
- Scot Lynch: Sturm über roten Wassern - Heyne
Im zweiten Band der Gentleman-Ganoven-Reihe von Scott Lynch planen Locke Lamora und Jean Tannen einen großen Coup, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Doch die beiden Meisterdiebe werden in der Ausführung ihres Plans behindert – und finden sich plötzlich als Piraten auf dem Messing-Meer wieder, im „Sturm über roten Wassern“.
Scott Lynch lässt in „Sturm über roten Wassern“ Diebe auf Piraten treffen
Die Gentleman-Ganoven Locke Lamora und Jean Tannen haben sich ein neues Opfer gesucht. Sie wollen Requin, den obersten Verbrecher Tal Verras um sein Vermögen erleichtern, der vom Sündenturm aus das Glücksspiel in der Stadt kontrolliert. Bevor die beiden Diebe ihren Plan umsetzen können, werden sie jedoch vor Stragos, den Archonten der Stadt, gezehrt. Der Militärdiktator hat ihre Tarnung durchschaut und will Locke und Jean für seine Fehde mit den Priori, den Kaufleuten der Stadt einsetzen. Und das ist noch nicht alles: Locke und Jean droht noch von anderer Seite Gefahr. Die Soldmagier haben nicht vergessen, was die Diebe einem der ihren angetan haben.
„Sturm über roten Wassern“ ist ein als Fantasy-Buch getarntes Heist-Movie
Scott Lynch (geboren 1978) setzt wie bereits in „Die Lügen des Locke Lamora“ auf die Elemente eines Heist-Movies: Betrügereien, komplizierte Pläne, Verrat und Action. Die Intrigen in Tal Verrar zwischen den reichen Kaufleuten und dem Archonten sowie dem Herren des Sündenturms hätten allein bereits für ein Fantasy-Buch ausgereicht. Lynch fügt jedoch die Piratengeschichte ein. Diese erlaubt es ihm auf der einen Seite, einige Kampfszenen einzuflechten und den Mythos der freien Piratengemeinschaft neu zu beleben. Auf der anderen Seite überdeckt Lynch mit ihr nur notdürftig, dass der große Coup und das Mordkomplott gegen Locke und Jean längst nicht so komplex und verwirrend sind, wie es Lynch seine Leser glauben machen möchte. Auch vergibt er die Chance, das Leben in der Stadt Tal Verrar so lebendig zu beschreiben, wie es in Band 1 mit Camorr der Fall ist.
Bei allen dramaturgischen Schwächen bleibt „Sturm über roten Wassern“ (Red Seas Under Red Skies) jedoch eine spannende, actionlastige Geschichte. Für Zartbesaitete ist das Fantasy-Buch allerdings nicht geschrieben. Ähnlich wie Joe Abercrombie und Richard Morgan mag Scott Lynch es auch gerne derb – Schimpfwörter, die mit Körperflüssigkeiten und –öffnungen zu tun haben, gebraucht er gern, wenn auch nicht so häufig wie die genannten britischen Autorenkollegen. Lynch beherrscht eben nicht nur das Breitschwert, sondern ist auch mit dem Florett nicht zu unterschätzen. Diese Mischung ist es, die Lynch zu einem der herausragenden neuen Autoren der vergangenen Jahre macht.
Scott Lynch schreibt am nächsten Fantasy-Buch über die Gentleman-Ganoven
Die Reihe um die Gentleman-Ganoven geht noch weiter – allerdings nicht so bald, wie es sich Lynch-Fans wünschen. Der Autor, der wie Patrick Rothfuss in Wisconsin lebt, hat zwar die schlimmste Welle seiner Depression überstanden, doch ist er mit seinem Manuskript weit hinter dem Zeitplan zurück. Sein Verlag rechnet nicht vor November 2011 mit einer Veröffentlichung. Die deutsche Übersetzung mit dem Titel „Die Republik der Diebe“ würde demnach nicht vor 2012 in den Handel kommen. Insgesamt soll die Fantasy-Reihe einmal sieben Bände umfassen.
Scott Lynch: Sturm über roten Wassern. Heyne 2008. Broschiertes Taschenbuch, 944 Seiten. Euro 16 (Österreich 16,50).
