
- Heidelberg Panorama - Clearlens / pixelio.de
Heidelberg – die vielleicht romantischste Stadt Deutschlands. Doch was ist so besonders an diesem nicht einmal 150.000 Einwohner beherbergenden Stückchen Kurpfalz, dass es sich als Aushängeschild deutscher Geschichte und Kultur weltweit zu den bekanntesten und meistbesuchten deutschen Städten zählen darf?
Schloss Heidelberg
Wohl unumstritten die bekannteste Sehenswürdigkeit Heidelbergs ist das Heidelberger Schloss, dessen Grundsteinlegung sich bereits auf das 13. Jahrhundert zurückführen lässt. Heute blickt das majestätisch auf dem Königsstuhl thronende Monument auf eine Vergangenheit zurück, die geprägt von Krieg und Zerstörung ist. Allen voran im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Schloss sehr stark beschädigt und im Anschluss nur teilweise restauriert. Die heutige Ruine bietet Besuchern aus der ganzen Welt faszinierende Führungen, lockt mit einem unvergesslichen Blick über die Heidelberger Altstadt und dem größten Weinfass der Welt. Ebenso nicht unbeachtet sollte der ehemalige Hortus Palatinus, der pfälzische Garten bleiben. Zwar ähnelt er heute nur noch teilweise dem historischen Vorbild – eine komplette Wiederherstellung des früheren Zustandes ist geplant – doch ist ein Besuch dieses seinerzeit als das "achte Weltwunder" betrachteten Schlossgartens in jedem Fall empfehlenswert.
Zu erreichen ist das Schloss auf mehreren Wegen. In gemütlichem Tempo kann man das Schloss in etwa fünfzehn Minuten von der Altstadt aus zu Fuß erreichen. Parkplätze oberhalb des Schlossgartens ermöglichen auch die Anreise mit dem Auto.
Die Bergbahn von Heidelberg
Der wohl aufregendste und daher empfehlenswerte Weg zum Schloss ist aber ein anderer: Die bereits 1890 eröffnete Heidelberger Bergbahn führt in zwei Abschnitten von dem in der Altstadt gelegenen Kornmarkt, vorbei am Schloss (hier besteht eine Ausstiegsmöglichkeit) über die Umsteigestation Molkenkur auf den Königstuhl. Vor allem der obere Teil, für den in die historische Bergbahn umgestiegen werden muss, ist in jedem Fall eine ganz besondere Erfahrung. Auch für die kleinsten Besucher Heidelbergs bietet sich eine Fahrt auf den Gipfel des Königstuhls an, da hier mit dem Märchenparadies ein kleiner Freizeitpark wartet.
Heidelbergs Altstadt
Zurück im Tal wartet der älteste Stadtteil Heidelbergs, die Altstadt, darauf erkundet zu werden. Als Aorta führt Europas längste Fußgängerzone mit vielfältigen Geschäften und Boutiquen vom Bismarckplatz, dem infrastrukturellen Zentrum Heidelbergs, bis zum Marktplatz, direkt unterhalb des Schlosses. Bei einem Spaziergang durch die Hauptstraße offenbart Heidelberg weitere Sehenswürdigkeiten.
Kirchen in Heidelberg
Heidelberg beherbergt zahlreiche, geschichtsträchtige religiöse Bauten. Die Jesuitenkirche und die Peterskirche in der Altstadt, die Christuskirche und die Bonifatiuskirche in der Weststadt sind nur einige der Gotteshäuser, die ein Interessierter besuchen sollte. Doch die wohl bedeutendste Kirche Heidelbergs und ein absolutes Muss für alle Touristen ist zweifelsohne die 1398 errichtete Heiliggeistkirche im Herzen der Altstadt. Eine ihrer Besonderheiten: das Gotteshaus war von 1706 an über 200 Jahre durch eine Mauer in einen protestantischen und einen katholischen Bereich getrennt.
