Selber machen macht glücklich

Hochbett selbst gebaut - L.Gausepohl
Hochbett selbst gebaut - L.Gausepohl
In Zeiten, in denen man sich fast alles online bestellen kann, beginnen immer mehr Menschen wieder Dinge selber zu machen und sich gut dabei zu fühlen.

Frauenzeitschriften bieten ja, je nach Jahreszeit, Bastelanleitungen zu Ostern und Weihnachten und jede Menge Back- und Kochrezepte, immer noch ein wenig in der Spur alter Rollenmuster. Aber mehr und mehr Menschen spüren aus anderen Gründen, das ein Leben zwischen Büro und Facebook, Supermarkt und Onlinebestellung auf Dauer eine gewisse Leere entstehen lässt.

Entfremdeter Konsument oder selbst gemachtes Selbstwertgefühl

Mehrjährige Untersuchungen der Diplom-Psychologin Ines Imdahl ergaben, dass ein verstärkter Trend zum Selbermachen besteht und dass dies nicht daran liegt, dass sich Frauen wieder in ihre alten Rollen zurückdrängen ließen. Die Menschen wollen viel mehr wieder ihre Hände benutzen, weil sie einem verbreiteten Entfremdungsgefühl entkommen möchten. Die Studien kamen zu dem Ergebnis, dass diejenigen, die wieder selbst Hand anlegen, ungeahnte Zeit für sich gewinnen und auch noch das befriedigende Gefühl, etwas mit seinen eigenen Händen geschaffen zu haben.

Aber hinter dem Trend des Selbermachens steht auch der Wunsch, den ausbeuterischen Tendenzen der Globalisierung ein Stück weit entgegen zu wirken, weniger abhängig zu sein von den normierten Produkten der Industrie und des Handels. Dies entspricht auch der Tendenz vermehrt regionale und Bio-Produkte zu kaufen.

Von Brot backen bis zimmern

Was man für sich als Möglichkeit, etwas selbst zu machen, auswählen kann, ist sehr breit gestreut. Es bietet sich natürlich an, dass man nicht mit den ganz schwierigen Dingen anfängt, sondern zunächst etwas gängiges und leicht zu organisierendes auswählt. Die Küche ist hier sicher ein weites Feld, vom Brot backen über Marmelade kochen bis zum Anbau von Kräutern auf der Fensterbank oder dem Balkon. Daneben gibt es noch das früher sehr beliebte Stricken, Häkeln und Sticken und andere Handarbeiten. Auch für Männer kann dies sehr entspannend sein. Aber natürlich gibt es auch „typisch“ männliche Tätigkeiten, die sich für den Selbermacher anbieten. Das Arbeiten mit Holz, das Gärtnern im Garten und das Werkeln am Fahrrad oder Motorrad. Sogar das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln kann eine gewisse Befriedigung verschaffen. Selbst gemachte Grußkarten (auch am Computer), Geschenkpackungen oder Dekorationen für die Wohnung sind weitere Möglichkeiten, sich selbst zu betätigen und zu erproben. Manch einer möchte gerne, aber traut sich nicht heran. Dabei gibt es heute jede Menge Internet-Seiten (nicht zuletzt Suite101.de), die hier zahlreiche Anleitungen anbieten, ebenso jede Menge Magazine und Bücher. Natürlich ist das Ganze schon ein großer Markt mit Vorprodukten, der dem Kunden fast alles was das Herz begehrt an die Hand gibt. Preisvergleiche sind da unbedingt angesagt! Hat man etwas selbst hergestellt, dann fühlt man sich danach ungemein befriedigt (wenn alles geklappt hat) und glücklich. Dabei sollte man nicht zu schnell die Flinte ins Korn werfen oder ungeduldig werden.

Quelle:

wdr.de/tv/frautv

handmadekultur.de

Ludger Gausepohl - Geboren 1954 in Warendorf/Westf., aufgewachsen in Münster/Westf. und habe dort und in Bochum Chemie studiert. 1987 zog ich nach ...

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