Was ist ein Segen? Die Grundlage eines jeden Segens ist der Glaube. Nur die Überzeugung, dass der Segen Erfolg hat, bewirkt, dass der Zauber wirklich wirkt. Hinzu kommt ein ausgeprägter Glaube an die positive oder negative Wirkung von Begleitumständen wie Ort und Zeit.
Die meisten bekannten Segenssprüche haben einen ähnlichen Aufbau wie die Merseburger Zaubersprüche, die vermutlich um 1000 niedergeschrieben wurden, deren Ursprung aber auf die Zeit um 750 datiert wird. Sie sind jeweils dreigliedrig aufgebaut und bestehen aus einem Einleitungsteil, der eigentlichen Beschwörung und der anschließenden Erlösungsformel. Die Beschwörung wird in der Regel als Handlungs- oder Ritusanzeige dargestellt. Dieses Schema wurde bei späteren Segen weitestgehend übernommen und angepasst.
Häufig macht die Ritusanzeige den ganzen Segen aus. Sie beschreibt, was der Zauberer tut. Durch die Erwähnung dieser Handlung, aber auch der näheren Umstände des Segens, soll die Wirkung des Zaubers sich verstärken. Daher treten unnötige Formeln neben der Ritusanzeige zurück. Eine Steigerung der Handlungsanzeige indes wäre, wenn man neben der Handlung auch noch eine Tages- oder Uhrzeit in den Segen mit einbindet, diesen also ebenfalls nennt.
Viele Segen, deren Ursprung sich noch deutlich aus älteren Beschwörungen ableiten lässt, haben einen eigenen Protagonisten, der das zu verhindernde Unglück erleidet oder von selbigem erlöst. Dies waren in den Merseburger Zaubersprüchen noch heidnische Götter wie Wotan und Odin. In den jüngeren Zaubersprüchen des Mittelalters wurde diese von Jesus, Maria und Petrus abgelöst. Im christlichen Glauben waren die Segen ursprünglich Klerikern vorbehalten, doch duldete man die Sprechung des Segens durch den Laien, wenn die heidnischen Götter durch biblische Figuren ausgetauscht wurden.
Heilsegen
Heilsegen sollten einen Erkrankten wieder heilen oder einen Gesunden vor Krankheit bewahren. Dazu bediente man sich zahlreicher Heiliger, die in der Erzählung des Segens das Leid selbst erlebten und von Gott oder einem anderen Heiligen wieder geheilt wurden. Hier sieht man also eine Ähnlichkeit zur oben erwähnten Handlungsanzeige, nur dass die Geschichte nicht in der ersten Person aus Sicht des Handelnden, sondern in dritter Person, also aus der Erzählperspektive berichtet wird.
Eine häufige Form der Heilsegen sind Dreiersegen, deren Protagonisten immer eine Gruppe aus drei Personen oder Gegenständen bestehen. Bekannt sind hier die Drei-Brüder-, Drei-Engel-, Drei-Jungfrauen-, Drei-Blumen- und Drei-Brunnen-Segen.
Jordansegen
Ebermann schreibt in seiner Dissertation, dass der Jordansegen auf die Sage zurückgeht, bei der Taufe Christi habe der Jordan stillgestanden. Basierend auf dieser Legende sind daraufhin zahlreiche Blutsegen entstanden, die auch unter dem Begriff Jordansegen bekannt sind. Inhalt dieser Segen ist die Taufe Christi durch Johannes und das überlieferte Stillstehen des Jordans. So lautet beispielsweise ein Segen aus dem Jahre 1475:
„Jesus that was in Bethleem born, and baptyzed was in the flumen Jordane, as stente the water at hys comyng, so stente the blood of thys Man.“
In den Jordansegen der darauf folgenden Jahrhunderte kam es häufiger vor, dass eines der Elemente der Geschichte um Christi Taufe ausgelassen wurde.
Weitere Segen
Die oben genannten Segen sollen hier nur als Beispiele für eine ganze Reihe weiterer Segen dienen. Zu erwähnen sind hier noch Segen zum Schutz von Feldfrüchten vor Unwettern, Waffensegen, Schutz des Hauses vor allem Übel sowie Diebessegen, die den Dieb festhalten oder töten und den gestohlenen Besitz zurückbringen sollten.
Quellen:
R .Bauschke, Merseburger Zaubersprüche, Lexikon des Mittelalters, Band VI, Artemis und Winkler Verlag, München/Zürich, 1993, Seite 548
Ebermann, Oskar, Über Blut- und Wundsegen, Verlag Carl Salewski, Berlin 1902, S. 1-2
