Segregation - Der Sozialökologische Ansatz

Messung der Abgrenzung und Hierarchisierung des städtischen Raumes

Media Spree - Sven Fauth
Media Spree - Sven Fauth
Der sozialökologische Ansatz ist ein auf Indikatoren zur räumlichen Durchmischung verschiedener Bevölkerungsgruppen basierende Beschreibung der Segregation.

Die amerikanische Segregationsforschung entfernte sich im Laufe der Zeit zunehmend von den ursprünglichen Ansätzen von Robert Park. Mittels flächendeckender statistischer Erhebungen und mit Unterstützung der elektronischen Datenverarbeitung verlagerte sich der Schwerpunkt der Forschung auf die Erstellung von Segregationsindizes, die ein Maß für die Ungleichverteilung verschiedener Bevölkerungsgruppen in einem Siedlungsraum angeben.

Indexwerte - Segregationsindex

Durch den Vergleich der Indexwerte zwischen Städten und über bestimmte Zeiträume wurde versucht, empirische Regelmäßigkeiten zu entdecken. Der sogenannte Segregationsindex gibt die Verteilung einer Bevölkerungsgruppe im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung an, wohingegen der Dissimilaritätsindex das Ausmaß mißt, inwieweit zwei Bevölkerungsgruppen disproportional über städtische Teilgebiete verteilt wohnen. Dabei können die Indikatoren Werte zwischen Null, was einer Gleichverteilung entspräche oder 100, dem Wert für eine maximale Segregation, annehmen.

Eine Reduzierung eines gesellschaftlichen Phänomens auf Indizes birgt allerdings auch immer die Gefahr, daß bestimmte Erklärungen a priori ausgeblendet werden, so ist beispielsweise nicht erkennbar, wie die Durchschnittswerte de facto zustandekommen. Relativ viele, aber geringe Abweichung können zum selben Indexwerte resultieren wie eine starke Abweichung vereinzelter städtischer Teilräume.

Die Sozialraumanalyse

Die Sozialraumanalyse stellt innerhalb der Sozialökologie eine wichtige Theorie dar, deren zentrale These beinhaltet, daß Veränderungen in der Gesamtgesellschaft durch städtische Phänomene wiedergespiegelt werden.

Erklärung der Ursachen der Segregation durch den sozialökologischen Ansatz

Die meisten Theorien beschränken sich hauptsächlich auf die Analyse von statistisch erfassbaren Daten, wodurch beispielsweise Prozesse zwischen räumlichen Einheiten und sozialen Gruppen nicht abgebildet werden können.

Dahingegen gibt die Analyse von sogenannten „tipping points“ Aufschluß darüber, ab welcher Konzentration der Auszug der Urbevölkerung eines Stadtgebietes eine Eigendynamik entwickelt, die zur irreversiblen Abwanderung führt. (siehe hierzu Gentrification – Ein Verdrängungsprozeß)

Der Stadtsoziologe Jürgen Friedrichs formulierte seine Segregationstheorie als eine Mikro-Makro-Theorie. Die empirische Überprüfung von Zusammenhängen auf der Mikro-Ebene werden durch sogenannte Kontakthypothesen mit der Makro-Eben verknüpft.

Jürgen Friedrichs - Mikro-Makro-Theorie

Größere individuelle Wahlmöglichkeiten ermöglichen umfassendere Wohnstandortwahlen nach eigenen Präferenzen (Mikro-Ebene). Starke Einkommensungleichheiten führen zu besseren individuellen Wahlmöglichkeiten für Haushalte höheren Einkommens (Makro-Ebene). Die Segregation wir umso größer, je umfangreicher Standortwahlen nach eigenen Präferenzen vorgenommen werden können. Die Segregation wird umso umfangreicher, je größer die Einkommensungleichheiten ausgeprägt sind.

Soziale Ungleichheit, über das Einkommen gemessen, zieht eine Differenzierung der Lebensstile nach sich, und es entsteht das Verlangen nach räumlicher Nähe zu Menschen ähnlicher Lebensstile.

Allerdings sind auch hier Kritikpunkte anzubringen, da der städtische Raum in seiner differenzierten Struktur als Initiator und Verstärker gesellschaftlicher Regulation oder aber auch zur Reproduktion und Manifestierung sozialer Ungleichheit nahezu ausgeblendet wird. Soziale Ungleichheit wird ausschließlich auf Einkommensungleichheit reduziert, zudem wird die Entstehung sozialer Ungleichheit in diesem Erklärungsmodell komplett ausgeblendet. Segregation, die aus strukturellen oder institutionellen Zusammenhängen heraus entsteht wird nicht berücksichtigt.

Die Folgen der Segregation und ihre Interpretation

Je stärker die Segregation in einem Siedlungsraum ausgeprägt ist, desto schwieriger gestaltet sich die Integration von Minoritäten in die Gesellschaft und im Extremfall sogar verhindert. Systemtheoretisch wird Segregation nur quantitativ interpretiert, eine Erklärung warum eine Gleichverteilung als ideal für einen Siedlungsraum betrachtet wird, bleibt unbeantwortet.

Folgen des sozialökologischen Ansatzes und Kritik

Dennoch führt selbst die nur quantitative Beschreibung zu Interventionen im Planungsdiskurs nämlich aufgrund der Wertung, wie groß der Anteil derer ist, der umziehen müßte, um eine Gleichverteilung der sozialen Gruppen im Raum zu erreichen. Politiker und Stadtplaner übernehmen zumeist dankend die Vorschläge oder Ergebnisse sozialökologischer Forschung, um ihre gewünschte Politik zu rechtfertigen.

Zum Abschluß ein Zitat von Jens Dangschat, welches das Dilemma und die Problematik der Stadtsoziologie sozialökologischer Ausrichtung auf den Punkt bringt: „Eine Stadtsoziologie, die auf diese Weise vom gesellschaftlichen und historischen Kontext abstrahiert, wird immer eine auf die Stadt als empirisch bestimmbaren Ort der intensivsten Moderne angewandte allgemeine Soziologie bleiben, ohne selbst in der Lage zu sein, die Spezifik des empirischen Ortes und des theoretischen Konstruktes Raum zu erfassen.“ (Dangschat, 1997, S.631)

Ausgewählte Literatur

Dangschat, Jens (1997): Sag' mir, wo Du wohnst, und ich sag' Dir, wer Du bist! - Zum aktuellen Stand der deut­schen Segregationsforschung. In: PROKLA109: 619-647

Friedrichs, Jürgen (1991): Einführung in die Stadtsoziologe

Friedrichs, Jürgen (1980): Methode empirischer Sozialforschung

Sven Fauth, © Sven Fauth

Sven Fauth - Studium der Volkswirtschaftslehre in KonstanzStudium der Landschaftsplanung in BerlinAls selbständiger Künstler erstelle ich ...

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