Mittlerweile gibt es viele Bücher, in denen Scott Adams seinen Protagonisten durch seinen verrückten Alltag scheucht. Meistens erzählen auch die Bücher keine zusammenhängende Geschichte, sondern sind in kleinere Strips aufgeteilt. Doch die haben es in sich. Scott Adams' Dilbert ist keineswegs nur ein Comic, der Kinder und Jugendliche zum Lachen bringen soll. Die Geschichten sind gesellschaftskritisch, wobei sie politische, soziale sowie wirtschaftliche Themen mit teilweise schamloser Übertreibung anschneiden.

Dilbert – Ein unglücklicher (Comic-)Held

Eigentlich mag Dilbert seine Arbeit. Er ist Ingenieur und hat ein sehr ausgeprägtes Faible für alle technischen Dinge. Auch in seiner Freizeit entwickelt er obskure Geräte, meistens mit der Intention, damit die Welt zu verbessern. Häufig tritt dabei jedoch ein gegenteiliger Effekt auf, wenn zum Beispiel ein von ihm gebauter Laser ein Flugzeug zum Absturz bringt, oder die reparierte Mikrowelle ihren nächsten Benutzer grillt. Dabei ist Dilbert von Grund auf ein guter Mensch. Oft philosophiert er in den Comics über den Sinn des Lebens, fordert mehr Solidarität der Menschen untereinander und hat ein ausgeprägtes ethisches Verständnis. Doch leider ist all dies nicht mit den Werten, die an seinem Arbeitsplatz gefordert werden, vereinbar. Dilbert arbeitet in einem Großraumbüro, sein sehnlichster Wunsch ist ein eigener, abgetrennter Arbeitsraum. Sein direkter Vorgesetzter ist ein ignoranter, inkompetenter und feister Mensch. Er verlangt von seinen Angestellten stets unethisches Handeln, Verletzung der herrschenden Gesetze und lässt sie unter katastrophalen Bedingungen arbeiten, um dabei größtmöglichen Profit zu erzielen. Allerdings ist dieser Chef nur im mittleren Management positioniert, und seine Naivität und Dummheit, die Adams zu jeder Zeit illustriert, zeigen, dass auch er nur eine Marionette ist und die wahren Strippenzieher im Hintergrund bleiben.

Dilbert ist ein Opfer der profitorientierten Manager

Auch Dilberts Mitarbeiter sind alles andere als perfekt. Die meisten scheren sich wenig um das profitorientierte, völlig unethische Handeln von Seiten ihrer Firma, das sie indirekt unterstützen. Dabei ist Dilbert ein tragischer Held. Immer versucht er gegen die Sinnlosigkeit seiner Aufträge und das unverantwortliche Wirtschaften seiner Vorgesetzten anzukämpfen. Oft steht er kurz vor dem Ziel, die Welt ein klein wenig zu verbessern – und bekommt dann von Scott Adams die volle Breitseite. Dabei benutzt dieser sehr viel scharfzüngige Kritik und unverschämte Übertreibung. Doch stets ist mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit in den Geschichten um Dilbert. Ständige Motive sind zum Beispiel Umweltverschmutzung, Ausbeutung von Drittweltländern und den eigenen Mitarbeitern, Korruption, Lobbyismus, reine Profitmaschinerie und noch vieles mehr. Dabei zeigt Adams diese Missstände mit einer fast schon unverschämten Dreistigkeit auf, die aber zugleich auch den besonderen Charme seiner Comics ausmacht.

Dilbert verzweifelt an der menschlichen Dummheit – und ist doch ein Teil von ihr

Die Charaktere in Dilberts Welt übertreffen sich gegenseitig an Skurrilität. Dilbert lebt zusammen mit einem kleinen sprechenden, hochintelligenten Hund mit dem Namen Dogbert, der die Menschen und ihre offensichtliche Dummheit gnadenlos ausnutzt. In einer Folge verbreitet er eine Massenpanik, indem er falsche Informationen über eine neuartige, nichtexistierende Krankheit ins Internet stellt. Dilberts Boss springt sofort darauf an, und von da an ist Dilbert gezwungen, wider besseres Wissen ein Heilmittel für eine Krankheit zu entwickeln, die nur in den Köpfen der Menschen existiert. Das Ganze mündet darin, dass seine Firma Elektroschock-Hosen vermarktet, die die Gesundheit der Menschen dann tatsächlich ernsthaft schädigt. Natürlich wird er dafür zur Rechenschaft gezogen, obwohl die Marketingabteilung seiner Firma entgegen seiner verzweifelten Versuche den großflächigen Verkauf der absurden Erfindung forcierte. Ein weiterer Charakter ist der Leiter der Personalabteilung, genannt Catbert, der bezeichnenderweise als kleine Katze auftritt, die durch optische Verwandschaft zum Teufel auffällt und sich einen Spaß daraus macht, unsinnige Arbeitsvorschriften zu entwerfen, deren einziger Sinn und Zweck es ist, die Mitarbeiter zu quälen.

Das Dilbert-Prinzip

Dieses Prinzip besagt, dass die inkompetentesten Angestellten in einem Betrieb sofort ins Management versetzt werden, wo sie am wenigsten Schaden anrichten können. Dies erklärt auch die Tatsache, dass es sämtlichen Vorgesetzten von Dilbert an jeglichem Verständnis für ihre eigentlichen Aufgaben mangelt. Dass dabei dennoch enormer Schaden angerichtet werden kann, wird in beinahe jeder Dilbert Episode gezeigt.

Scott Adams zeigt sich gnadenlos (humorvoll) in seiner Kritik

So mag man zumindest glauben, wenn man seine Comics liest. Adams war selbst lange Zeit in einem Großraumbüro beschäftigt, gewissermaßen rechnet er in Dilbert mit diesem Prinzip ab. Dabei leidet man nahezu mit dem Protagonisten mit, der eigentlich stets etwas Gutes bewirken will. Da er durch das Management jedoch stets so gelenkt wird, dass sein Handeln zumindest indirekt negative Auswirkungen hat, ist sein Schicksal ein tragisches. Glücklicherweise weiß Scott Adams seine Geschichten mit scharfsinnigem Humor einzukleiden, den man allerdings mögen muss, um über seine Comics wirklich zu lachen. Mittlerweile gibt es auch ein paar Folgen einer animierten Fernsehserie, die jeweils längere Geschichten erzählen als die Comic-Strips. Einige Bücher wurden ins Deutsche übersetzt, jedoch lässt sich der feine Humor besser in den englischen Originalausgaben erfassen, da Adams einige rhetorische Stilmittel benutzt, die nicht ins Deutsche übersetzt werden können, ohne dabei etwas von ihrer Originalität einzubüßen.

Wer eine Kostprobe möchte, kann der Homepage der Comic-Figur einen Besuch abstatten.

Simon Strauch, Simon Strauch

Simon Strauch - Geboren und aufgewachsen in Wuppertal. Interesse an fremden Kulturen durch ausgedehnte Reisen nach der Schulzeit geweckt. Mittlerweile ...

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