Beim ersten Hinhören erinnert der Sound von Seasick Steve, zumindest bei manchen seiner Songs, stark an den bartgefilterten, texanischen Blues-Rock von ZZ Top. Auch in Alter und Aussehen würde der Mann gut zu dem Trio aus Houston passen. Und doch hat er eine ganz andere Geschichte hinter sich und es kannte ihn noch kaum einer, als die Rauschebärte längst die Hallen rund um die Welt füllten.
Der Bluesmusiker Steve Wold alias Seasick Steve im Profil
Die Rede ist von Steve Wold, besser bekannt als Seasick Steve, einem neuen Star der Blues-Szene, der aber mit seiner fetzigen Musik auch außerhalb des inneren Zirkels der Blues-Freaks gut ankommt und auch schon im Deutschen Fernsehen zu sehen war. Seasick Steve wurde, wann genau weiß er angeblich selbst nicht so recht, irgendwann in den 1940er Jahren in Oakland/Kalifornien geboren und zwar nicht in den besten Verhältnissen. Sein Vater war ein Boogie-Woogie-Pianist und durch ihn kam er bereits sehr früh mit Musik in Berührung. Steves Eltern trennte sich als er vier war und bereits in frühester Jugend, so etwa mit acht Jahren, begann er, Gitarre zu spielen, weil die Klaviertasten für seine kleinen Finger noch zu groß waren, riss mit vierzehn von zuhause aus und schlug sich als Hobo durchs Leben, wovon in seinen Songs auch heute noch viel die Rede ist.
Bereits in seiner Zeit als Hobo trat Seasick Steve immer wieder auch im Umfeld bekannter Bluesmusiker auf und arbeitet als Tontechniker. Diese Erfahrungen wurden zu einer beruflichen Grundlage, mit der Steve seinen Lebensunterhalt verdienen konnte. Trotzdem blieb er unstet und wechselte öfter seinen Wohnsitz, was aber in den USA eigentlich nichts Ungewöhnliches ist.
In den 90er Jahren lebte und arbeitete Steve in Seattle als Studiomusiker, half dabei als Produzent auch Newcomern aus der Punk- und Indie-Szene ins Geschäft. Nach einem Herzinfarkt, den er vor einigen Jahren hatte, ließ er sich in Norwegen, der Heimat seiner Frau nieder. Aus dieser Zeit stammt auch sein allererstes Album, dass er 2004 zusammen mit der schwedischen Begleitband Level Devil aufnahm. 2006 folgte das erste Solo-Album.
Seasick Steve live
Daneben tritt Seasick Steve auch sehr viel auf, nicht nur auf Festivals, sondern auch immer wieder im Fernsehen. In Deutschland war er beispielsweise bei 3nach9 von Radio Bremen zu sehen, spielte auf dem Reeperbahn Festival in Hamburg und in England wurde er durch einen Auftritt bei der Silvestershow von Jools Holland besonders bekannt, was ihm eine Menge Auftritte bei Festivals im Jahre 2007 und schließlich neben Alben in den Top Ten auch den britischen MOJO Award als Breakthrough Act einbrachte.
Die selbstgebauten Gitarren sind sein Markenzeichen
Typisch für Seasick Steve sind seine selbstgebauten Gitarren, mit sechs oder weniger Saiten. Man sieht ihn mit einer herkömmlichen, aber auf drei Saiten reduzierten Elektrogitarre und Bottleneck am Finger genauso, wie mit der auf den Knien gespielten Slide Guitar, manchmal aber auch mit einer Klampfe, die verdächtig nach einer Wandergitarre aussieht, bei der jemand einen Tonabnehmer ins Schallloch gepfriemelt hat. Auf seinen Alben singt er nicht nur, sondern erzählt augenzwinkernd auch Dinge aus seinem Leben, das, gelinde gesagt, nicht immer glatt verlief.
Die Musik von Seasick Steve
Wie bereits erwähnt, klingt er oft ähnlich wie ZZ Top, erinnert zuweilen ein kleines Bisschen an den Blues-Rock von Canned Heat, hat aber seine ganz eigene Qualität. Manchmal sind beim Fingerpicking deutliche Anklänge an den Delta Blues zu hören, stellenweise auch an Country und an Folk, den einen oder anderen mag er zuweilen vielleicht auch ein wenig an David Allan Coe erinnern.
Der Mann mit den Lachfalten und dem verschmitzten Schmunzeln tritt oft allein mit seiner Gitarre auf. Für den Rhythmus sorgt dann die „Mississippi Drum Machine“, eine kleine Kiste, auf der er mit dem linken Fuß den Takt schlägt. Oft spielt er aber auch mit einem Drummer zusammen. Ob als One Man Show oder als Frontman einer Combo mit Schlagzeug und gezupftem Kontrabass, es ist immer ein Erlebnis Seasick Steve zu hören: Ein Stück echte Musik, die immer voller Leben steckt, handgemacht und authentisch klingt. Auf der Homepage von Seasick Steve kann man übrigens einige seiner Lieder anhören, die es dort als Audio- und Video-Files zum Herunterladen gibt.
