
- Langhaus im Huronendorf, Midland, Ontario - Monika Fuchs, TravelWorldOnline Ontario Reise
In Midland, Ontario, einer Kleinstadt am Südufer der Georgian Bay des Lake Huron dreht sich vieles um die reiche Geschichte der Region: hier lebten die Huronen-Indianer in einem Dorf, das sich in der Nachbarschaft einer der größten Jesuiten-Missionen auf nordamerikanischem Territorium befand. Im Zentrum des Ortes kann man heute das Indianermuseum besichtigen, das den offiziellen Namen "Huronia Museum & Huron Quendat Village" trägt.
Das Huronia Museum & Huron Quendat Village in Midland, Ontario, Kanada
Mitten im Ort hat man ein traditionelles Huronen-Dorf rekonstruiert, das die Lebensweise der Huronen so zeigt, wie sie zur Zeit des ersten Kontaktes mit französischen Missionaren aussah: die Huronen-Indianer wohnten in jenen Jahren in Dörfern, die zum Schutz gegen Angriffe der feindlichen Irokesen-Stämme aus dem Süden mit hohen hölzernen Palisadenzäunen umgeben waren. Diese fassten zwischen acht bis 50 Familien, je nach Bedeutung und Lage. Die Menschen lebten vor allem von der Landwirtschaft, die sie nach heutigen Erkenntnissen seit etwa 1100 betrieben. Dazu kam Handel, der die Huronen-Händler oft weit von ihrer Heimat weg führte.
Das Leben in einem Huronendorf in der Region des heutigen Midland, Ontario
Die Zusammengehörigkeit der verschiedenen Gruppen basierte auf familiären und sozialen Beziehungen, wobei es letztendlich aber dem Einzelnen überlassen blieb, ob er in seiner Gemeinschaft blieb oder sich lieber anderswo niederließ. Es kam immer wieder vor, dass eine Familie sich auf den Weg machte, um sich in einem anderen Dorf anzusiedeln.
Die Huronen lebten in Langhäusern, die sich bis zu 30 Personen teilten. Meist handelte es sich dabei um enge Verwandte: Großeltern, Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins, Eltern und Geschwister wohnten gemeinsam in einem Langhaus. Schlafstätten befanden sich entlang der Langseiten dieser Holzhäuser. Gekocht wurde über Feuerstellen im Zentrum. Auch religiöse Zeremonien und Treffen fanden darin statt und Lebensmittel, Tabak, Pelze und Leder wurden in den Langhäusern aufbewahrt und verarbeitet. Daneben gab in den Dörfern kleine Unterkünfte, die Wigwams, die vor allem der Unterbringung von Gästen dienten. Gingen die Huronen auf Reisen, dann errichteten sie unterwegs Wigwams als provisorische Unterkünfte.
Handwerk im Huronendorf in Midland, Ontario
Die Huronen kannten verschiedene Handwerksarten, die sie in ihren Dörfern ausübten. So wurden Kanus aus Rinde gefertigt, die ihnen auch Reisen über lange Distanzen ermöglichten. Daneben gab es Kanus, die vor allem für den Fischfang vor Ort genutzt wurden. Stahl oder Metall kannte man bei den Huronen nicht, daher brannte im Dorf immer ein Feuer, das zum Schneiden genutzt wurde. Mit kontrolliertem Feuer wurden Bäume gefällt und Bäume zerschnitten. Die Töpferei war ein wichtiges Handwerk. Koch- und Lagerbehälter wurden aus einem Ton-Quarz-Gemisch hergestellt und mit Hilfe von scharfen Knochen oder Holzstücken verziert. Masken spielten im religiösen Leben eine wichtige Rolle und wurden im Dorf geschnitzt. Und dann gab es natürlich verschiedene Werkzeuge, die aus Stein, Holz oder Knochen geschaffen wurden.
Ackerbau bei den Huronen von Midland, Ontario, Kanada
Die Huronen-Indianer gehörten zur Gruppe der Waldlandindianer, die schon früh vom Ackerbau lebten. Angebaut wurden vor allem Mais, Bohnen, Kürbis und Tabak. Die Gemüsesorten pflanzte man zusammen und sorgte so für eine optimale Versorgung der Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen. Mit Sonnenblumenöl vermischt waren Mais, Bohnen und Kürbis die Hauptnahrung der Huronen. Tabak galt als heilige Pflanze und wurde auf dem Dorfgelände angepflanzt, um ihn vor Frost und Wind zu schützen. Im Herbst erntete man die Tabakblätter und hängte sie im Langhaus zum Trocknen auf. Tabak wurde vor allem bei religiösen Zeremonien verwendet und diente der Kommunikation mit der Geisterwelt.
Das Huronendorf von Midland, Ontario rekonstruiert diese Lebensweise der Huronen aus dem 16. Jahrhundert liebevoll. In einem Langhaus können sich Besucher in die damalige Zeit zurückversetzen. Auf Feldern wird die indianische Art des Ackerbaus gezeigt, und in Arbeitshütten kann man nachvollziehen, wie die einzelnen Handwerker ihre Aufgaben erfüllten.
Das Huronia Museum & Huron Ouendat Village befindet sich an der 549 Little Lake Park Road in Midland, Ontario, Kanada. Tel. (705) 526-2844
Quelle: eigene Recherchen vor Ort
