Sechste Europameisterschaft im Speedgrillen am 20. August 2011

Beim Speedgrillen gehts um die Wurst - © Niggl Niggl / aboutpixel.de
Beim Speedgrillen gehts um die Wurst - © Niggl Niggl / aboutpixel.de
Speedgrillen ist nichts für lahme Sonntagshelden. Am Wochenende wird im Hochsauerlandkreis der Europameister im sehr fixen Würstchenzubereiten gekürt.

Gemütlich im Garten sitzen, Bier trinken und ab und an was auf den Grill werfen - für viele der perfekte laue Sommerabend. Besonders Männer, die sonst eher nicht so viel mit der Essenszubereitung zu tun haben, laufen hier oft zu großer Form auf. Das archaische Ritual weckt offenbar in ihnen die Rolle des Ernährers, sie bewaffnen sich mit Zange und Schürze und kredenzen allerlei Leckereien für die Familie. So oder so ähnlich kennen viele eine Essenszubereitung, die Spaß macht und für langes und geselliges Beisammensein sorgt.

Speedgrillen ist letztlich nicht anders, nur zeitlich etwas gerafft. Am 20. August 2011 gilt es bei der sechsten EM im Speedgrillen in Bigge-Olsberg den alten Europarekord aus dem Jahre 2010 zu knacken, die "Granaten" aus dem Münsterland gaben letztes Jahr ihr schnelles Würstchen nach 8:27 Minuten ab.

Speedgrillen, keine Chance für Slowfood

Wie es sich für einen richtigen Wettkampf gehört, muss man hier, neben ein bisschen Glück, eine gute Portion Sportlichkeit mitbringen. Im Prinzip läuft hier alles so ab wie zu Hause beim Grillnachmittag auch, nur eben etwas schneller. Und nach Regeln, die vielleicht nicht jedermanns Geschmack sind, den Unterhaltungswert aber eindeutig erhöhen und dafür sorgen, dass alles gerecht abläuft.

Gestartet wird in Teams von jeweils zwei erwachsenen Personen, alle Teams starten gleichzeitig an der Startlinie und absolvieren einen Sprint von circa 150 Metern zur Grillarena. Auf dem Weg dahin müssen sie die Grill-Start-Utensilien in ihren Besitz bringen: einen noch verpackten Dreibeingrill aus dem Baumarkt, ebenfalls abgepackte Grillkohle, Grillanzünder aus Zellulose, eine Holzzange und - ganz wichtig, vier Flaschen Bier. Darüber hinaus sind keine Gegenstände oder Hilfsmittel erlaubt.

In der Grillarena angekommen, wird vom Team sowohl der Grill aufgebaut, als auch Flasche eins und zwei geleert. Die Regeln besagen, dass jedes Teammitglied die gleiche Menge Bier trinken muss. Es nützt also nichts, einen sportlichen Handwerker und einen ausgebufften Trinker an den Start gehen zu lassen. Die Bierflaschen sind kein Spaß, sondern harte Währung. Gegen die ersten beiden Leerexemplare kann man nämlich eine Schachtel Streichhölzer eintauschen. Bei Flasche drei und vier wird nun die Kohle angezündet und der Grill betriebsbereit gemacht, die leeren Flaschen können gegen zwei weitere Bier eingetauscht werden und gegen den Hauptakteur - die Wettkampfwurst. Jedes Team erhält eine normierte Wurst, die ab dem Zeitpunkt des Auflegens auf den Grill diesen nicht mehr verlassen darf, bis zur Präsentation. Während des Grillens werden Bier fünf und sechs getrunken, die leeren Flaschen bringen diesmal zwei Präsentationsschalen ein, auf die jeweils eine Wursthälfte getan wird. Das Team muss einen mutigen Zuschauer finden, der willens ist, die halbe Wurst zu essen. Erst danach darf die andere Hälfte der Jury vorgestellt werden, bei Ankunft dort wird die Stoppuhr angehalten.

