
- Wiecherns Ursprungskranz - Pixelio
Weit verbreitet ist die Vorstellung, die Feier der vier Wochen vor Weihnachten als Advent, als Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten (vom lateinischen advenire – Ankommen), sei nur im deutschen Sprachraum bekannt. Und dies gelte ganz besonders für den traditionellen Adventskranz. Tatsächlich gibt es diesen Brauch aber sogar in der orthodoxen Ostkirche – hier mit sechs Kerzen, weil die Adventszeit dort sechs Wochen dauert. „Erfunden“ hat diesen Brauch nach evangelischer Überlieferung der Hamburger Volkstheologe Johann Hinrich Wichern (1808 – 1881).
Gründer der evangelischen Diakonie
Wichern – der aus bescheidenen Verhältnissen einer kinderreichen Familie stammte – hatte nach einem Erweckungserlebnis mit Hilfe begüterter Hamburger – eine seiner Förderinnen war Amalie Sieveking, an die an der Elbe der Name eines Krankenhauses erinnert – auf dem Zweiten Bildungsweg Theologie studiert und dabei seine Erweckungsvorstellungen vertieft. Seine Lebensaufgabe sah er in der praktischen Arbeit für die ärmeren Schichten und wurde so zum Gründer der „Inneren Mission“. Dabei ging es ihm auch um sehr genau definierte theologische Fragen, die hier zu erläutern zu weit führen würde. Praktisch setzte er seine Ideen mit Hilfe reicher Freunde durch die Gründung der Einrichtungen des „Rauhen Hauses“ – ursprünglich Ruges Haus – um. Erst nahm er dort vernachlässigte Jungen, später auch Mädchen auf. Das „Rauhe Haus“ – mit dem Wichern das „Diakonat“ erneuern wollte – gilt heute als Keimzelle des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche nicht nur in Deutschland, sondern überall, wo es protestantische Kirchen und Gemeinden gibt.
1839 erstmals ein Lichterkranz in der Vorweihnachtszeit
Und für diese Jungen hat Wichern 1839 in der Absicht, in ihnen die Vorfreude auf Weihnachten zu wecken und zu stärken, erstmals in der Adventszeit einen hölzernen Kranz mit 24 Kerzen – 19 kleinen und 4 großen – aufgehängt. Jeden Wochentag wurde eine kleine, jeden Sonntag eine große Kerze angezündet. Um 1860 soll Tannengrün dazu gekommen sein.
Der Adventskranz hat etliche Jahrzehnte gebraucht, bis er erst von evangelischen Familien, später allgemein in Deutschland übernommen worden ist. Dabei wurde aus praktischen Gründen die Zahl der Kerzen auf vier reduziert. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts findet sich dann dieser Brauch überall in Deutschland und kam um 1930 auch nach Österreich.
In Skandinavien wird der 3. Advent besonders gefeiert
Inzwischen sind Adventskränze zumindest im evangelischen Nordeuropa allgemein verbreitet. In Skandinavien ist es üblich, die Kerzen des einzelnen Sonntags entsprechend den Farben der Paramente – der Altar- und Kanzelbehänge – zu wählen. Der 3. Adventssonntag gilt in katholischen Kreisen, aber auch in manchen evangelischen Landeskirchen als „Freudensonntag“ mit Rosa als litrugischer Farbe. Die Katholische Kirche hat ihren Priestern sogar die Möglichkei tan die Hand gegeben, den Adventskranz zu segnen.