Rund um den Marktplatz
Einmal bis zur Heiliggeistkirche vorgedrungen, warten bereits die nächsten Sehenswürdigkeiten der Stadt in unmittelbarer Nähe. Das Haus zum Ritter ist das älteste noch erhaltene Haus Heidelbergs. Es wurde 1592 errichtet und überlebte Kriege, Feuer und andere Naturkatastrophen. Heute findet sich eines der edelsten Hotels der Stadt in diesem ehrwürdigen Gebäude. In seiner direkten Nachbarschaft findet man weitere sehenswerte Bauten wie das Rathaus, die ehemalige Hofapotheke oder etwas gen Neckar, das Geburtshaus Friedrich Eberts – mittlerweile ein Museum – und den Marstall. Als eines der wenigen Bauwerke, das aus dem Spätmittelalter erhalten geblieben ist, wurde der 1510 erbaute Marstall lange Zeit als Zeughaus genutzt. Heutzutage dient der Großteil des Gemäuers als Mensa der Universität Heidelberg, und für einen geringen Aufpreis im Vergleich zu den immatrikulierten Studenten kann jeder das vielseitige Essensangebot der besten Mensa Deutschlands genießen.
Die alte Brücke in Heidelberg
Etwas in östlicher Richtung gelegen und in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar, macht eine der nächsten Sehenswürdigkeiten auf sich aufmerksam: die alte Brücke. Das ebenfalls beliebte Postkartenmotiv, dessen offizieller Name Karl-Theodor-Brücke lautet, wurde in der heutigen Form zwar erst 1788 fertig gestellt, hatte aber mehrere Vorgängerbrücken, die bis in das 13. Jahrhundert zurückreichen. Weit älter als die eigentliche Brücke selbst ist das auf ihr befindliche Brückentor mit seinen flankierenden Doppeltürmen. Das Tor war einst Bestandteil der Stadtbefestigung, während die Türme zum einen als Kerker, zum anderen als Wohnung des Brückenwächters dienten.
Ruprecht-Karls-Universität
An zentraler Stelle der Altstadt, dem Universitätsplatz, liegt der historische Teil der Universität Heidelberg. Sie wurde 1386 gegründet und ist damit nicht nur die älteste Universität Deutschlands, sondern auch eine der ältesten weltweit. Aufgrund der großen Anzahl an Studierenden unterhält die Universität mittlerweile zahlreiche Gebäude, nicht nur rund um den Universitätsplatz – hier auch die Hauptbibliothek –, sondern verteilt in der gesamten Altstadt, aber auch in Bergheim und Neunheim. Immer einen Besuch wert ist auch der kleine, aber gut erhaltene Karzer der Universität in unmittelbarer Nähe der historischen Universitätsgebäude. Dieser diente einige Jahrzehnte als Arrestzelle für ungehorsame Studenten. Noch heute geben die Wandmalereien der Inhaftierten einen sehr guten Einblick in den damaligen studentischen Zeitgeist.
Heidelberger Museen
Heidelberg hat auch eine Menge für Museenliebhaber zu bieten. Besonders gefragt ist das Kurpfälzische Museum, das einen Querschnitt durch die Geschichte der Region rund um Heidelberg zu erzählen hat. Eines der besonderen Highlights ist der ausgestellte Kiefer des Homo Heidelbergensis, der in Mauer, einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Heidelberg (und nicht wie oft fälschlich dargestellt in einer Mauer in Heidelberg), ausgegraben wurde.
Der Bergfriedhof
Am Rande der Südstadt – die früher den Rand Heidelbergs darstellte, aber mittlerweile aufgrund der Urbanisierung in die Mitte Heidelbergs "gewandert“ ist – liegt der Bergfriedhof. Dieser bedeutendste Friedhof Heidelbergs ist heute die letzte Ruhestätte vieler berühmter Persönlichkeiten wie Friedrich Ebert, Carl Bosch, Robert Bunsen oder Albert Speer. Verschiedene Touren führen Touristen durch die weitläufigen Anlagen.
Die Thingstätte
Auf der gegenüberliegenden Neckarseite ziert die Thingstätte die Spitze des Heiligenberges. Diese 1935 erbaute und mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Freilichtbühne nach griechischem Vorbild dient heute verschiedenen Konzerten und Versammlungen als Veranstaltungsort. Vor allem zur Walpurgisnacht am 1. Mai ist die Thingstätte ein beliebtes Ziel für "Pilger“ aus der ganzen Region.
Heidelberg auf einen Blick
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Heidelberg, das beschauliche Studentenstädtchen im Norden Baden-Württembergs, seine Gäste mit einem ganz speziellen Charme verzaubert und weit mehr als nur ein schönes Schloss zu bieten hat. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall.
