
- fun+facts: Sekretärin - BW Bildung und Wissen
Onduliertes Haar, der graue Glockenrock reicht zur Wade, die Seidenbluse mit streng geschnittener Weste verbirgt züchtig die Büste. So reicht sie dem Chef Hut und Aktentasche. Und der leicht devot-freundliche Blick verrät: Hätte sie noch eine dritte Hand frei, sie würde zugleich auch die geöffnete Zigarrenkiste hinhalten. So war es – jedenfalls in der Werbung, im Jahr 1957. Das Bild hat sich gewandelt – über Miss Moneypenny bei James Bond zu Adelheid und ihren Mördern, bis hin zur scheinbar liebreizenden Signorina Elettra der Donna Leon. Aber in all diesen Wandlungen ist eines geblieben: Die Sekretärin war und ist eine Macht, doch die Chefs merken es oft nicht.
Professionell „den Laden schmeißen“
Gisela Tesmer hat dies dokumentiert in einem schmalen Bändchen mit dem Titel „fun + facts für Sekretariatsprofis“. Das ist eine Sammlung von Anekdoten, kuriosen, witzigen und unerwarteten Geschichten. Aber das ist nur die eine Seite. Wer Sekretärin werden will oder ist, findet mancherlei nützliche Tipps und Infos. Dieser Teil des Bändchens hat wenig mit der Frage zu tun, wie man den Chef um den Finger wickelt, sondern mehr damit, wie man professionell „den Laden schmeißt“. Es sind Anleitungen, humorvoll und sachdienlich. Wobei jene, die heutzutage bei „Windows“ an den Fensterputzer denken, ein „Motherboard“ für den Mütterdienst halten und bei einer „Maus“ an die Mietzekatze (oder an sich selbst) denken, eigentlich gar nicht weiterlesen sollten.
Heute ist es ein Office-Management
Das Buch gibt Anleitungen zur Ausbildung und Weiterbildung, gute Tipps, wie man Sekretariatsfachkauffrau, Office-Managerin oder geprüfte Direktionsassistentin wird, wie man sich selbständig machen kann mit einem Büroservice oder einem Business-Center-Sekretariat. Dabei stellt sich bald heraus, dass die „reinen“ Sekretariatsjobs gar nicht mehr so häufig sind, sondern dass Büro und Verwaltung mittlerweile nicht selten fließende Grenzen haben. Die Sekretärin von heute betreibt „Office-Management“ – und das kann ein Sprungbrett sein für weitere Karriereschübe.
Berühmte Vorbilder: Margaret Thatcher und Annemarie Renger
Das Karrieresprungbrett „Sekretariat“ also. Vor Jahrzehnten hieß dies eine Karriere als Chef-Gattin (kommt auch heute noch vor); aber es kann auch anders kommen. Als Sekretärin angefangen haben beispielsweise die Künstlerinnen Ruth Leuwerik, Carolin Reiber und Ingrid Steeger. Ihr Markenzeichen: Selbstdiszplin und Selbstvermarktung. Alice Schwarzer war ursprünglich eine Sekretärin. Die ehemalige Sekretärin Margaret Thatcher war als „eiserne Lady“ über mehrere Legislaturperioden hinweg Premierministerin in Großbritannien. Last but not least: Die Büromitarbeiterin des ersten SPD-Vorsitzenden nach dem Krieg, die Sekretärin von Kurt Schumacher, beschloss ihre berufliche Karriere als Präsidentin des Deutschen Bundestags. Es war Annemarie Renger. Ist schon was: Von der Tippse zur Managerin der Macht.
Schutz gegen die Managerkrankheit
In dem Begriff „Sekretariat“ steckt das lateinische Wort „secretum“, was unter anderem „Geheimnis“ bedeutet. Dies Büchlein versucht erfolgreich, einige mehr oder weniger „geheime Geheimnisse“ des Arbeitslebens im Sekretariat zu lüften, Tipps zu geben und zudem ein paar vergnügliche Lesestunden zu schenken. Wissenswertes und Unterhaltendes zur Geschichte dieses Berufsstandes finden sich hier – bis hin zu Online-Adressen, Websites für Sekretariatsprofis oder Sekretärinnen-Netzwerke. Das alles schließt mit einem mahnenden Wort an die Adresse der Chefs. Es stammt von dem berühmten Chirurgen Ferdinand Sauerbruch: „Der beste Schutz gegen die Managerkrankheit ist eine gute Sekretärin“. -- Gisela Tesmer: fun+facts für Sekretariats-Profis, 120 Seiten, Hardcover, BW Bildung und Wissen Verlag, 7,90 Euro
