Seekühe - vom Aussterben bedrohte Überlebenskünstler

Bedrohte Art: Seekuh - Marion /pixelio.de
Bedrohte Art: Seekuh - Marion /pixelio.de
Die Seekuh hat sich im Laufe der Evolution seit Millionen von Jahren ihrer Umgebung angepasst. Gegen die heutigen Umweltbedingungen ist sie aber machtlos.

Die ältesten Seekuh-Fossilien, die bisher gefunden worden sind, haben ein Alter von geschätzten 50 Millionen Jahren. Im Laufe dieser langen Zeit haben sich die Meeressäugetiere perfekt ihren äußeren Bedingungen angepasst. Ihre Nasen- und Ohrlöcher sind verschließbar. Die vorderen Gliedmaßen haben sich zu Flossen entwickelt, aus den hinteren Extremitäten hat sich eine Schwanzflosse gebildet. Haare und äußere Ohren wurden komplett zurück gebildet, dafür haben sich die Tiere eine Speckschicht zugelegt. Ihre Augen haben nur noch geringe Sehkraft, dafür hören Seekühe gut und reagieren empfindlich auf Ultraschall. Ihre Lungen sind nach hinten verlängert, die Backenzähne haben keine Wurzeln mehr, bei Bedarf wachsen diese dafür kontinuierlich nach. Dies alles schützt die Seekühe jedoch nicht vor äußeren Umwelteinflüssen der Neuzeit. Der Mensch als einer der wenigen natürlichen Feinde des Meeressäugers sorgt dafür, dass die Tiere mittlerweile vom Aussterben bedroht sind. Kann die Seekuh noch gerettet werden?

Die Seekuh - ein langlebiger Überlebenskünstler

Das Verbreitungsgebiet der Seekühe erstreckt sich über die Flachküsten und Süßgewässer der westlichen und östlichen Atlantikküsten, des Indischen und Pazifischen Ozeans, sowie des Roten Meeres. Die Familien der Gabelschwanzseekühe oder Dugongs (Dugongidae) und der Rundschwanzseekühe oder Manatis (Trichechidae) gehören zur Ordnung der Seekühe (Sirenia). Erwachsene Seekühe können bis zu 3,5 Meter groß werden und an die 1000 Kilogramm wiegen. Täglich vertilgt ein ausgewachsenes Tier bis zu 80 Kilogramm Wasserpflanzen, die es an der Wasseroberfläche oder an den Ufern findet. Einige Tiere können mehr als 60 Jahre alt werden, ihre Fortpflanzungsrate ist allerdings sehr gering. Das Weibchen bringt nach ca. 12 Monaten Trächtigkeit höchstens zwei Junge zur Welt. Bis zu ihrer Selbstständigkeit bleiben die Jungtiere ungefähr zwei Jahre bei ihren Müttern. Da sich Seekühe im Normalfall nur sehr langsam bewegen, verbrauchen sie wenig Energie. Manatis beispielsweise brauchen nur ein Drittel dessen an Energie, was andere Säugetiere mit gleichem Gewicht benötigen.

Umweltverschmutzung - größte Gefahr für den Meeressäuger

Die Meeresverschmutzung, die auch immer mehr zu einer schleichenden Bedrohung für die Seekühe wird, hat viele Gesichter. Die Ursachen sind dabei vielfältig, selten jedoch so offensichtlich wie die Bilder von Öl verschmierten Tieren, beispielsweise nach dem Untergang der Ölförder-Plattform „Deepwater Horizon“ im Jahre 2010. Doch woher stammen die Gefahren, die nicht nur den Meeressäugetieren schwer zu schaffen machen?

Städte: Mit jedem Regenguss werden Schadstoffe von den Dächern und Straßen frei gewaschen. Das Wasser reichert sich an mit Öl, Schwermetallen, Abfall, Pestiziden und Fäkalien, bevor es seine Wanderung zum Meer antritt.

Land: Auch hier hat das Regenwasser großen Einfluss. Bevor es ins Grundwasser sickert, nimmt es Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel sowie Tierfäkalien auf.

Müll: Im Jahr 2000 sammelten Umweltaktivisten einen Tag lang Müll, der sich weltweit an den Stränden angesammelt hatte. Sie fanden mehr als 6000 Tonnen Abfall und 373 verschiedene Tierarten, die sich darin verstrickt hatten. Netze, Plastiktüten und Fischereileinen besiegeln oft einen qualvollen Tot der Tiere, die hiermit in Berührung kommen.

Schiffe: Die Kreuzfahrtschifffahrt ist ein boomendes Geschäft, jährlich werden Millionen Menschen auf diesem Wege über die Meere transportiert. Abwässer und Müll werden teilweise ohne größere Auflagen im Meer entsorgt. Aber auch Kleinstorganismen, die sich am Rumpf der Schiffe befinden, werden an Orte transportiert, wo sie unter Umständen verheerende Schäden unter der einheimischen Meeres-Fauna anrichten. Nicht nur die Kreuzfahrtschiffe sondern auch die Schifffahrt allgemein stellt eine potentielle Gefahr, insbesondere für die Meeressäuger, dar. Schätzungen gehen davon aus, dass pro Jahr 3.000 – 4.000 Großwale durch Unfälle mit Schiffen sterben. In Florida bedrohen Motorboote die dort lebenden Seekühe.

Öl- und Gasplattformen: Passiert ein Unfall, sind die Ölverschmutzungen der Ölplattformen weithin sichtbar. Unauffällig dagegen ist die tiefer gelegene konstante Verschmutzung. Während der Tiefseebohrungen gelangen täglich etliche Liter Öl in das Meer. Seismische Bohrungen erzeugen zusätzlich Lärm und Schmutz, der das artenreiche Ökosystem der Tiefsee bedroht.

Hilfsprojekte versuchen die Ausrottung zu verhindern

Im November 1999 fand die 6. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention statt. 100 Länder nahmen mit Fachleuten aus Regierungs- und Nichtregierungskreisen teil. Beschlossen wurde unter anderem, dass sechs seltene Vogelarten sowie die Seekühe der Meeresgebiete um Panama und Honduras in die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten aufgenommen wurden. Die Tiere wurden somit einem strikten rechtlichen Schutz unterstellt, der auch ihren jeweiligen Lebensraum mit einbezieht.

In Florida wurde denn auch der Sympathieträger Manatee als stellvertretendes Symbol für die gesamte bedrohte Fauna des Landes ausgewählt. Der Staat bemüht sich sehr um das Wohl der Seekühe. Für die attraktive Touristenattraktion wurden unter anderem diverse Schutzgebiete eingerichtet. „Save the Mantee“-Nummernschilder werden verkauft, wodurch ein umfassendes Schutzprogramm ins Leben gerufen werden konnte. Etliche gut ausgerüstete Teams kümmern sich im gesamten Land um verletzte oder kranke Seekühe. Die Tiere werden eingefangen und in spezielle Hospitäler von Zoos oder Freizeitparks gebracht. Nach ihrer Genesung werden sie wieder in ihre gewohnte Umgebung entlassen.

Quellen:

Tanja Müller, Tanja Müller

Tanja Müller - 1989-1992 Ausbildung zur Buchhändlerin in der Goethe-Buchhandlung, Düsseldorf 1992-1998 Studium der Germanistik und ...

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