Sehenswerte Wasserfälle Neuseelands und ihre Geschichten

Stadtfälle Whangarei: Wie kommen Aale wieder rauf? - FxReid
Stadtfälle Whangarei: Wie kommen Aale wieder rauf? - FxReid
In den zahllosen Wasserfällen der südpazifischen Inseln vereinen sich die typischen Elemente der neuseeländischen Natur: Wildheit, Wasser und Fels.

Dem Besucher wird bei der Erkundung der neuseeländischen Inseln auffallen, dass hier am anderen Ende der Erde das Wasser zwar mit dem Uhrzeigersinn in den Abflüssen strudelt, aber ebenso wenig wie überall auf der Welt der Schwerkraft trotzen kann. Einige der schönsten und interessantesten Exemplare solch klippenspringenden oder fallsüchtigen Wassers finden sich in Neuseelands vielschichtigen Landschaften, geprägt von dem sehenswerten Zusammenspiel von Bergen und wilden Gewässern auf engstem Raum. Manche der zahlreichen Wasserfälle verbergen sich in dichtem Regenwald, manche fallen direkt von der Küste in den Ozean, wieder andere dienen wagemutigen Kajakfahrern als Waschmaschine. Schon die europäischen Entdecker unter James Cook bemerkten die ganz praktischen Vorteile dieser Einrichtungen der Natur, als sie im Jahr 1773 in der Dusky Bay im Südwesten ankerten um zum ersten Mal neuseeländischen Boden betraten:

»In dieser Gegend trafen wir eine schöne geräumige Bucht an, die so tief und schräg ins Land hinein ragte, daß man von dort aus die See gar nicht sehen konnte. Das Ufer derselben war steil und von demselben stürzten sich verschiedene kleine Wasserfälle aus großen Höhen herab, welches eine überaus schöne Scene ausmachte. Sie ströhmten mitten aus dem Walde hervor und fielen alsdenn in durchsichtigen hellen Wasser-Säulen so senkrecht herunter, daß ein Schiff ganz nahe bey denselben sich hätte ans Ufer legen, und vermittelst eines Schlauchs von Seegeltuche seine Wasserfässer allenfalls an Boord selbst, in aller Sicherheit anfüllen können.«(aus G. Forster »Reise um die Welt« insel taschenbuch 757, S. 147)

Huka Falls, der voluminöse Abfluss des Lake Taupo

Der Lake Taupo im Zentrum der neuseeländischen Nordinsel, dessen 185 Meter tiefes Becken vor 26.500 Jahren als Caldera eines mächtigen Supervulkans entstand, beeindruckt auch heute noch mit seinem alpinen Panorama, welches die umgebenden Gipfel der Bergketten um den Mt Tongariro und Mt Ngauruhoe umrahmen. Doch auch der größte See Neuseelands kann nur eine begrenzte Menge Wasser fassen, und so haben sich die überschüssigen Liter Lake Taupo im Laufe der Erdzeitalter ein Bett in den nachgiebigen Sand- und Bimsstein des nördlichen Ufers gegraben. Der Taupo Walkway führt direkt an den extrem klaren bis eisblauen, aber auch im Winter nicht 10° C unter­schreitenden Wassermassen entlang, die sich hinter den Aratiatia-Stromschnellen effektvoll und mit voluminösen 140.000 Litern pro Sekunde über eine Stufe aus hartem Silikatgestein 11 Meter tief in einen lang gezogenen Kessel stürzen, der es in sich hat. Nur wenige Mutige haben es per Kajak versucht, die Huka Falls in ihrem lediglich 15 Meter breiten Canyon zu bezwingen, dessen brodelnde Ober­fläche sich scheinbar mehr in der angrenzenden Luft als auf dem Wasser abspielt. Jedenfalls bleibt dem unfreiwilligen Schwimmer mitten in dieser vulkangetriebenen Toilettenspülung kaum Zeit, in einem der zahlreichen gurgelnden Strudel zu ertrinken, die sich nur langsam beruhigen und anschließend als Waikato River in idyllischer Landschaft verlaufen.

