Segregation - Der Politökonomische Ansatz

Hierarchisierung des städtischen Raumes

Oberbaumbrücke - Media Spree - Sven Fauth
Oberbaumbrücke - Media Spree - Sven Fauth
Der polit-ökonomische Ansatz zur Erklärung der Segregation ist im Gegensatz zum sozialökologischen Ansatz makrotheoretischer Natur.

Der polit-ökonomische Ansatz zur Erklärung der Segregation ist im Gegensatz zum sozialökologischen Ansatz ein makrotheoretischer, und aufgrunddessen ist die Deskriptionsfähigkeit dieses Ansatzes eher gering. Die sozialräumliche Ausdifferenzierung des städtischen Siedlungsraumes ist in drei Teilbereiche untergliedert.

Gliederung und Einteilung der Stadt

Dabei besteht der erste Teilbereich aus den Glanzpunkten einer Stadt, welche auch überregionale Funktionen übernehmen können. Die zweite Ebene beinhaltet die normale Arbeits-, Wohn-, und Versorgungsbereiche mit den Funktionen eines regionalen Oberzentrums. Die dritte und zugleich unterste Ebene stellt die Gruppe der Marginalisierten dar, zum Beispiel Randgruppen, Arbeitslose und prekär Beschäftigte.

Problematik des polit-ökonomischen Ansatzes

Unklar bleibt zunächst, ob damit eine Teilung der städtischen Gesellschaft oder aber des städtischen Raumes vorgenommen werden soll und inwieweit der Prozeß der Teilung voranschreitet, beziehungsweise wie er eingesetzt hat.

Drei Prozesse prägen die Ausdifferenzierung der städtischen Gesellschaft, dabei werden folgende Spaltungslinien sichtbar: Eine ökonomische Spaltung die sich aufgrund des Eigentums, des Einkommens und der Position auf dem Arbeitsmarkt widerspiegelt, die Trennung zwischen Urbevölkerung und Zugezogenen, sowie aufgrund der kulturellen Unterschiede. Die Bedeutung des Siedlungsraums an sich und wie sich der Trennungsprozeß konkret vollzieht wird nicht von allen Vertretern des politökonomischen Ansatzes thematisiert.

Konzept des gesellschaftlichen Raumes

Ein Ansatz hingegen und zwar der von Dieter Läpple, hat ein Konzept des „gesellschaftlichen Raumes“ vorgestellt. Diese gliedert sich zum einen in ein „materiell-physisches Substrat“, welches gesellschaftlich produziert wird und aus der vom Menschen umgeformten Natur sowie ihm selbst besteht.

Desweiteren werden „gesellschaftliche Interaktions- und Handlungsstrukturen“ betrachtet, hierbei liegt das Augenmerk auf den sich mit der Produktion, Nutzung und Aneignung des Substrats beschäftigenden Menschen.

Das „institutionalisierte und normative Regulationssystem“ stellt das Verbindungsglied zwischen dem materiellen Substrat und den gesellschaftlichen Interaktions- und Handlungsstrukturen dar. Läpple unterscheidet zudem noch ein mit dem materiellen Substrat verwobenes Zeichen-, Symbol- und Repräsentationssystem.

Erklärung der Ursachen der Segregation

Der polit-ökonomische Ansatz versucht die Ursachen der Segregation hauptsächlich im kapitalistischen Verwertungsprozeß sowie dessen politischer Regulation zu erklären.

Globalisierte Städte versuchen, ihre Anstrengungen im nationalen und internationalen Konkurrenzkampf zu intensivieren, und erreichen dabei zugleich eine immer stärker voranschreitende Teilung der Stadt in eben jene drei Teilbereiche. Den Veränderungsprozessen auf den Arbeitsmärkten werden hinsichtlich der zunehmenden sozialen Ungerechtigkeit eine entscheidende Bedeutung zugeschrieben.

Politische Regulationen, sei es arbeitsmarktpolitisch oder den Wohnungsmarkt betreffend, haben zudem starke Auswirkungen auf das Ausmaß der Segregation. Das Sichtbarwerden der Veränderungen sozialer Strukturen wird aufgrund mannigfaltiger Filter und sozialer Netze (Wohngeld, Sozialhilfe et cetera) in ihren räumlichen Strukturveränderungen verzögert und somit erkennbare Muster verzerrt.

Der polit-ökonomische Ansatz sieht die Hauptverantwortlichkeit für die Segregation und auch Gentrifizierung in der Wettbewerbsorientierung der lokalen Politik als Reaktion auf die mit der Globalisierung einhergehenden Herausforderungen und Anforderungen an die moderne Stadt.

Folgen des sozialökologischen Ansatzes und Kritik

Gegenstand der Analyse ist ausschließlich die Segregation der unteren und mittleren sozialen Schichten. Eine Abgrenzung der oberen Einkommensschichten wird als selbstverständlich hingenommen und aufgrund der städtebaulichen Irrelevanz nicht näher hinterfragt.

Der polit-ökonomische Ansatz kritisiert hinsichtlich des Abbaus der Segregation, die fortschreitende Deregulierung des Arbeitsmarktes sowie die neo-liberalen Strömungen zunehmender „private public-partnerships“. Gefordert wird, mittels einer Verteilungspolitik den Abbau der residentiellen Segregation zu erreichen und insbesondere die Kommunalpolitik wird in die Pflicht genommen, strukturelle Benachteiligungen der Marginalisierten im Wohnungsmarkt abzubauen und Sorge dafür zutragen, daß diese Benachteiligungen auch künftig verhindert werden.

Exemplarische Literatur

Läpple, Dieter: "Essay über den Raum" in Häußermann, H. et al., Stadt und Raum. Pfaffenweiler: Centaurus-Verlag, 1991

Häußermann, Hartmut / Siebel, Walter: "Neue Urbanität"., Frankfurt/ Main: Suhrkamp, 1987

Friedrichs, Jürgen: "Einführung in die Stadtsoziologe", 1991

Sven Fauth, © Sven Fauth

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