Segeln in der Karibik

Die British Virgin Islands sind ein einfaches und spannendes Revier

Abendstimmung bei Anegada - Veronica Frenzel
Abendstimmung bei Anegada - Veronica Frenzel
Auf einem Segelboot die British Virgin Islands kennenlernen, ist wie eine Fahrt ins Paradies. Kristallklares Wasser und unberührte Natur erwarten die Wassersportler.

„Jungferninseln". Der Name klingt nach unberührtem Paradies, nach klarem, türkisblauem Wasser und feinen Sandstränden über denen sich von Kokusnüssen schwere Palmen beugen. Unbefleckte Schönheit sahen auch die Spanier und benannten die Inseln nach der Heiligen Ursula und ihren jungfräulichen Begleiterinnen Las Virgenes. Auch jetzt, gute 500 Jahre nachdem Kolumbus angeblich als erster Europäer hier an Land gegangen ist, liegen die 60 Inseln wie kleine kostbare Kleinode mitten in der Karibik. „Kleine Geheimnisse der Natur" ist auch der offizielle Werbename. „Out-of-Control-Tourism" will der Gouverneur der Insel, Thomas Macane, nicht. Die britschen Jungferninseln haben sich auf ein eigenes Klientel spezialisiert, auf Segler, vor allem deutscher und jetzt auch immer mehr amerikanischer Herkunft.

„Massentourismus gibt es auf den anderen karibischen Inseln", sagt er und Stolz schwingt in seiner Stimme. Eine Deutsche war es, die das Geschäft mit den nautischen Abenteuern für die Inseln entdeckt hat. Gabi Romberg untersuchte vor mehr als 15 Jahren das touristische Potenzial der Inseln für eine Studienarbeit. Ergebnis war, das Angebot entspricht der Nachfrage deutscher Segler. Heute leitet die 47-Jährige das Tourist Board der British Virgin Islands für den deutschsprachigen Raum und bringt jedes Jahr Hunderte von deutschen Skippern und Crews auf den unberührten Fleck in der karibischen See.

Wenn man von St. Martin aus in das kleine Propellerflugzeug steigt, das die British Virgin Islands mit der übrigen Karibik verbindet, glitzert das Wasser unter einem und Schaumkronen sprechen von Wind. Nach einer halben Stunde tauchen die Inseln im Meer verstreut auf. Am Flughafen auf Beef Island steigt die tropisch modrige Luft in die Nase und Hitze schlägt einem entgegen. Dickbäuchige Entdeckerschiffe ziehen vor dem inneren Auge in dem kristallklaren Wasser vorbei, wendige Piratenschiffe tauchen in den kleinen Buchten auf. Der stetige Passatwind treibt die Segelyachten auch heute noch recht zuverlässig durch den Sir Francis Drake Channel, um den sich die Inseln und Korallenriffe der British Virgin Islands verteilen.

Korallenriffs vor der Küste

Frühmorgens weckt die Sonne und die ersten Yachten der Flotte stechen in See. Gemächlich ziehen Wolken über den blauen Himmel und das Wasser glitzert. Pelikan Island wartet auf der anderen Seite des Kanals auf die modernen Entdecker. Der kleine grüne Hügel ragt harmlos aus dem Wasser, doch um ihn herum lauern gefährliche Korallenriffe auf die arglosen Segler. Doch kaum einer gerät ihnen heute mit dem Segelschiff zu nahe, denn ausführliche Seekarten und Handbücher verhindern das Aufsetzen, das noch im vergangenen Jahrhundert das größte Übel der karibischen See war. Vor der Insel Anegada liegen Wracks aus den vergangenen Jahrhunderten. Bei einem Tauchgang unternimmt man dabei eine Zeitreise und fühlt sich in die Epoche der Piraten und Entdecker versetzt.

