Scott Lynch - Die Lügen des Locke Lamora (Rezension)

Scott Lynch - The Lies of Locke Lamora - Gollancz
Scott Lynch - The Lies of Locke Lamora - Gollancz
In der venezianisch anmutenden Stadt Camorr herrschen Diebesbanden und Betrüger. Doch das zarte Gleichgewicht gerät in Gefahr als der Graue König auftaucht.

In Camorr gelten zweierlei Gesetze. Die offiziellen Gesetze des Dukes, die das tägliche Leben der aufrichtigen Bürger regeln und die Gesetze der Unterwelt, beherrscht vom Capa Barsavi. Diese Unterwelt, voller Diebesbanden, Trickbetrüger, Alchemisten und anderen Gestalten der Nacht, ist es, in die uns Scott Lynch entführt.

Locke Lamora - außergewöhnlich diebisch

Dass der Protagonist Locke schon im zartesten Kindesalter ein beängstigendes Talent fürs Stehlen und Tricksen besitzt, wird schnell klar. Sympathisch ist dieser seltsame Junge, den nichts mehr erfreut, als Intrigen zu spinnen und Menschen zu bestehlen, am Anfang nicht gerade. Er wächst zusammen mit einer Horde anderer Waisen in Shade's Hill unter den Fittichen des Thiefmakers auf, der ihn alles lehrt, was ein anständiger Dieb wissen muss. Lockes Lektionen werden ihm jedoch bald langweilig und er erfindet selbst neue Wege, Leuten ihr Geld aus den Taschen zu ziehen.

Die Gentlemen Bastards

Als es selbst dem Thiefmaker zu bunt wird, gibt er Locke weiter an jemanden, der die höhere Kunst des Diebstahls beherrscht - und so wird Locke Lamora zu einem Gentleman Bastard und fügt sich in die Gesellschaft der Diebesbanden, die unter den Gesetzen von Capa Barsavi steht. Es gibt Regeln, an die Locke sich halten muss, was ihm ganz und gar nicht gefällt, aber er lernt auch seine neuen Mit-Diebe kennen, die sich im Laufe der Jahre zu seinen besten Freunden und seiner Familie entwickeln.

Dass Locke und seine Bande den Mund mit ihrem letzten Coup vielleicht etwas zu voll genommen haben, merken sie spätestens beim Auftreten des Grauen Königs. Als dieser sich in Lockes Pläne einmischt und die Gentlemen Bastards in der Falle sitzen, braucht es Lockes gesamte Diebeskunst um am Leben zu bleiben...

Eine neue Ära der Fantasy-Literatur

Scott Lynch hat es geschafft, sich mit "Locke Lamora" in die Liga der neuen Fantasy-Autorin zu schwingen, die dem Genre nach langem Tolkien-Hype und Elfenlastigkeit endlich ein neues Gesicht verleihen. Mit Patrick Rothfuss, Joe Abercrombie, George R.R. Martin und Robin Hobb erlebt das Genre einen neuen Aufschwung. Gezeichnet von wenigen, subtilen Fantasy-Elementen und realistischen Intrigen sowie psychologisch exzellent dargestellten Charakteren, bietet "Die Lügen des Locke Lamora" den Lesern ein wahres Feuerwerk von spritzigen Dialogen, fluchenden, teils obszönen Gesrpächen, brutalen Kampfszenen und grausamen Racheakten. Der fleißige Fantasy-Leser (oder auch Leserin) kann sich kaum sattlesen.

Für alle, die das Scott Lynch-Fieber bereits gepackt hat, liegt der zweite Band "Red Seas under Red Skies" bereit. Band drei der geplanten Reihe "The Republic of Thieves" soll dieses Jahr erscheinen.

Weitere Infos, einen online-Roman sowie Karten zum Buch und weitere Goodies findet man auf Scott Lynchs Homepage. Für alle ganz neugierigen und besorgten Fans, ist der Blog (treffenderweise des Autors interessant, auf dem er unter anderem auch über seinen Kampf gegen die Depression schreibt.

Fans dürfen hoffen, dass dieser neue Stern am Fantasy-Himmel noch weiterhin strahlt und die Abenteuer von Locke und Jean und Tabetha noch lange nicht zu Ende sind.

Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora. Heyne 2007. Taschenbuch, 848 Seiten. Euro 14,00

Scott Lynch: The Lies of Locke Lamora. Gollancz, 2007. Paperback, 544 Seiten. Euro 9,99

Nadine Gemeinböck, Nadine Gemeinböck

Nadine Gemeinböck - Nadine Gemeinböck begann ihre Karriere im zarten Alter von 3 Jahren, mit dem sie das Lesen und Schreiben erlernte. Von dahin war es ...

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