Segeln im Mittelmeer: Tipps für die Segelsaison 2011

Teure Segelyachten sind immer mehr im Visier von Piraten - auch im Mittelmeer - Louis M. Blank
Teure Segelyachten sind immer mehr im Visier von Piraten - auch im Mittelmeer - Louis M. Blank
Die Segelsaison ist eröffnet und damit steigt die Nachfrage nach Liegeplätzen und Ankermöglichkeiten im Mittelmeer. Ein Preisvergleich der besten Marinas.

Ein Segeltörn im Mittelmeer bedeutet für viele Menschen die Erfüllung eines Lebenstraums. Wer wollte nicht mit einem Segelboot vor Capri kreuzen oder in einer himmlischen Bucht vor Menorca Delphine springen sehen? Das Vergnügen wird allerdings sehr schnell zum unbezahlbaren Spaß, wenn der Skipper mit seinem Segelboot einen Hafen anlaufen will. Einen günstigen Hafen zu finden ist nicht immer leicht und besser ist es, vorab mit Marineführern Preise einzuholen.

Teure Städte, teure Häfen - Italien führt Liste der nobelsten Anlegeplätze

Die Hamburger Immobilienagentur Engel & Völkers hat zum Start in die Segelsaison einen Vergleich über Liegegebühren der Luxusklasse im Mittelmeer angestellt. Danach befinden sich die drei teuersten Marinas der Welt im schönen Bella Italia. Wer dort ein pittoreskes Städtchen mit seiner Yacht anlaufen und die Nacht verbringen will, muss tief in den Bordsafe greifen. Segeln ist in Italien wohl doch eher etwas für die Mafia oder andere Millionäre. So kostet der Hafen Marina Grande auf Capri die fürstliche Summe von 2.585 Euro am Tag. Versucht es der Sparfuchs mit einem Kurswechsel auf die Pirateninsel Sardinien, wird der Hafenmeister auch hier mit horrenden Anlegegebühren aufwarten. Porto Cervo auf Sardinien kostet 2.574 Euro pro Tag – genau 9 Euro weniger. Etwas "günstiger" wird es dann in Porto Fino, dem wohl beliebtesten Touristenort an der Amalfiküste. Hier kostet die Liegegebühr 2.100 Euro pro Tag.

Spanien folgt Italien beim Ranking im weltweiten Luxussegment. Gleich drei der acht teuersten Yachthäfen der Welt sind in Spanien. Puerto Banus im schicken Marbella an der Costa del Sol liegt mit einem Tagespreis von 2.069 Euro an der Spitze. Dicht darauf folgt der Segelhafen Ibiza Magna mit Tagesgebühren von 1.643 Euro. An der achten Stelle im internationalen Ranking der folgt der Hafen in Barcelonas Altstadt Port Vell. Hier kostet das Anlegen pro Nacht 1.084 Euro. Hier liegt auch das Segelschiff Santa Eulalia vor Anker, das man für 1 Euro besichtigen kann und mit dem bei Voranmeldung auch Törns rund um Barcelona möglich sind.

Anlegegebühren werden immer nach der Größe des Segelbootes berechnet. Alle genannten Preise gelten für Yachten mit einer Länge von 55 Metern in der Hauptsaison.

ADAC schickt Tester in die Häfen und präsentiert Marineführer 2011

Wer mit Segelbooten kürzerer Länge unterwegs ist und einen Liegeplazu sucht, ist mit dem Marinaführer des ADAC gut beraten. Der praktische Planer enthält viele wertvolle Informationen rund ums Mittelmeer. Marina-Tester des ADAC bereisten für Skipper 20 Länder in ganz Europa. Von den über 1.600 getesteten Marinas konnten allerdings nur zwölf Häfen die volle Punktzahl erreichen. Fünf davon sind an der deutschen Ostsee zu finden, die anderen liegen in Kroatien und Frankreich sowie zwei in den Niederlanden und drei in Italien. Spanien konnte es mit keinem seiner Häfen in die Liste der Empfehlungen schaffen.