Am weitesten von dem geschützten Sir Francis Drake Channel entfernt wartet die Insel Anegada auf die Segler. Steuert man sie an, muss zu den Navegationswerkzeugen gegriffen werden. Denn mit Landmarken kann man nicht rechnen. Die lange und flache Insel ist erst zu erkennen, wenn man fast vor ihrem Ufer ist. Denn die Insel aus Korallensand erhebt sich an ihrem höchsten Punkt auf gerade mal acht Metern Höhe. Aber mithilfe von GPS Geräten, Seekarten und Tiefenmessern ist es heute nur eine mittlere Herausforderung die Strömungen und Untiefen vor der Insel zu umgehen. Trotzdem sollte man sich nur bei Tageslicht, also vor sechs, an die wenigen Ankerplätze vor Anegada wagen. Denn trauen kann man den Wassern immer noch nicht. Zu viele Schiffe wurden noch bis in die 50er Jahre von Korallenriffen aufgeschlitzt. Ist der Anker sicher in den sandigen Böden vor der Insel eingegraben, legt man mit dem Dinghi an den Holzstegen an, um die Insel zu erkunden. Nur ein paar Meter breit ist die Insel an der schmalsten Stelle und mit ein paar Schritten ist das andere Ufer erreicht, das den Blick auf die offene See freigibt. Am Strand schmeißen ein paar Fischer Hummer in hölzerne Käfige. Die Spezialität von Anegada sind Warmwasserlobster. Nur im Wasser vor der Insel aus Korallensand finden die Fischer der Jungferninseln die großen Scherentiere und jedes Restaurant führt die Spezialität auf der Speisekarte.

Stetiger Passatwind

Der Passat zieht die Schiffe mit Am-Wind-Kurs zurück in den geschützten Francis-Drake-Channel. Zufällig verteilte Granitblöcke auf Virgin Gorda, der dicken Jungfrau, ziehen die Blicke der Segler auf sich. Auch hier hat das Tourist Board den Seglern das Anlegen erleichtert und Bojen ausgelegt. Ein Abstecher im Beiboot zu den Stränden von The Bath ist ein Muss. Wandert man durch die Felsformationen, hört man das Wasser plätschern, Krebse kreuzen den Weg und man gelangt von feinem Sand zu groben Felsen, in denen die Wellen ihre Spuren hinterlassen haben. In den von stetigem Wellengang geformten Kuhlen sammelt sich das Wasser, wie in kleinen Wannen. Das kristallklare saubere Wasser beweist, dass das stolze Motto des Gouverneurs umgesetzt wird. Aber auch wenn die untergehende Sonne die Felsen in ein wunderschönes rot taucht, muss man jetzt den Hafen von Spanish Town ansteuern, Übernachten ist in The Bath nicht erlaubt. Auch der kleine Hafen etwas westlich der romantischen Bucht hat seine Reize. Außerdem warten ein paar Holzhütten, in denen Calypso läuft, Rumpunsch und Painkiller serviert werden und sich Einheimische rhythmisch und schnell auf den paar freien Quadratmetern vor der Bar bewegen.

Wenn der offene Bus die Segler über die Hügel von Tortola wieder zurück zum Flughafen bringt, kann die Fahrt nicht lange genug dauern. Der Abschied vom Paradies fällt schwer. Denn die Propeller des kleinen Flugzeugs wecken einen wie aus einem Traum, aus dem nicht aufwachen will. Schließt man in den Tagen danach die Augen, sieht man immer noch das türkis-blaue Wasser in der Sonne glitzern, schmeckt die süßliche Mischung aus Rum und Fruchtpunsch im Mund und spürt eine leichte Brise im Nacken. Und man sehnt sich nach den unberührten Inseln zurück.

Veronica Frenzel, Veronica Frenzel

Veronica Frenzel - Seit fünf Jahren arbeitet Veronica Frenzel als freie Journalistin in Málaga, Andalusien. Für das Reisejournal der Westdeutschen ...

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