Die Jury hat im Vorfeld Normwürstchen gegrillt und für alle sichtbar auf ein Brettchen genagelt, daran werden die Wettkampfwürste nun gemessen, es gibt Strafminuten für zu wenig und zu viel Gegrilltes. Zudem wird der ordnungsgemäße Aufbau des Grills kontrolliert, bei Fehlern gibt es auch hier Strafminuten. Die Wurst mit der geringsten Zeit gewinnt.

Speedgrillen ist ein Sport für echte Gentleman

Auch wenn die Teilnehmer dem Glutrausch verfallen, ist es unbedingt erforderlich, neben dem ausgeklügelten Regelwerk noch weitere Benimmregeln einzuhalten. So verpflichten sich die Freunde des schnellen Grillens, nur die zur Verfügung gestellten Grill-Utensilien zu verwenden und das Bier weder zu verschütten noch auszuspucken. Auch im Gegnerkontakt bleibt man absolut fair - es wird nicht mit Sand geschmissen, auch nicht mit Bier überschüttet, nicht gespuckt, behindert, verprügelt und getötet.

Wer hier die Grillzange kreuzt, tut das für Ruhm und Ehre und den Speedgrill-Wanderpokal. Hat man sich diesen ergrillt, ist die Titelverteidigung im nächsten Jahr verpflichtend, kann man ihn ein weiteres Mal erringen, wird er sogar auf Lebenszeit verliehen. Nach Ableben beider Teammitglieder geht der Pokal ans Speedgrill-Museum, um dort von ruhmreichen Taten zu zeugen und den schnellen Sport zu würdigen. Einen materiellen Vorteil haben die Teams aber doch, der Grill darf nämlich nach dem Wettkampf behalten werden, jeder Teilnehmer erhält zudem ein 5-Liter-Partyfass der Warsteiner Brauerei.

Das Rahmenprogramm der Europameisterschaft im Speedgrillen

Im Hochsauerland findet vom 19. bis 21. August 2011 das 5. Olsberger Motorrad- und Openair-Festival statt. Im Rahmen dessen veranstaltet bigge-online.de als offiziell anerkannter Ausrichter die Europameisterschaften im Speedgrillen. Je nach Gewichtung der Freizeitinteressen kann man sich an diesem Wochenende also dem Wurstwettkampf hingeben oder aber alles zum Thema Motorrad erfahren. Es werden weit mehr als 25.000 Motorradfahrer erwartet, die auf 15.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche mit Herstellern und Zulieferern der geliebten Maschinen in Kontakt kommen können. Anfassen und Testen sind hierbei erlaubt und erwünscht.

Motorradfans haben also viel Zeit für ihre Passion, den Freunden des Speedgrillens sei aber Pünktlichkeit ans Herz gelegt, der Wettkampf startet gegen 16 Uhr und ist nur von kurzer Dauer. Wer ohne viel Firlefanz den Grill bedient, ist eben schon in weniger als einer Viertelstunde fertig.

Verrückte Meisterschaften gibt es in ganz Europa

Speedgrillen ist nur eine der zahlreichen unterhaltsamen Beschäftigungen, denen Menschen in Meisterschaften nachgehen. Wer Lust auf andere skurrile Veranstaltungen hat, bei denen mit viel Disziplin um die Ehre gekämpft wird und die mitunter auch deutlichen längeren Zuschauerspaß versprechen, der schaut mal unter den verrücktesten Weltmeisterschaften 2011 nach. Einige Wettkämpfe fanden schon statt, andere folgen noch. Warum nicht mal ein Wochenende in der Mannschaft oder allein murmeln, Regenwürmer betören, zehenhakeln, hässlichtanzen oder moorschnorcheln?

Wer allerdings nicht so weit fahren will, findet Anfang September im Sauerland schon das nächste Highlight, vom 2. bis 10. September 2011 findet die 21. Warsteiner Internationale Montgolfiade statt, ein internationales Treffen der Heißluftballonfahrer.

Quellen und weitere Informationen: bigge-online.de, motorradmesse-olsberg.de

Bildnachweis: © Niggl Niggl / aboutpixel.de

Manuela Käselau, www.valeriewagner.de

Manuela Käselau - Schreiben zu können fand ich gleich nach dem Erlernen desselben eine prima Sache. Und mit der Anwendung hat es dann auch gleich recht ...

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