Wenngleich bekannt ist, dass Hygiene im Mittelalter nicht sonderlich verbreitet war, findet die Herstellung von Seife doch auch hier Verwendung und war nach Aufkommen der Badehäuser zunehmend beliebt. Karl der Große (747-814) förderte das aufkommende Handwerk, doch ihre Wurzeln findet die Seife in den Epochen zuvor:

Seife im Rückblick

Von den Sumerern ist auf 4500 Jahre alten Tontafeln in Keilschrift die älteste Anleitung zum Kochen von Seifen und damit die älteste Quelle einer chemische Reaktion überliefert: Man kochte Holzasche mit Pflanzenölen.

Auch den alten Ägyptern, Griechen und Römern war dies bekannt. Allerdings diente diese Seife meist weniger dem Waschen als der Kosmetik.

Die Kelten stellten aus Buchenaschenlauge mit fettreichen Bucheckern und Bockstalg Seife her, die unter anderem zur Haaraufhellung und Pflege verwendet worden ist, wie von Marcellus Empiricus zu erfahren war.

Bis etwa zur Jahrhundertwende wurde Wäsche mit Holzasche gewaschen. Man füllte sie in Leinensäckchen, legte sie in den Waschbottich, packte Wäsche hinein, goss heißes Wasser nach. Wurde das Wasser zu kalt, zapfte man es ab, erhitzte die Lauge erneut. Der Begriff „Lauge“ stammt somit von diesem Auslaugen der Holzasche.

Die Industrialisierung

Mit dem Aufschwung der Textilindustrie Anfang des 18. Jahrhunderts, begann die Massenproduktion, wurde Seife zum hohen Bedarfsgut. Die Siedereien kamen zunächst mit der Produktion nicht mehr nach, da die Rohstoffe Talg und Holzasche knapp wurden. Erst durch die Einfuhr billiger Fettrohstoffe und die Erfindung eines preisgünstigen Verfahrens zur Herstellung von Soda am es wieder zu einer ausreichenden Rohstoffversorgung.

Seifesieden

Das Seifensieden selbst ist eine einfache Sache. Dennoch möge man daran denken, dass mit einer starken Lauge gearbeitet wird. So sind nicht nur Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, sondern zudem alle Geräte und Hilfsmittel vorzubereiten.

Manche Seifensieder nehmen nur pflanzliche Fette und solche aus biologischem Anbau, andere bevorzugen tierische Fette, die sich gut verseifen lassen, eine feste und angenehm schäumende Seife ergeben.

Am besten eignet sich Talg, also Rinderfett, danach folgen Schaf-Fett und Schmalz, somit Schweinefett. Unter den pflanzlichen Fetten Olivenöl.

Für eine einfache Anfängerseife nehmen wir 500 Gramm Schweineschmalz/ Rindstalg und 500 Gramm Sonnenblumen- oder Rapsöl.

Materialien

Wir brauchen einen großen Topf, emailliert oder aus nichtrostendem Stahl, einen kleinen Topf zum Mischen der Lauge, ein kleines Glasgefäß zum Abwiegen, 1 Holzkochlöffel, 1 Küchenthermometer, eine Schale als Form, ein feuchtes Tuch.

Die Herstellung

Fett und das Öl im großen Topf langsam erwärmen. 60 bis 90 Grad sind gut. Wenn es geschmolzen ist, lässt man den Topf wieder abkühlen. In der Zwischenzeit bereitet man die Lauge zu.

Alternative: Statt selbstgemachter Lauge Natron nutzen (Apotheke). Dies ist in Wasser aufzulösen, das Fett gibt man hinzu.

Jedes Fett oder Öl braucht eine ganz bestimmte Menge Lauge zur Verseifung. Nimmt man zuviel Lauge, wird die Seife ätzend und kann für die Haut gefährlich werden. Nimmt man zu wenig, bleibt ein Teil des Öles unverseift in der Seife zurück.

Wir nehmen für die Fettmengegenau 130 Gramm Natronlauge, lösen es in 380 Gramm destilliertem Wasser auf.

Wichtig hierbei ist, zuerst das Wasser in den Topf , langsam das Ätznatron hinzu zu geben. Niemals umgekehrt, sonst gibt es eine kleine Explosion mit Laugenspritzern.

Somit das Ätznatron unter ständigem Rühren vorsichtig einrieseln lassen. Nicht einatmen! Man rühre so lange, bis das Wasser wieder klar wird. Beim Auflösen des Ätznatrons wird sich das Wasser stark erwärmen.

Jetzt beginnt die eigentliche Seifensiederarbeit: Man schüttet vorsichtig die noch heisse, aufgelöste Lauge in den Topf mit dem Fett und dem Öl, das noch immer 50 bis 60 Grad haben sollte. Die Lauge vorsichtig unter langsamem Rühren in das Fett-Öl-Gemisch einlaufen lassen und vermengen.

Ist dieser Brei nun derart fest, dass man mit dem Löffel darauf Spuren zu hinterlassen, fast zu zeichnen vermag, kann man gewünschte Kräuter für Düfte und Farben hinzugeben, bevor die flüssige Seifenmischung zu sehr erhärtet.

Verfeinerung

Lavendel, Rosmarin oder Zitronenmelisse duften herrlich; Spinat, Rote Beete und Möhren geben zarte Farben. Früchte, Blüten und Blätter sind vor dem Einrühren zu schneiden und zu zerstampfen.

Wer jetzt zu lange rührt, zu heiß arbeitet, wird die Seifenmasse nunmehr schwer aus dem Topf in die Seifenform bekommen. Die Seife wird grob und bröckelig, so arbeite man mit Bedacht...

Der letzte Schritt zur Seife

Nun wird die Seifenlösung in eine nasse Holzschale der gewünschten Grösse gegossen, die mit feuchten Tüchern ausgelegt ist.

Nach vierundzwanzig Stunden kann man die Seife mit Hilfe des darunter liegenden Tuches herausnehmen. Um sie in Stücke zu schneiden, lege man Schlingen aus dünnem Draht um sie herum und ziehe diese dann zu oder schneide sie mit dem Messer. Ebenso kann man auch noch die Kanten beschneiden, damit die Seife gut in der Hand liegt.

Die Seifenstücke sollten nun noch einige Tage liegen bleiben und trocknen. Dies geschieht am besten an der Luft, jedoch geschützt vor Hitze und Frost. Nach etwa zwei Wochen kann die Seife benutzt werden. Durch das Schneiden, Trocknen und die luftige Lagerung vervollständigt sich der Verseifungsprozess und das überschüssige Wasser verdunstet. Das Seifenstück gewinnt an Härte und wird milder.

Viel Freude mit der selbstgemachten Seife!