Der urbane neuseeländische Wasserfall: Whangarei Falls

Die kleine Stadt Whangarei ist nicht nur das Regionalzentrum Northlands und verfügt in unmittelbare Zentrumsnähe über einen vorzeigbaren kleinen Yachthafen am Town Basin, sondern hat in seiner Stadtgrenze auch einen ausgewachsenen Wasserfall zu bieten. Oben wirkt das Gewässer mit dem umgebenen Park samt akkurat gestutztem Rasen und den Enten durchaus künstlich, während das Wasser während des Falls seine Wildheit zurück zu erlangen scheint. Denn von unten wirkt der Wasserfall eher wie eines dieser naturbelassenen und ungezähmten Modelle, welche besonders gerne als Kulisse in Werbespots für Haarwaschmittel rekrutiert werden. Tatsächlich ist das Becken am Fuß der 25 Meter hohen Whangarei Falls als Badestelle freigegeben – was angeblich auch die Aale zu schätzen wissen, die hier ihrem Tagwerk nachgehen und früher von den erstbewohnenden Maori als willkommene Ergänzung ihrer ge­wohnten Kost aus lokalen Meeresfrüchten und der Kumara-Süßkartoffel gefischt wurden. Im Fließverlauf entleert sich der kleine See in den meist friedlichen Hatea River, ein vom dichten Regen­wald über­schattetes Flussbettchen – angesichts der Lage innerhalb des Stadtgebietes von Whangarei ein effektvoller und ansehnlicher urbaner Beweis dafür, dass man nach der ursprünglichen Natur Neuseelands nie lange suchen muss.

Haruru Falls im historischen Paihia: Übernachten mit Wasserrauschen und Fallblick

Auch wenn Neuseeland sowohl als erdgeschichtlich wie auch politisch-historisch relativ junges Land auf keine besonders lange Vergangenheit zurückblickt, sind doch die heutigen Wasserfälle sämtlich älter als die Nation selbst, deren Gründungsort natürlich mit viel Wasser zu tun hat: In Paihia inmitten der Bay of Islands wurde bekanntlich der Treaty of Waitangi unterzeichnet, und zwar mit bestem Blick auf die Bucht und jenes Wasser, welches den 15 Meter breiten Waitangi River über die südlich angrenzende Flussmündung versorgt. Keine 3.000 Meter flussaufwärts fällt das Wasser mit dem berühmten Namen 5 Meter tief in ein Becken, dass den Gästen der angrenzenden Campingplätze als Kajakrevier und Badestelle dient. Tatsächlich lässt es sich hier mit direktem Schlafraumblick auf die Haruru Falls komfortabel übernachten. Doch die Bedeutung als Wasserweg geht sogar weiter zurück als der Treaty of Waitangi selbst, denn schon zu Zeiten der ersten europäischen Besiedlung im späten 18. Jahrhundert wurden die Sandbänke des Waitangi Rivers als Landeplatz für die Kanus der Maori genutzt. Das vielleicht beeindruckenste dieser hochseetüchtigen Boote liegt heute innerhalb der Treaty Grounds am Hobson`s Beach und ist so be­deutend, dass es neben einem eigenen Schutzdach auch einen Namen besitzt: Nga Toki Matawhaorua. Dieses aus zwei gewaltigen Kauristämmen ge­schnitzte Kriegskanu bietet 150 Kriegern Platz und ist das wahrscheinlich größte jemals von Maori gebaute Waka. Doch für die Flussfahrt eigenet es sich nur bedingt, denn auf den Haruru Falls würde es mit seiner beachtlichen Länge von 35,7 Metern aufsetzen, und alle 150 Krieger samt Ruderern müssten aussteigen.

Informationen zu weiteren sehr speziellen Wasserfällen finden sich hier:

FxReid Ständiger Autor Australien&Ozeanien-Reisen, © FxReid

Felix Reid - Ständiger Autor im Ressort Australien- & Ozeanien-Reisen; Freier Autor für unterhaltsame Golfsport-Beiträge; Ghostwriter ...

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