Kroatien führt die Preisliste für Liegegebühren bei kleineren Booten an

Mit durchschnittlich 51.94 Euro kostet ein Liegeplatz in Kroatien fast vier Mal so viel wie in Deutschland. In Italien (48.03 Euro) und an den Mittelmeerküsten Spaniens mit etwa 39.29 Euro und Frankreichs mit 34.72 Euro müssen Skipper ebenfalls tiefer in die Tasche greifen. Als Alternative bleibt für Segler von Jollen mit weniger Kapital an Bord das Aufsuchen günstiger Liegeplätze in entfernteren Revieren wie in der Türkei (33.34 Euro) oder Griechenland (21.60 Euro) oder das Werfen des Ankers. Dann muss der Landgang mit einem Beiboot organisiert werden. Das bedeutet allerdings auch, dass das Segelboot allein in der Bucht schaukelt und schnell zur Beute von Piraten oder Dieben werden kann. Jedes Jahr werden weltweit mindestens 50 Boote ausgeraubt.

Piraterie auf hoher See – Luxusyachten im Visier von Kriminellen

So beobachten Frankreichs Geheimdienste wachsende kriminelle Aktivitäten vor ihrer Küste im Stil der somalischen Piraten. Im Sommer nehmen Raubüberfälle auf Segelyachten zu. Die Beamten scheinen machtlos, das Meer lässt sich nicht völlig kontrollieren. Im Sommer 2008 sind vor der Urlaubsinsel Korsika auch deutsche Passagiere zum Opfer von Piraten geworden. Vier Männer kaperten die 55 Meter lange Luxusyacht „Tiara“ vor Porto Veccio und raubten 138.000 Euro aus dem Safe. Die Piraten hatten sich mit einem Schlauchboot genähert und kurz vor Mitternacht die zehnköpfige Besatzung und die neun Passagiere wie ein Militärkommando mit Gewehren und Pistolen überwältigt.

Dennoch zählt das Mittelmeer im internationalen Vergleich etwa zu Asien oder der Karibik zu den sicheren Segelrevieren. Die Gefahr von Überfällen wächst jedoch auch vor der Küste Südeuropas – erst Recht, wenn das Gefälle zwischen Arm und Reich in unmittelbarer Nachbarschaft immer größer wird. Der Schaden von derzeit 13 Milliarden Euro, den Piraten jährlich weltweit anrichten, soll sich nach Ansicht der Ermittler noch erhöhen. Aktuelle Meldungen über Piratenangriffe auf Segelboote liefert die nützliche Website Noonsite.com.

Günstige kleine Sporthäfen für Segeljollen in Andalusien

Spaniens südliches Mittelmeer ist vor Piraten bislang recht sicher, da die Küstenlinie übersichtlicher ist. Dafür gehört die Region nicht gerade zu den aufregendsten Segelrevieren. Es gibt kaum Inseln, Buchten oder Fjorde, in denen man ankern könnte. Dafür ist der Spaß zumindest bei kleineren Bootsmaßen bezahlbar.

Wer mit etwa die andalusische Costa del Sol besegelt, kann abseits der teuren Städte Marbella oder Malaga auch in kleinen Orten günstigere Liegeplätze finden. Die andalusische Provinzregierung hat die aktuellen Gebühren der Sporthäfen praktisch einsehbar ins Internet gestellt. Folgende Marinas liegen im bezahlbaren Rahmen: Ayamonte, Isla Cristina, Punta Umbría, Mazagón, Chipiona, Rota, Puerto América, Sancti Petri, Barbate, Caleta de Vélez und Touristenort Roquetas de Mar. Der kürzeste Liegeplatz für 6 Meter lange Boote kostet hier in der Hochsaison rund 7.46 Euro (Juni bis September) und für die Nebensaison 3.73 Euro. Boote bis maximal 35 Meter zahlen dann pro Tag 147.83 Euro in der Hauptsaison und 73.92 Euro in der Nebensaison. Wer allerdings seine 35-Meter-Yacht ein ganzes Jahr liegen lassen möchte, muss trotz eines 30 prozentigen Nachlasses für Langzeitmieter immerhin noch ganze 25.196 Euro berappen.

Quellen und weiterführende Informationen:

Informationen zum Segelrevier Mittelmeer mit Länderinfos und Liegegebühren:

Liegegebühren in andalusischen Marinas:

Louis M. Blank, Blank

Louis Max Blank - Journalist auf Reisen

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